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Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als Pendant zu den konventionellen Kreditratingagenturen ein Markt für nachhaltigkeitsbezogene Unternehmensratings entwickelt.

Ratingagenturen

Achtung, Amerikanisierung!

  • Rolf D. Häßler
    vonRolf D. Häßler
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Am Markt für Nachhaltigkeitsratings lassen zwei Entwicklungen beobachten: die Oligopolisierung der Anbieterstruktur durch Übernahmen und Fusionen sowie die Amerikanisierung der Anbieter. Die EU-Kommission sollte wachsam sein.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat in einer aktuellen Stellungnahme deutliche Kritik an den großen US-Ratingagenturen formuliert, deren marktbeherrschende Position den Investoren und Märkten Schaden zufüge. Diese Aussagen erinnern an die Diskussionen in Folge der Finanzkrise von 2008. Damals waren die Rufe nach mehr Vielfalt und nach einer europäischen Antwort auf Standard & Poor’s und Co. laut – geschehen ist allerdings nichts.

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als Pendant zu den konventionellen Kreditratingagenturen ein Markt für nachhaltigkeitsbezogene Unternehmensratings entwickelt. Anstelle von Eigenkapital und Verschuldungsquote bewerten diese Agenturen, wie die Unternehmen mit Mitarbeitern und Zulieferern umgehen, Umwelt und Klima schützen und Produkte anbieten, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Der Markt für Nachhaltigkeitsratings hat dabei lange Zeit die Kriterien erfüllt, die für die Kreditratingagenturen auf dem Wunschzettel standen: eine große Vielfalt an Agenturen, ein Wettbewerb der Konzepte und eine starke Verankerung im europäischen Markt.

Mit dem Wachstum des nachhaltigen Kapitalmarktes und seiner damit steigenden Attraktivität ist das Interesse der US-Agenturen an diesem Marktsegment zuletzt deutlich gestiegen. In der Folge konnten wir am Markt für Nachhaltigkeitsratings zwei Entwicklungen beobachten: die Oligopolisierung der Anbieterstruktur durch Übernahmen und Fusionen sowie die Amerikanisierung der Anbieter. So hat der Kreditrater Moody’s die französisch-britische Nachhaltigkeitsratingagentur Vigeo Eiris übernommen, International Shareholder Services den deutschen Nachhaltigkeitspionier oekom research. Der Markt für Nachhaltigkeitsratings ist damit auf dem besten Weg, ein Spiegelbild des vom GDV kritisierten Markts für Kreditratings zu werden.

Die EU-Kommission will im Rahmen ihres Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums, mit dem die nachhaltige Kapitalanlage für Anleger attraktiver gemacht werden soll, auch prüfen, welchen Beitrag Ratings von Unternehmen hier leisten können. Es ist zu hoffen, dass die Politik dabei auch der Frage, wie eine vitale europäische Anbieterstruktur erhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden kann, ausreichend Aufmerksamkeit widmet.

Rolf D. Häßler ist Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI) .

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