1. Startseite
  2. Wirtschaft

Im Winter Gas sparen: Mallorca lockt Rentner auf die Insel

Erstellt:

Von: Stefan Krieger

Kommentare

Was tun, angesichts einer möglichen Gasknappheit? Die hohen Energiekosten treffen besonders Menschen in Rente. Ein Ausweg könnte ein Überwintern im Süden sein.

Frankfurt am Main – Der Ukraine-Krieg ist noch immer nicht beendet, und damit geht in Deutschland angesichts der kommenden kalten Jahreszeit die Angst vor einem Gasboykott der Russen einher. Um in der nächsten heizintensiven Herbst- und Wintersaison Energie zu sparen, gibt es bereits etliche Vorschläge. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) etwa hat im Mai des Jahres den Vorschlag gemacht, dass Millionen Arbeitnehmer:innen ins Homeoffice geschickt werden könnten. Somit müsse in Büros weniger geheizt werden. Allerdings würde sich das Problem damit auf die privaten Haushalte verlagern.

Immerhin erhalten Senior:innen mit dem dritten Entlastungspaket jetzt eine Direktzahlung von 300 Euro. Diese könnten auch dafür genutzt werden, dem Winter in Deutschland den Rücken zu kehren und im Süden zu überwintern. Ein Langzeitaufenthalt im Warmen sei für viele Menschen in Rente machbar, so die Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR), Marija Linnhoff.

„Senioren rechnen immer die Kosten für den Urlaub zu ihren normalen Ausgaben hinzu, dabei kann man GEZ abmelden, die Heizung abdrehen, und man braucht kein Geld fürs Essen einzurechnen“ wird Linnhof in der Mallorca Zeitung zitiert. Außerdem seien die Preise auf der Deutschen liebster Insel anders als im Sommer. „Viele Hotels haben im Winter besonders günstige Angebote.“ 

Energiesparen im Süden: Reiseveranstalter locken Rentner:innen mit Angeboten

Jetzt reagieren auch die Reiseveranstalter. Es gibt bereits Angebote für Kund:innen, die durch Reisen Energiekosten sparen wollen. So sagt Ingo Burmester von DER Touristik gegenüber der Mallorca Zeitung: „Wer es zeitlich einrichten kann, wird länger im Ausland verweilen und dort ein mildes Klima und geringere Nebenkosten nutzen.“ Die beliebtesten Ziele für Langzeitaufenthalte sind beim DER die Kanaren, Mallorca, Portugal, die Türkei, Tunesien, Ägypten und Thailand. Auf Mallorca haben 64 Prozent der Hotels im Programm von DER Touristik Langzeitermäßigungen. Als Beispiel nennt der Veranstalter einen Urlaub für 42 Nächte in einem Hotel auf Mallorca mit Halbpension inklusive Flug, der pro Person 1649 Euro koste. Das sind nur 39 Euro pro Tag.

Senior:innen im Urlaub: Geld sparen im Süden?
Senior:innen im Urlaub: Geld sparen im Süden? © Jens Büttner/dpa

Auch die Tui bietet Langzeitaufenthalte an, allerdings nicht spezifisch wegen der hohen Gaspreise, wie Aage Dünhaupt von Tui sagt. „Langzeiturlaube sind generell ein Trend geworden.“ Man habe die Angebote schon länger, aber durch Corona sei die Nachfrage gestiegen.

„Man schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die Rentner bekämen auch Zuschüsse, wir sparen Gas für die Industrie und unterstützen die Urlaubsziele“, so die VUSR-Vorsitzende. Der Verband vertritt mehr als 7000 Reisebüros in Deutschland – auch diese sieht Linnhoff durch Russlands Krieg in der Ukraine unmittelbar betroffen. Damit die Reisen für Senior:innen erschwinglich werden, hatte Marija Linnhoff bereits im Mai eine Langzeiturlaubspauschale von 500 Euro ins Spiel gebracht.

Wegen hohen Gaspreisen nach Mallorca? Die Politik will für Rentner:innen nicht zahlen

„Der Vorschlag ist mir bekannt und ich lehne ihn ab“, erteilte allerdings der tourismuspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Stefan Zierke, gegenüber dem RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) den Plänen eine klare Absage. Es sei keine gute Idee, Menschen vorzuschreiben, wann sie sich wo aufhalten sollen.

„Das verunsichert und ist in meinen Augen populistisch. Die energiepolitischen Herausforderungen können nicht mit Langzeitreisen kompensiert werden“, so Zierke. „Der ökologische Fußabdruck bleibt: Ob es das Gas in der Gastronomie, das Kerosin, Benzin oder Diesel bei der Anreise und der Mobilität vor Ort oder auch das Heizöl ist. Und ob der gewünschte Effekt eintrifft, bezweifle ich.“

Der Aufenthalt im Süden bleibt also weiterhin nur eine Option für Menschen, die es sich finanziell leisten können. Ob die allerdings ihre Entscheidungen von den Energiekosten abhängig machen, ist zumindest fraglich. (Stefan Krieger)

Rentner:innen bekommen nun auch eine Energiepauschale ausgezahlt. Das wurde mit dem dritten Entlastungspaket beschlossen.

Auch interessant

Kommentare