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Ein Mann hält eine nachgemachte Münze mit dem Bitcoin-Logo in den Händen. (Symbolbild)
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Ein Mann hält eine nachgemachte Münze mit dem Bitcoin-Logo in den Händen. (Symbolbild)

Gastwirtschaft

Angriff aufs System

  • Silke Ötsch
    VonSilke Ötsch
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Viele Anleger:innen halten Bitcoin aus Neugierde oder hoffen auf Spekulationsgewinne. Der Bitcoin beflügelt aber auch die rechtsradikal-libertäre Szene, die darin ein Werkzeug zur Destabilisierung des Systems sieht.

Fundamentalopposition hat verschiedene Gesichter. Frust entlädt sich nicht nur in Wahlen, Demos oder Anti-Impf-Irrsinn. Protestprojekte finden sich etwa im Internet als Gebrauchsanweisungen „Wie gründe ich den eigenen Staat?“. In solchen Protest-Mikrostaaten wie Liberland, dem Königreich Deutschland oder schwimmenden Mikrostaaten des Projekts Seasteading sollen eigene Regeln gelten, weniger oder keine Regulierung und Steuern. Diese im Namen der Freiheit beworbenen Mikrostaaten haben paradoxerweise neofeudale Regierungsformen: Fürsten, Prinzen oder Staatengründer als unangefochtene Herrscher. Libertäre Milliardäre sponsern einige dieser dystopischen Zukunftsfantasien.

Das neue Jahr ist eine Gelegenheit, ein weiteres Protestprojekt im Rückblick zu betrachten: den Bitcoin. 2008 als erste Kryptowährung angekündigt, sollte die Blockchain-Technologie Banken, Zentralbanken und Vertrauen in das System ausmanövrieren und durch ein Peer-to-Peer-Netzwerk ersetzen. Unsolides Fiat-Geld sollte der Vergangenheit angehören. Beim ersten Kauf wechselten 2010 zwei Pizzen für 10 000 Bitcoin den Besitzer, heute 413 Millionen Euro.

Der Bitcoin hat sich etabliert mit einem großen Aber. Er ist keine Währung, sondern ein Spekulationsobjekt. Sein Wert schwankt. An Stelle der Banken sind Anbieter von Kryptobörsen, digitalen Geldbörsen und Serverfarmen getreten. Wer den Schlüssel vergisst oder Opfer eines Hackerangriffs wird, hat Pech. Noch schlimmer trifft es die Umwelt: die Serverfarmen, die Transaktionen verifizieren, verbrauchen so viel Energie wie ganze Staaten.

Viele Anleger:innen halten Bitcoin aus Neugierde oder hoffen auf Spekulationsgewinne. Der Bitcoin beflügelt aber auch die rechtsradikal-libertäre Szene, die darin ein Werkzeug zur Destabilisierung des Systems sieht. Diese Fantasien setzten sich bislang nicht durch. Stattdessen scheinen Kryptowährungen in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Sparkassen und Volksbanken wollen ihren Kund:innen Kryptoassets anbieten.

Über Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Destabilisierung und Umweltverbrauch im Kryptosektor regte sich kaum jemand auf. Libertäre Demokratiefeindlichkeit: wurscht. Immerhin schlägt die Wirtschaftspresse Alarm vor der neuen Gefahr: den Krypto-Omas.

Silke Ötsch arbeitet am SOFI Göttingen und der Universität Hamburg.

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