Hyundai-Werk in China
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Hyundai-Werk in China: Immer mehr menschliche Arbeit ist seit Beginn der Industrialisierung von Maschinen, Robotern und Computern übernommen worden.

Kolumne „Gastwirtschaft“

Weg mit dem Arbeitszwang - her mit dem Grundeinkommen!

  • Günther Moewes
    vonGünther Moewes
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Überlassen wir die Entscheidung, welche Arbeit verantwortbar ist, lieber jedem selbst und zahlen ihm ein Grundeinkommen.

Ruiniert Arbeit die Welt? Die Frage klingt zynisch für jemanden, der gerade seine Arbeit verloren hat oder in Kurzarbeit ist. Man kann verstehen, dass er lieber weiter schädliche Kohle abbauen, Gülle einbringen, vermeidbaren Überseehandel betreiben oder Waffen herstellen möchte. Genau das ist der Trick: Die Existenz von Einzelnen zwangsweise auch an solche Arbeit zu koppeln, die dem Gesamtwohlstand, dem Planeten und der Zukunft eher schadet, den privaten Profit weniger Milliardäre aber erhöht.

Immer mehr menschliche Arbeit ist seit Beginn der Industrialisierung von Maschinen, Robotern und Computern übernommen worden. Deren ungleich höhere Produktivität hat Sozialprodukt und Wohlstand ständig erhöht. Immer mehr Menschen hätten frei werden können für neue sinnvolle soziale Tätigkeiten oder die Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Geld genug dafür wurde und wird ja von den Maschinen verdient.

Fassungslos werden sich spätere Generationen fragen, warum wir diesen Weg nicht gegangen sind. Sondern stattdessen die von den Maschinen verdienten Milliarden einfach widerstandslos wenigen ungewählten Milliardären überlassen haben. Die haben es dann mit Hilfe ihrer „Finanzmärkte“ noch weiter multipliziert und sich nach und nach Aufgaben angeeignet, über die eigentlich gewählte Vertreter hätten entscheiden sollen. Vom privaten Medienkauf bis zur privaten Mondfahrt.

Immerhin zeigen die gigantischen Rettungspakete in der Corona-Krise, dass trotz der Milliardenvermögen der Superreichen offenbar noch weitere Abermilliarden generiert werden können. Was bisher stets bestritten wurde. Spätestens jetzt könnte man endlich Schumpeters Forderung folgen und schädliche Konzerne dem Planeten zuliebe ihrer verdienten „schöpferischen Zerstörung“ überlassen. Zugunsten von Innovation. Man könnte das Geld den von schädlicher Arbeit Befreiten direkt geben.

Es wäre der erste Schritt in Richtung Grundeinkommen oder Mindesteinkommen. Arbeitszwang wäre nicht mehr Existenzvoraussetzung der Mehrheit. Die Entscheidung, welche Arbeit verantwortbar ist, könnte von jedem selbst getroffen werden. Es wäre der Jahrtausend-Schritt von einer beschäftigungsorientierten Wirtschaft zu einer bedarfsorientierten.

Günther Moewes, der Autor unser heutigen Kolumne aus der Reihe „Gastwirtschaft“, ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Wirtschaftskritiker. Zuletzt erschien von ihm „Arbeit ruiniert die Welt“ (Nomen) - eine Sammlung all seiner FR-Kolumnen.

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