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Mais gehört zu den Pflanzen mit dem größten Flächenwachstum - doch nur 15 Prozent der Ernte werden für die direkte menschliche Ernährung verwendet.

Ernährung

Anbau für die Satten - während immer mehr Menschen hungern

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Wir produzieren mehr – aber was und für wen? Roman Herre von der Menschenrechtsorganisation FIAN legt den Finger in die Wunde. Die Wirtschaftskolumne.

Seit drei Jahren steigt die Zahl der Hungernden weltweit wieder an, so die diese Woche veröffentlichten Hungerzahlen der Welternährungsorganisation FAO. Ein Blick auf die Entwicklung der global bedeutendsten Anbauprodukte zeigt, dass unser Agrar- und Ernährungssystem jedoch überhaupt nicht auf diese Menschen ausgerichtet ist.

Die sechs Pflanzen mit den größten Flächenzuwächsen sind Mais, Palmöl, Soja, Zuckerrohr, Raps und Cassava. Ihre weltweite Anbaufläche ist seit dem Jahr 2000 um 51,1 Prozent oder 145 Millionen Hektar gewachsen. Ihnen ist gemein, dass sie große Bedeutung haben als Futtermittel, Energiepflanzen, für die Bioplastik-Produktion und andere industrielle Nutzungen.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Roman Herre,  Agrar-Referent der Menschenrechtsorganisation FIAN.

Am Anbau von Mais lässt sich dies besonders gut illustrieren: Dessen globale Ackerfläche ist von 137 Millionen Hektar auf 197 Millionen Hektar regelrecht explodiert. Mit einem Zuwachs von 60 Millionen Hektar – also der fünffachen Ackerfläche Deutschlands! – ist Mais weltweit am stärksten expandiert. Jedoch werden gerade einmal 15 Prozent der globalen Maisernte für die direkte Ernährung verwendet.

Demgegenüber ist die Anbaufläche von Weizen, der zum Großteil direkt als Nahrungsmittel verwendet wird, seit 2000 um gerade einmal 3,6 Millionen Hektar angestiegen. Jene für Kartoffeln ist sogar um eine knappe Million Hektar gesunken. Nimmt man Reis mit hinzu, ist die Anbaufläche der drei Grundnahrungsmittel um gerade einmal vier Prozent gewachsen.

Während die Bedeutung von Anbauprodukten für Tierfutter, Biosprit oder Bioplastik stark gewachsen ist, stagnieren die Flächen für Grundnahrungsmittel. Damit entfernt sich die Agrarproduktion Schritt für Schritt von ihrer primären Aufgabe der Ernährungssicherung. Und so hilft auch das gebetsmühlenhafte Rezitieren, wir müssten mehr produzieren, nicht wirklich weiter: Der Blick auf die Produktion muss gekoppelt werden mit einem Blick darauf, was auf den Flächen für wen angebaut wird.

Roman Herre.

Und obwohl diese Qualifizierung zwingend notwendig ist, um präzisere Aussagen zum Thema Welternährung zu tätigen, geschieht dies kaum. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre zeigt letztendlich, dass die Ernährung der Hungernden nicht im Fokus der dominanten Agrarproduzenten – Staaten wie Konzernen – liegt.

Roman Herre ist Agrar-Referent der Menschenrechtsorganisation FIAN.

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