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Höhere Gaspreise durch Umlage: Was Kunden jetzt wissen müssen

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Von: Karolin Schäfer

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Gas wird durch eine Umlage an Verbraucherinnen und Verbraucher künftig teurer. Es soll aber Entlastungen geben. Ein Überblick.

Frankfurt – Angesichts des andauernden Ukraine-Krieges steigen die Gaspreise für Kundinnen und Kunden. Aus Russland fließt immer weniger Gas nach Europa. Deshalb muss Deutschland auf teure Importe zurückgreifen, um die Versorgung weiterhin zu gewährleisten.

Infolgedessen hat der Bund ein milliardenschweres Rettungspaket ab Herbst für Energiekonzern Uniper angekündigt. Über eine Umlage sollen Versorger stark gestiegene Einkaufspreise wegen der Drosselung russischer Lieferungen an alle Gasverbrauchende weitergeben können. Das bedeutet konkret: Kundinnen und Kunden müssen künftig noch tiefer in die Tasche greifen.

Gas wird durch Umlage teurer: Mit welchen Kosten müssen Kundinnen und Kunden rechnen?

Durch die Umlage werden die Gaspreise also steigen. Wie hoch die Umlage ausfallen wird, soll erst Mitte oder Ende August öffentlich werden, hieß es aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums. Bundesfinanzminister Robert Habeck (Grüne) hatte angekündigt, dass Kundinnen und Kunden mit einer Erhöhung von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde rechnen müssten. Laut Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Preis im vergangenen Jahr 2021 bei 6,68 Cent pro Kilowattstunde.

Gasflamme
Umlage für Gaskunden geplant. © Patrick Pleul/dpa

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte Ende Juli von einer geringeren Erhöhung gesprochen. Scholz nannte eine Preissteigerung von 2 Cent pro Kilowattstunde. Damit würde eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden 200 bis 300 Euro zusätzlich zahlen.

Gas-Krise: Ab wann gilt die Umlage?

Die Umlage kommt zusätzlich zu einer ohnehin erwarteten Preiswelle, mit der Haushalte schrittweise rechnen müssen. Aber auch Firmen müssen die höheren Kosten tragen. Der Preis pro Kilowattstunde Gas soll für alle Kundinnen und Kunden gelten, unabhängig davon, wo sie ihren Vertrag abgeschlossen haben, berichtete spiegel.de. Nach aktuellen Angaben soll die Umlage zum 1. Oktober 2022 in Kraft treten, möglicherweise auch schon zum 1. September und bis voraussichtlich Ende März 2024 gelten.

Russland drosselt Gaslieferungen: Wer profitiert von der Umlage?

In erster Linie kommt die Umlage dem Konzern Uniper als größer Importeur von russischem Gas zugute. Preissteigerungen durch teure Importe sollen an Verbrauchende weitergegeben werden, um so Gasversorgern finanzielle Sicherheit zu bieten.

Insgesamt 90 Prozent der höheren Beschaffungskosten sollen Importeure über die Umlage weitergeben können, berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Die Höhe ist auch davon abhängig, wie viel Gas Russland liefert – je weniger, desto teurer wird die Beschaffung von Ersatz. Inzwischen liefert Russland nach einer Wartung von Nord Stream 1 nur noch 40 Prozent der möglichen Auslastung.

Gasumlage: Diese Entlastungen plant die Bundesregierung

Angesichts der Preissteigerung will die Bundesregierung Betroffene entlasten. Habeck hatte dazu ein neues Maßnahmenpaket zum Energiesparen angekündigt. Dabei geht es unter anderem um öffentliche Gebäude, Betriebe, Büros sowie um einen verbindlichen „Heizungscheck“ in Wohnungen.

Außerdem ist eine große Wohngeldreform mit Beginn des kommenden Jahres 2023 geplant. Davon sollen dann mehr Bürgerinnen und Bürger profitieren. Zudem soll eine Heizkostenpauschale „gewissermaßen dauerhaft“ integriert werden, hatte Scholz angekündigt. Das soll vor allem Rentnerinnen und Rentner unterstützen, aber auch für Studierende soll es Heizkostenzuschüsse geben.

Gleichzeitig sollen Kündigungsschutzregeln überprüft werden, sodass überforderten Mieterinnen und Mietern der Mietvertrag oder Energiekunden der Liefervertrag nicht gekündigt werden kann. Diese Entlastungen sind ebenfalls geplant:

Gas-Krise in Deutschland: Was können Verbrauchende tun?

Für Gaskundinnen und -kunden bedeutet die Umlage nicht nur höhere Kosten, sondern vor allem eins: Energie sparen. Bewusster heizen, kürzer duschen und stromfressende Geräte abschalten – all das sind Möglichkeiten, die Verbrauchende tun können, um einen Engpass zu vermeiden. Laut Bundesnetzagentur müsse dafür der Gasverbrauch um 20 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre gesenkt werden.

„Geld zur Seite legen und Energie sparen“, empfiehlt auch Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, gegenüber spiegel.de. Der Experte befürchtet mit der nächsten Abrechnung, dass die Abschläge auf das Drei- bis Vierfache angehoben werden. „Je mehr Gas heute schon eingespart wird, desto mehr können wir für die Speicherbefüllung nutzen“, erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). (kas/dpa)

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