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Auf der Gamescom werden die Figuren aus den Computerspielen lebendig.

Computerspiele

Gamescom: Es steht viel auf dem Spiel

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Die Gamescom, weltgrößte Messe für Video- und Computerspiele, hat mit einem spektakulären Live-Event begonnen. Die Probleme der Branche hierzulande kann das nicht verdecken. Denn in Deutschland wird viel gespielt, aber wenig programmiert.

In Köln ist am Dienstag die Gamescom eröffnet worden. Im vergangenen Jahr kamen 370 000 Besucher zur weltgrößten Messe für Video- und Computerspiele in die Deutzer Messehallen, 2019 sollen es mindestens ebenso viele werden. Neben den Spieleneuheiten treibt die Branche in diesem Jahr eine Diskussion über die Förderung deutscher Spieleentwickler um.

Bei den vergangenen zehn Ausgaben der Gamescom überstrahlte die Freude über Hunderttausende Besucher und fünf Tage voller Spielspaß stets den immer schlechteren Zustand, in dem sich die deutsche Computerspielbranche Jahr für Jahr befindet. 2019 ist das anders: So steigt zwar der Markt mit digitalen Spielen in Deutschland stetig, zuletzt auf 4,4 Milliarden Euro, doch nimmt ebenso stetig der deutsche Umsatzanteil ab – nur noch 4,3 Prozent betrug er 2018 für Games-Entwicklungen aus Deutschland auf dem heimischen Markt, Tendenz fallend. Und nun ist auch noch die Games-Förderung des Bundes ab 2020 in Gefahr.

Dafür rechtfertigen musste sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der in seinem Ressort auch für die digitale Infrastruktur im Land und damit traditionell für die Förderung der deutschen Computerspieleindustrie zuständig ist. Mit seiner Parteifreundin, Digitalstaatsministerin Dorothee Bär, eröffnete Scheuer die Messe mit einem Rundgang. Erst im April hatte der Minister beim Deutschen Computerspielpreis in Berlin verkündet, der Bund werde die Branche im Jahr 2019 mit insgesamt 50 Millionen Euro bezuschussen: „Damit wollen wir den Entwicklerstandort Deutschland stärken und international wettbewerbsfähig machen“, sagte Scheuer damals: „Wir freuen uns auf eine rege Resonanz der Computerspielgemeinde.“

Rege und vor allem negative Resonanz gab es dann Ende Juni, als klar war, dass die Bundesregierung die Fördergelder für das Folgejahr gestrichen hatte: Im Haushaltsentwurf des Bundes für 2020 werden der Förderung deutscher Computerspiele-Entwicklungen null Euro zugestanden. Die Hoffnung der deutschen Entwickler ruht nun auf dem parlamentarischen Verfahren, über das die Förderung doch noch Eingang in den Haushalt finden kann. Der Bundestag entscheidet im Herbst darüber.

Ökonomische Effekte gesteigerter Investitionen und damit höhere Steuereinnahmen könne die Branche jedoch nur erzielen, „wenn die Förderung mittel- bis langfristig sichergestellt ist und nicht Jahr für Jahr neu im parlamentarischen Verfahren eingebracht werden muss“, kritisierte der Branchenverband Game. Der Kölner Messechef Gerald Böse sagte am Rande des Eröffnungsrundgangs am Dienstag: „Andere Länder wie Frankreich, England und Kanada, aber auch aus Asien haben uns überholt, weil sie seit Jahren verlässliche Rahmenbedingungen haben“.

Weltneuheiten
Die Gamescom ist nach Angaben der Veranstalter das weltgrößte Event rund um Computer- und Videospiele und Europas größte Business-Plattform für die Games-Branche. Aus über hundert Ländern zieht die Messe jährlich Hunderttausende Besucher nach Köln. An diesem Mittwoch öffnet die Messe für alle Gamer. Bis zum Samstag können zahlreiche Weltneuheiten auf der Messe angespielt werden. dpa

„Warum finden wir eine Förderung der Games-Branche nicht im Bundeshaushalt für 2020 wieder?“, fragte Melek Balgün, die Moderatorin der Gamescom-Eröffnung, folgerichtig den CSU-Politiker im Konrad-Adenauer-Saal der Kölner Messe. „Sie steigen ja ziemlich grob ein“, sagte Scheuer und erntete mit seiner Antwort im Publikum vereinzelte Lacher. „In meiner Prioritätenliste steht die Games-Förderung im Haushalt mit 50 Millionen Euro an erster Stelle“, antwortete Scheuer schließlich. Aber er stelle den Haushalt ja nicht alleine auf: „Ich werde für die Games-Förderung weiter fighten“, so Scheuer: „Deutschland braucht die Innovationskraft der Games-Branche“. Sie strahle auf Wissenschaft und Wirtschaft aus und schaffe Innovationen für Gesundheit, Mobilität, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung.

Auch Dorothee Bär versprach, für die Branche zu kämpfen: „Ich setze mich persönlich dafür ein, dass Gaming auch als innovativer Wirtschaftszweig und deutsches Kulturgut noch weiter etabliert wird“. Das Entscheidende sei, so NRWs stellvertretender Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP), „dass wir am Ende Taten sehen“.

2019 belegt die Gamescom mit 210 000 Quadratmetern fünf Prozent mehr Fläche als im Jahr zuvor. Das physische Wachstum ist an seine Grenzen gestoßen, solange nicht große neue Player auftauchen, die es ermöglichen, weitere noch verfügbare Hallen in die Messe zu integrieren. Also will die Gamescom vor allem im Digitalen wachsen – und hatte auch dafür erstmals am Montagabend eine große Eröffnungsshow im Programm. Von US-Gaming-Profis produziert, wurde die „Opening Night Live“ im Internet übertragen, um online die Aufmerksamkeit von Gamern weltweit auf die Gamescom zu lenken. Auf zahlreichen Kanälen sahen Hunderttausende zu, wie zwischen Weltpremieren von heißerwarteten Neuheiten und Spieleankündigungen die Botschaft der Kölner Gamescom als Herz der Gaming-Welt platziert wurde. Die auf Abruf stehenden Videos verbreiten sich nun unter Millionen Videospielfans – und die Gamescom feiert mit ihrer digitalen Wachstumsstrategie einen Erfolg.

Umjubelter Star der Eröffnungsshow war die japanische Entwickler-Legende Hideo Kojima, bekannt für die „Metal Gear Solid“-Reihe. Er zeigte erstmals das Gameplay seiner aktuellsten Kreation „Death Stranding“, die auf der Messe zwar nicht zu spielen, aber doch in einem frühen Stadium in einem Kino zu bestaunen ist. Wohl keine Neuigkeit wird so sehr erwartet: In einer dystopischen Welt versucht der Protagonist Sam die gespaltenen und isolierten Städte Amerikas wieder zu vereinen. Wie es zu der Katastrophe kam, bleibt so wie vieles in dem exklusiv für die Playstation erscheinendem Titel ein Mysterium.

Andere Blockbuster wie das Rollenspiel „Cyberpunk 2077“ sind bereits spielbar. Auch der dritte Teil der „Watch Dogs“-Reihe von Ubisoft spielt in der nahen Zukunft: Spieler kämpfen als Teil einer Hacker-Untergrundgruppe gegen die autoritäre Obrigkeit und kapern Sicherheitskameras und Datenspeicher.

Electronic Arts will neben der neuen Version seines Fußball-Simulators „Fifa 20“ mit „Need for Speed Heat“ auftrumpfen. Spieler tunen ihre Autos, liefern sich virtuelle Rennen und müssen sich gegen korrupte Polizeibeamte wehren, die ihnen die Rennwagen wegnehmen wollen.

Mit „Pokémon Schwert“ und „Schild“ wagt die Rollenspielreihe des japanischen Konsolenherstellers Nintendo das erste Mal mit einem neuen Spiel den Sprung auf die großen Bildschirme. Im letzten Jahr erschien lediglich eine Neuauflage der ersten Pokémonspiele für die Nintendo Switch. Ansonsten waren die Taschenmonster bisher lediglich auf portablen Konsolen zu finden. Die größere technische Leistung der Heimkonsolen ermöglicht grafisch opulentere Umgebungen und Animationen.

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