Gastwirtschaft

Die Ziel von Rio im Blick

Die EU will einen Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ verabschieden. Der Kampf um die Deutungshoheit hat bereits begonnen.

Der Weltgipfel von Rio de Janeiro im Jahr 1992 war auch im Rückblick von fast 27 Jahren ein wegweisendes Treffen der Weltgemeinschaft. Dort wurden nicht nur die Grundlagen für den internationalen Klima- und Artenschutz gelegt, es wurde auch beschlossen, die Nachhaltigkeit zum Leitbild für die globale Entwicklung zu machen.

Eines sind die Staatschefs und ihre Sherpas in Rio allerdings schuldig geblieben – die Klärung der Frage, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet. Zwar verweisen die Beschlüsse von Rio auf den Gedanken der intergenerativen Gerechtigkeit, den die Brundtland-Kommission 1987 in ihrem Bericht „Our common future“ entwickelt hatte – was darunter konkret zu verstehen ist, blieb aber interpretationsbedürftig.

Dies will die EU-Kommission jetzt im Rahmen ihres Aktionsplans „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ ändern. Als eine von insgesamt zehn Maßnahmen will sie im Rahmen einer einheitlichen Taxonomie verbindlich festlegen, was eine nachhaltige Tätigkeit ist. Dieses Klassifizierungssystem soll das Fundament für weitere Maßnahmen der EU-Kommission bilden, etwa die Einführung von Labeln für nachhaltige Anlageprodukte.

In einem ersten Schritt hat die von der EU-Kommission einberufene Expertengruppe dabei Klima- und Umweltaspekte ins Visier genommen und nun einen ersten Katalog von nachhaltigen Tätigkeiten zur Diskussion gestellt.

Grundsätzlich ist danach eine Tätigkeit nachhaltig, wenn sie einen positiven Beitrag zu mindestens einem von sechs Umweltzielen - etwa zum Klimaschutz, zur Vermeidung und Kontrolle von Umweltverschmutzung oder dem Schutz gesunder Ökosysteme - leistet und gleichzeitig keines der sechs Ziele negativ beeinträchtigt.

Kaum liegen die Vorschläge auf dem Tisch, beginnt auch schon der Kampf um die Deutungshoheit. Interessengruppen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft versuchen, Einfluss auf die Taxonomie zu nehmen, um den von ihnen favorisierten Technologien das Qualitätslabel „offiziell nachhaltig“ zu verschaffen.

Es ist der EU-Kommission zu wünschen, dass sie bei ihrem Vorhaben fest den Geist und die Ziele von Rio im Blick hat und ihre Vorgaben konsequent an der Frage ausrichtet, wie wir den folgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt und Gesellschaft hinterlassen können.

Der Autor ist Geschäftsführer des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

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