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Alternativlosigkeit ist eine Schlaftablette, an der sich diejenigen, die sie verteilen, verschlucken.
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Alternativlosigkeit ist eine Schlaftablette, an der sich diejenigen, die sie verteilen, verschlucken.

Entscheidungen

Alternativlosigkeit: Gefangen im Denktunnel

  • VonKurt Steffenhagen
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Wer von Alternativlosigkeit spricht, verteilt Schlaftabletten. Nichts ist alternativlos. Die Gastwirtschaft.

Die Erklärung einer Entscheidung als alternativlos hörten wir schon von unseren Eltern zur Rechtfertigung ihrer Anweisung, die Hausaufgaben zu machen. Alternativlos waren auch die Lösungen im Rechenunterricht, eins und eins zum Beispiel ist zwei und die Teilung eines Ganzen in Hälften, Vierteln oder wie auch immer regelte sich nach dem System der Mathematik. Es war also festgelegt, alternativlos.

Manche haben in ihrem Leben später erfahren, dass eins und eins auch drei sein kann und die Teilung der Torte in Hälften nicht immer nach den Regeln der Mathematik erfolgt, sondern manchmal denen der Macht.

Die Alternativlosigkeit zieht wie ein Lineal eine Linie, die alles abschneidet, was anders denkt. Anderslosigkeit könnte man auch sagen. Bezogen auf unser Zusammenleben, auf Beziehungen zum Beispiel, bietet sich hier der Begriff der Sturheit dafür an, eine gängige und passende Bezeichnung von alternativlosem Verhalten oder besser zum Verhängnis in diesem Zusammenhang.

Die Natur lehrt uns, dass sie keine Alternativlosigkeit kennt. Das Virus, das Problem dieser Zeit, mutiert, entwickelt Alternativen und schert sich nicht darum, was wir gerade herausgefunden haben. Wobei die Erkenntnisse sowieso immer hinterherhinken.

Letztlich entstammt der Gedanke der Alternativlosigkeit, dem vorherrschenden Denksystem, der Logik, das der Starrheit verbunden ist und zudem durch die Behauptung der Alternativlosigkeit versucht, sich selbst zu bestätigen. Der Satz von Christian Morgenstern „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“, ist die Zusammenfassung der Prinzipien der Logik.

Wissenschaft will und soll ein Bild der Welt malen, ein Abbild, aufgrund dessen wir uns verhalten und nicht „einen auf den Deckel bekommen“. Dieses Bild darf gerne passgenau sein, wenn es funktionieren soll.

Das System der Logik passt bekanntlich im lebendigen Zusammenhang, im Bewusstsein der Komplexität oft nicht. Insofern ist die Behauptung der Alternativlosigkeit eine Schlaftablette, an der sich diejenigen, die sie verteilen, verschlucken.

Zur Ehrenrettung aller, die von der Alternativlosigkeit ihres Handelns sprechen, könnte man anführen, dass angesichts ihres Denktunnels keine Alternative in Sicht ist. Das wäre fair, allerdings sagt das so keiner.

Der Autor war mehr als 25 Jahre lang Berater und Coach im internationalen Management.

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