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Im Reinraum des Raumfahrtunternehmens OHB System in Bremen montieren Techniker die kreisrunde Antenne auf einen Galileo-Satelliten.

Satelliten

Galileo weist den Weg

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Es ist das ehrgeizigste EU-Wirtschaftsprojekt aller Zeiten. Zum Jahreswechsel soll das Satellitennavigationssystem funktionsfähig sein ? viel später und teuerer als einmal geplant.

Falls nicht unverhofft doch noch etwas dazwischenkommt, wird zum Jahreswechsel mit einer Dekade Verspätung ein altes Versprechen eingelöst. Es vollzieht sich für das Auge unsichtbar im Orbit um die Erde. Denn derzeit laufen dort oben die finalen Tests für fünf Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo. Wenn sie wie geplant Ende Dezember in die Flotte von dann 22 funktionsfähigen Galileo-Satelliten integriert werden, wäre endlich das erreicht, was nach ursprünglichen Plänen schon 2008 hätte geschehen sollen. „Navigieren nur noch mit dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo wird in ein paar Monaten möglich sein“, verspricht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das von Oberpfaffenhofen bei München aus die Satelliten steuert.

Wer das Programm verfolgt hat, mochte an diesen Satz zeitweise nicht mehr glauben. Zwar kreisen in der Erdumlaufbahn nun insgesamt schon 26 der künstlichen Galileo-Himmelskörper. Aber einen hat ein Kurzschluss ausgeschaltet, zwei weitere wurden in einem falschen Orbit ausgesetzt und der vierte ist in einen Reserve-Modus versetzt worden. Auch das ist Galileo – eine schier unendliche Geschichte von Pannen, Verzögerungen und immensen Kostensteigerungen.

Angefangen hatte alles Mitte der 90er Jahre als wirtschaftspolitische Idee, die von einem Industriekonsortium in die Realität hätte umgesetzt werden sollen. Aber das hatte 2007 hingeworfen, nachdem die Risiken unkalkulierbar geworden waren. Einspringen musste dann die EU, die Galileo seitdem in die Tat umsetzt. Aus ursprünglich geplanten drei Milliarden Euro Aufbaukosten sind schon in der Anfangsphase fünf Milliarden Euro geworden. Für die Jahre 2014 bis 2020 hat die EU in ihrem Haushaltsplan weitere sieben Milliarden Euro für Galileo reserviert und wird auch für die daran anschließende Phase bis 2028 weitere, in ihrer Höhe noch nicht fest stehende Mittel bereitstellen, stellen DLR und EU-Kommission klar.

Denn der erste Galileo-Satellit wurde 2011 in eine Umlaufbahn geschossen. Bei zwölf Jahren Lebensdauer muss 2023 begonnen werden, die erste Generation der Hightech-Geräte auszutauschen. Dazu kommt der sukzessive Aufbau operativer Dienste, der dann auch Geld in die Kassen bringen soll. Die ersten Dienste gibt es bereits seit Anfang 2017. Zwar ist Galileo bis heute nicht im Alleingang einsetzbar. Dessen Satelliten können aber mit denen des US-Systems GPS, dem russischen Glonass oder dem chinesischen Beidou zusammengeschaltet werden. Deshalb gibt es heute bereits einen kostenfreien Galileo-Massenmarktdienst (OS) für Ortung, Navigation und Zeitgebung sowie einen zugriffsgeschützen und verschlüsselten Dienst mit dem Kürzel PRS für Polizei oder Katastrophenschutz. Dritte aktive Anwendung ist der Such- und Rettungsdienst SAR. Weitere Dienste kommen ab 2019 dazu, wenn Galileo endlich voll funktionsfähig ist.

Das ist vor allem der Hochpräzisionsdienst HAS mit einer Ortungsgenauigkeit von 20 Zentimetern. Das ist exakter als GPS in seiner zivilen Form. HAS ist für kommerzielle Anwendungen gedacht und soll über Gebühren für eine Art Refinanzierung sorgen. Adressaten sind Agrarkonzerne und Bauern, die Galileo mittels vernetzter Landwirtschaft etwa zu Aussaat oder Ernteüberwachung nutzen können aber auch Autofahrer oder Mobilitätsdienstleister, deren künftige Roboterautos notwendigerweise hochpräzise per Galileosignal gesteuert werden. Dazu gibt es noch einen sicherheitskritischen Dienst mit dem Kürzel SoL, der für Luft- und Seeschifffahrt oder auch den Schienenverkehr gedacht ist.

Allein die mit Hochdruck laufende Entwicklung autonom fahrender Autos zeigt, dass sich Galileo eine weitere Verzögerung größeren Ausmaßes nicht mehr hätte erlauben können, ohne irdische Industrien auszubremsen. Wenn die EU damit erstmals eine Infrastruktur mit globaler Abdeckung schafft, dann kann man das in Zeiten eines US-Präsidenten vom Schlage Donald Trumps nicht hoch genug schätzen. Denn das US-System GPS, über das Satellitennavigation im Westen bislang weitgehend läuft, ist im Gegensatz zu Galileo nicht unter ziviler Kontrolle. „Das Verhältnis zwischen den Nato-Partnern ist immer von gewissen Schwankungen geprägt gewesen“, sagt das DLR vorsichtig zur aktuellen politischen Dimension von Galileo.

Auch die EU betont den zivilen Charakter des Galileo-Systems. „Es wird die Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft von militärischen Systemen Dritter verringern“, erklärt die EU-Kommission und verweist auf Stimulanzeffekte. Schon heute sei die Wirtschaft in der EU zu einem Zehntel von Satellitensignalen aller Art abhängig, Tendenz steigend. Eine Studie schätzt allein den Umsatz mit Satellitenempfängern auf weltweit aktuell 50 Milliarden Euro und weiteren 70 Milliarden Euro für zugehörige Datendienste. Für 2020 soll das addierte Volumen für beides auf über 180 Milliarden Euro wachsen. Von diesem Kuchen soll Galileo sich ein großes Stück abschneiden.

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