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Galerien wieder groß im Geschäft

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Von: Thomas Baumgartner

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Bei Christie’s unterm Hammer: eine Skulptur von Henry Moore.
Bei Christie’s unterm Hammer: eine Skulptur von Henry Moore. © picture alliance / Photoshot

Die Umsätze mit Kunst erreichen wieder das Vorkrisen-Niveau. Vor allem um „Non-Fungible Token“ ist ein wahrer Hype zu verzeichnen.

Satte 69,3 Millionen Dollar zahlte der Blockchain-Unternehmer Vignesh Sundaresam aus Singapur im März vorigen Jahres bei Christie’s für ein „Non-Fungible Token“ (NFT), quasi ein digitales Echtheitszertifikat, einer Collage aus 5000 Computerbildchen des wenig bekannten Internetkünstlers Mike Winkelmann alias „Beeple“. NFTs sind seither ein veritabler Hype, andere Auktionshäuser und Galerien versuchen ebenfalls, Geschäfte zu machen. Im Vorjahr hat sich der Umsatz mit NFTs, die auf Kunstwerken beruhen, mehr als verhundertfacht, auf 2,6 Milliarden Dollar. Diese Schätzung enthält der neueste „Kunstmarkt-Report“, den „Arts-Economics“-Gründerin Clare McAndrew für die Kunstmesse Art Basel und die Großbank UBS erstellt hat.

Sechs Prozent aller Galerien und fünf Prozent der Auktionshäuser haben bereits Kunst-NFTs verkauft; Christie’s machte damit im Vorjahr 150 Millionen Dollar Umsatz, Konkurrent Sotheby’s 80 Millionen.

Kunstmarkt: „Unglaubliche Widerstandskraft“

Nachdem der weltweite Kunstmarkt 2020 wegen der Corona-Pandemie den stärksten Einbruch in einem Jahrzehnt verzeichnen musste, erholte er sich im vergangenen Jahr deutlich. Die Umsätze von Galeristen, Antiquitätenhändlern und Auktionshäusern stiegen gegenüber dem Vorjahr um 29 Prozent auf geschätzte 65,1 Milliarden Dollar, so das Ergebnis der irischen Wirtschaftswissenschaftlerin.

Damit übertraf die Branche auch das Niveau des Vor-Pandemie-Jahres 2019 – und die Geschäfte mit NFTs sind in dieser Zahl noch gar nicht eingerechnet. „Der Kunstmarkt hat eine unglaubliche Widerstandskraft bewiesen, obwohl er weiterhin unter sehr herausfordernden Bedingungen tätig war“, sagte McAndrew. Allerdings waren die Umsätze 2018 und auch 2014 noch höher, der Markt ist seit einem Jahrzehnt nicht von der Stelle gekommen – obwohl die Preise praktisch aller Vermögenswerte wegen der Niedrigzinsen deutlich nach oben gegangen sind.

Das Online-Geschäft mit Kunst war lange hinter dem Wachstum des E-Commerce insgesamt zurückgeblieben, doch im Corona-Jahr 2020 verdoppelte es sich auf 12,4 Milliarden Dollar, 2021 stieg es weiter auf 13,3 Milliarden – und machte damit ein Fünftel des Gesamtmarktes aus.

Kunstmarkt: Versteigerungen legen kräftig zu

Die mit Abstand führende Region blieben die USA, deren Weltmarktanteil im zurückliegenden Jahrzehnt von 36 auf 43 Prozent zugelegt hat. China folgte mit 20 Prozent, während Großbritannien mit 17 Prozent auf den dritten Rang zurückfiel und wegen neuer Brexit-Hürden, strikter Corona-Lockdowns und Einreisebeschränkungen so schlecht abschnitt wie noch nie seit Beginn der Erhebung.

Das stärkste Wachstum verzeichnete aber der französische Markt, der zulasten des britischen klarer Brexit-Gewinner war: Nach einem Rückgang um gut 30 Prozent im Jahr 2020 verzeichnete er ein Plus von 50 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar, so viel wie noch nie. Der weltweite Marktanteil Frankreichs stieg damit auf sieben Prozent, Deutschland und die Schweiz folgten mit jeweils zwei Prozent.

Versteigerungen (inklusive der „private sales“) erholten sich am schnellsten von der Corona-Krise, getrieben von erfolgreichen Livestream- und Hybridauktionen. Sie schafften 47 Prozent mehr Umsatz und machten damit ebenfalls 47 Prozent des gesamten Marktes aus. Am stärksten legten hier Lose über zehn Millionen Dollar zu; teuerstes verkauftes Gemälde war ein Picasso von 1932, der bei Christie’s 103,4 Millionen Dollar einbrachte. Reine Online-Versteigerungen machten bei den Top-Häusern elf Prozent und bei den kleineren 23 Prozent der Umsätze aus

Kunstmarkt: „Die Reichen werden noch reicher“

Auch die weltweit mehr als 290 000 Händler alter und neuer Kunst, die im Vorjahr um unterdurchschnittliche 18 Prozent zulegten und insgesamt auf 53 Prozent Anteil am Kunstmarkt kamen, haben ihr Internet-Geschäft kräftig ausgebaut. 2021 wuchs es aber nur noch vergleichsweise wenig, womit ein Fünftel von deren Verkäufen aufs Internet entfiel. Zum Vergleich: Auf Messen, die weiterhin in reduzierter Anzahl und teils mit Zutrittsbeschränkungen stattfanden, und deren virtuellen „Online Viewing Rooms“ (OVRs) machten Händler 29 Prozent ihrer Geschäfte. Im Jahr zuvor waren es nur 22 Prozent, 2019 aber noch 43 Prozent gewesen.

Am stärksten konnten 2021 die großen Galerien mit Jahresumsätzen über fünf Millionen Dollar (plus 35 Prozent) und die Mega-Galerien mit über zehn Millionen Umsatz (plus 27 Prozent) zulegen. Die Pandemie habe als Beschleuniger gewirkt für Entwicklungen, die schon zuvor zu beobachten gewesen seien, meinte Spiegler: „Die Reichen werden noch reicher, die Armen haben zu kämpfen.“

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