+
Was der Spiegel alles zeigt.

Wirecard

Ganz ohne Bargeld

  • schließen

Intelligente Spiegel in Umkleidekabinen und Körperscanner: Wie der Dienstleister Wirecard auch hierzulande Verbraucher für das bargeldlose Bezahlen gewinnen will.

Der junge Dax-Konzern Wirecard, der am liebsten das Bargeld abschaffen würde, sieht sich als global führender Innovationstreiber digitaler Finanztechnologien. 125 Milliarden Euro an Transaktionsvolumen seien 2018 über eigene bargeldlose Bezahlsysteme geleitet worden, sagt Susanne Steidl. Bei Wachstumsraten von über einem Drittel habe man dieses Volumen 2019 schon fast nach neun Monaten erreicht, merkt die Chef-Produktentwicklerin des Zahlungsdienstleisters aus Aschheim bei München nicht ohne Stolz an. In Ländern wie China oder Regionen wie Skandinavien werden heute selbst Kleinbeträge regelmäßig bargeldlos beglichen. Nur Deutsche gelten da als schwierig, weil bargeldverliebt. Mittels Innovation will Wirecard aber nach und nach auch deutsche Verbraucher digitalisieren.

Dazu eröffnet Wirecard einen Blick in die Innovationsschmiede am Firmensitz, der von digitalen Preisschildern über biometrische Bezahlterminals bis zu intelligenten Spiegeln reicht. Letztere stehen demnächst in den Umkleidekabinen des Handels, hofft Steidl.

Berührt man die Oberfläche des Hightech-Spiegels, verwandelt er sich in einen Bildschirm mit Berührungssensoren. Er erkennt Bekleidung, die man vor ihn hält, liefert Informationen wie Farben, Preise und Verfügbarkeit. Man kann über den Spiegel bezahlen und Ware ohne Umweg über eine Kasse mitnehmen oder sie sich nach Hause liefern lassen. Wer in der Umkleidekabine steht, erkennt der Spiegel nicht oder besser gesagt noch nicht.

„Als Weiterentwicklung kann ein Körperscanner integriert werden, da geht die Reise hin“, sagt ein Wirecard-Experte. Die Intelligenz des Spiegels werde steigen und ihn zu Kaufempfehlungen ertüchtigen. „Sie haben letzten Sommer ein weißes Hemd gekauft, dazu passt ...“, beginnt der Wirecard-Experte einen Satz, den möglicherweise in naher Zeit ein Spiegel gegenüber einem Kunden in der Umkleidekabine vollendet.

Denn beim bargeldlosen Zahlen wechseln zwar keine Geldscheine mehr den Besitzer, dafür aber eine Menge Daten und Wissen über Kunden. „Heutige Firmen kennen ihre Produkte, aber nicht ihre Daten“, sagt Martin Guther über eine verbreitete Schwachstelle in der heutigen Geschäftswelt. Daten über das Einkaufsverhalten von Kunden, wie sie bei Bestellvorgängen und anderen digitalen Kontakten erzeugt werden, seien aber ein strategisches Gut, betont der Leiter Digitale Plattform beim Softwarekonzern SAP. Gesammelt und analysiert werden könnten die über digitale Plattformen wie SAP oder Wirecard sie bieten.

Bargeldloses Bezahlen ist insofern ideal, um mit Kunden in Kontakt zu treten und ein digitales Preisschild ein weiterer Weg dazu. Das könne man per Handy einscannen und genauere Informationen über die Ware erhalten sowie sie per Handy bezahlen, erklärt ein Wirecard-Experte.

Seit Anfang 2018 bietet der Zahlungsdienstleister mit Banklizenz eine Multiwährungskreditkarte auf Prepaidbasis. Wird darauf Geld gespeichert, kann man im Ausland ohne Gebühr zu einem beliebigen Umrechnungstag Euro in andere Währungen tauschen und damit bezahlen. Auf einem biometrischen Bezahlterminal schließlich kann über Wirecardsysteme per Handflächen-Scan eine Rechnung beglichen werden.

Wirecard kassiert mit

Das sei sicherer als eine Bezahlung per Fingerabdruck, weil eine Handfläche mehr Datenpunkte liefere, erklärt ein Experte. Auch Bezahlen per Stimme, intelligenten Lautsprechern wie Alexa und gesprochener Pin-Nummer ermöglicht Wirecard. Bei all diesen Formen bargeldlosen Zahlens kassiert Wirecard per Transaktionsgebühr mit. Der Variantenreichtum stehe erst am Anfang, versichert der Zahlungsdienstleister. Kaufen werde so immer einfacher. Zugleich geben Verbraucher immer mehr Daten über ihr Konsumverhalten preis, was wiederum das Verkaufen erleichtert. Der Kreis schließt sich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare