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Gaskrise könnte zur Stromkrise werden: Im schlimmsten Fall drohen Blackouts

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Von: Moritz Serif

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Versorgerinnen und Versorger fürchten, dass es zum Stromausfall kommt. Dann droht ihnen eine Klagewelle - vor allem aus der Industrie.

Nürnberg - „Wir rechnen damit, dass wir einzelnen Bezirken stundenweise den Strom abstellen müssen“, sagte Rainer Kleedörfer, Leiter der Abteilung Unternehmensentwicklung beim Energieversorger N-Ergie. Seitdem Gazprom weniger Gas durch die Pipelines von Nordstream 1 schickt, sorgt sich Kleedörfer um die Versorgungssicherheit seiner Kundinnen und Kunden.

Bei Abschaltungen rechnet Kleedörfer mit einer Klagewelle von Kundinnen und Kunden - vor allem aber aus der Industrie. Wenn die Produktion still stehe, sei der wirtschaftliche Schaden besonders hoch. Laut Plusminus und der Tagesschau fürchten viele Versorgerinnen und Versorger, dass es zum Stromausfall kommt. Dann würde die Gaskrise zur Stromkrise.

Stromausfall droht: Im Winter gibt es weniger erneuerbare Energien

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Stand 8. Juni 2022) stammt Strom zu 47,1 Prozent aus erneuerbarer Energie, doch Kohle macht mit 31,5 Prozent immer noch rund ein Drittel des Mixes aus. 13 Prozent kommen aus Erdgas und sechs Prozent werden aus Atomenergie gewonnen. Die Krux an der Sache: im Winter kann weniger Energie aus Solar und Wind gewonnen werden - in der Folge steigt der Gas-Anteil.

In solchen Fällen drohen Nachkäufe aus dem Ausland. Nächstes Problem: Frankreich hat selbst Schwierigkeiten, da Atomkraftwerke dort aktuell abgeschaltet sind. „Wir gehen von einer Preissteigerung von acht Cent in der Beschaffung aus. Das entspricht bei den momentanen Strompreisen einer Erhöhung um ein Viertel bis einem Drittel“, sagte Energie-Experte Jürgen Karl von der Universität Erlangen-Nürnberg, falls alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet würden.

2019 gab es einen Stromausfall in Argentinien und Uruguay, der einen Tag andauerte (Archivbild).
2019 gab es einen Stromausfall in Argentinien und Uruguay, der einen Tag andauerte (Archivbild). © Tomas F. Cuesta/dpa

Ohne Atomkraft könnte der Strompreis steigen - auch Blackouts möglich

„Wenn die Atomkraft wegfällt, kommen dann auch besonders ineffiziente Gaskraftwerke zum Einsatz. Und die setzen dann den Preis für den gesamten Strom“, erklärte Karl. „Bei den momentan explodierenden Gaspreisen wird der Strompreis durch die Decke gehen“, sagte Karl der Tagesschau. Im schlimmsten Fall drohten Blackouts.

„Die entstehen durch eine Kettenreaktion, bei der dann das Netz zusammenbricht“, so der Experte. „Und es dauert dann in der Regel mehrere Tage, bis die einzelnen Kraftwerke nacheinander wieder hochgefahren und synchronisiert werden.“

„Wir sind in einer Situation, wo man ideologiefrei jede Option ziehen muss, um über den Winter zu kommen und die Versorgungssicherheit halbwegs zu erreichen. Und dazu gehören auch die Atomkraftwerke“, sagt Rainer Kleedörfer. (mse)

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