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Gaspreis steigt erneut kräftig an: Inflation bald bei zehn Prozent?

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Von: Moritz Serif

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Nord Stream 1
Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin. © Jens Büttner/dpa

Russland hat die Gaslieferungen erneut unterbrochen. Das wirkt sich umgehend auf die Preise für den Rohstoff aus. Die Wirtschaft fordert Entlastungen.

Berlin - In Europa ist der Gaspreis erneut kräftig angestiegen. 292,50 Euro pro Megawattstunde kostet der Rohstoff nun. Das entspricht einem Anstieg um 18 Prozent. Zuvor hatte Russland Gaslieferungen nach Europa durch die Pipeline Nord Stream 1 unterbrochen.

Die Bundesbank hält es wegen der ungünstigen Entwicklungen am Gasmarkt für wahrscheinlich, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Winterhalbjahr sinkt. „Die hohe Unsicherheit über die Gasversorgung im kommenden Winter und die starken Preissteigerungen dürften die privaten Haushalte und Unternehmen deutlich belasten“, hieß es im jüngsten Monatsbericht. Inzwischen geht die Notenbank davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland im Herbst „eine Größenordnung von zehn Prozent“ erreichen könnte.

Gaspreis steigt: Wirtschaft fordert Entlastung

Wegen der hohen Preise fordert die Wirtschaft Entlastungen. DIHK-Präsident Peter Adrian sagte, die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas sei „für die Unternehmen in der Regel wirkungslos, weil es in ihren Büchern ein durchlaufender Posten ist. Stattdessen wäre eine dauerhafte Senkung der Energiesteuer auf den Gasverbrauch der Betriebe auf das europäische Mindestniveau eine einfache und schnell wirkende Entlastung.“

Das wichtige Preissignal für den effizienten Gasverbrauch würde dadurch angesichts der dramatischen Preissteigerungen der letzten Monate nicht beeinträchtigt. „Angesichts der stark gestiegenen Gaspreise haben aber insbesondere energieintensive Unternehmen ihre Einsparmöglichkeiten ohnehin bereits ausgeschöpft“, so Adrian. Auf Verbraucherinnen und Verbraucher kommt außerdem die Gasumlage zu.

Gaspreis steigt: Umlage kommt zusätzlich

Bürgerinnen und Bürger in Deutschland erwarten durch die Senkung keine negative Wirkung auf die Bemühungen, weniger Gas zu verbrauchen. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben 63 Prozent der Befragten an, sie glaubten nicht, dass mit der Steuersenkung der Anreiz zum Gassparen verringert werde. 24 Prozent hingegen erwarten einen solchen Effekt.

Diese Gasumlage wird im Oktober eingeführt und beträgt zunächst 2,4 Cent je Kilowattstunde. Mit ihr sollen erhöhte Beschaffungskosten von Großimporteuren für fehlende Lieferungen aus Russland ausgeglichen werden, um die Unternehmen vor der Pleite zu bewahren. Mit zwei weiteren Umlagen für die Netzsteuerung (Regelenergie) und die Gasspeicher sind insgesamt 3,26 Cent pro Kilowattstunde zu zahlen, inklusive 7 Prozent Mehrwertsteuer. (mse/dpa)

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