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Statt der Gasumlage: Wie sich ein Gaspreisdeckel auswirken würde

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Von: Karolin Schäfer

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Ersetzt der Gaspreisdeckel die ab Oktober geplante Gasumlage? Im Überblick, was das für Verbrauchende bedeuten könnte.

Frankfurt – Die geplante Gasumlage steht auf der Kippe. Zuletzt hatten sich immer mehr Spitzenpolitiker:innen der Ampel-Regierung von der Idee distanziert. Grund dafür ist die Verstaatlichung des Gasimporteurs Uniper durch den Bund.

Ursprünglich sollte die Gasumlage Anfang Oktober in Kraft treten. Das würde für viele Kund:innen bedeuten, zum ohnehin hohen Gaspreis zusätzlich 2,4 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Nun soll zur geplanten Umlage eine Alternative gefunden werden, etwa ein Gaspreisdeckel. Doch was bedeutet das für Verbrauchende?

Nachdem die Ampel-Koalition die Gasumlage auf den Weg gebracht hat, kommen nun immer mehr Bedenken auf. Stattdessen wird die Forderung einem Gaspreisdeckel laut. (Symbolbild)
Nachdem die Ampel-Koalition die Gasumlage auf den Weg gebracht hat, kommen nun immer mehr Bedenken auf. Stattdessen wird die Forderung einem Gaspreisdeckel laut. (Symbolbild) © Fotostand/imago

Energiekrise: Was ist ein Gaspreisdeckel?

Ein Gaspreisdeckel sieht ein Preislimit vor, das private Haushalte und Betriebe vor zu hohen Energiekosten schützen soll. Sollte der Einkaufspreis der Versorger den festgesetzten Endpreis übersteigen, würde der Staat die Differenz zahlen. Wie genau ein solcher Preisdeckel aussehen könnte, wird seit Samstag (24. September) von einer Regierungskommission diskutiert. „Wir werden da auch mit schnellen Ergebnissen rechnen können“, hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigt.

Im Gespräch ist unter anderem ein Grundsockel. Demnach könnten 5000 Kilowattstunden pro Haushalt und 2000 Kilowattstunden für jedes weitere Familienmitglied bei 13 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werden, wurde Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, von der Nachrichtenagentur AFP zitiert. Zudem wies der Experte auf einen weiteren, dämpfenden Effekt hin: Die Inflationserwartung würde sich stabilisieren.

Gaspreisdeckel: So könnte die Regelung für Verbrauchende aussehen

Auch Ökonomin Veronika Grimm und der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) schlagen einen subventionierten Grundsockel vor, schrieb das Handelsblatt. 75 Prozent des Durchschnittsverbrauchs soll gedeckelt werden. Wer mehr verbraucht, muss den teuren Marktpreis zahlen. Die Höhe des Deckels soll sich auf etwa zwölf Cent pro Kilowattstunde belaufen. Zudem sprachen sich Grimm und Bayaz für Prämien an Haushalte aus, wenn diese weniger als 75 Prozent verbrauchen.

Ob ein solches Modell zeitnah umgesetzt werden kann, bleibt fraglich. Möglich wäre aber auch für Haushalte 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs zu deckeln, berichtete der Spiegel. Diese Alternative wäre allerdings deutlich teurer für den Staat.

EU-Mitglieder fordern einheitlichen Gaspreisdeckel

Auf EU-Ebene haben bereits zahlreiche Länder einen einheitlichen Gaspreisdeckel gefordert. In einem Schreiben an EU-Energiekommissarin Kadri Simson forderten die Regierungen, einen Vorschlag für einen Maximalpreis für Gas vorzustellen. Wie das konkret aussehen könnte, ließen die Staaten offen. Deutschland hatte den Brief nicht unterzeichnet.

Gaspreisdeckel: Das sind die Nachteile

Aus Sicht der EU-Kommission und Ökonom:innen würde ein Gaspreisdeckel einen noch drastischeren Eingriff in den Markt bedeuten. Expert:innen befürchten, dass Drittstaaten dann weniger oder gar kein Gas mehr an EU-Länder liefern und es stattdessen woanders verkaufen würden. Auf Bundesebene würde die Einführung eines Gaspreisdeckels nicht nur hohen bürokratischen Aufwand bedeuten, sondern den Staat erheblich viel Geld kosten. Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge, wären 2,5 Milliarden Euro nötig, um den Endpreis um einen Cent pro Kilowattstunde Gas zu senken, berichtete das ZDF. FDP-Chef Christian Lindner hält derweil immer noch an der Schuldenbremse 2023 fest.

Was passiert mit der geplanten Gasumlage?

Fest steht: Kommt ein Gaspreisdeckel, wäre die Gasumlage überflüssig. Die SPD prognostizierte ein Ende der Gasumlage noch in dieser Woche. „Alle Ampelparteien haben die Gasumlage öffentlich abgesagt, aber niemand bekennt Farbe“, erklärte der energiepolitische Sprecher der Union, Andreas Jung, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Aus Koalitionskreisen hieß es jedoch, dass im Klima- und Energieausschuss des Bundestags die Ampel-Fraktionen gegen einen Antrag der Union zur Abschaffung der Umlage stimmten. Wie sich die Ampel letztlich entscheiden wird und ob Verbrauchende zunächst mehr für ihr Gas zahlen müssen, bleibt abzuwarten. (kas/dpa)

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