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Ada Hegerberg ist die beste Spielerin der Welt - verdient im Jahr aber gerade mal so viel wie Lionel Messi an einem Tag.

Gastwirtschaft

Systematisch benachteiligt

Die Frauenfußball-WM ist Schauplatz der Ungleichheit.

Am 7. Juni startet die Fußball-WM der Frauen in Frankreich. Als Begleiterscheinung wird der professionelle Fußball wieder Schauplatz der Diskussion über geschlechterbezogene Ungleichheiten: Leistung, Geschlecht und Gerechtigkeit. Diese Diskussion bietet viel Raum für ein komplexeres Verständnis von Ungleichheit und Diskriminierung, doch sie wird häufig nur eingeschränkt geführt. Zum einen, weil fast ausschließlich über Ungleichheit der Gehälter gesprochen wird. Zum anderen wird die Verbesserung dieser fast immer als eine Art Aufholjagd gegenüber den Männern dargestellt.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Signe Moe. Sie hat Volkswirtschaftslehre in Berlin studiert und ist Mitglied der Gruppe „Was ist Ökonomie?“.

In den letzten Jahren streikten wiederholt Frauenteams, um gegen ihre Benachteiligung zu protestieren. Im März dieses Jahres, klagte das US-Nationalteam seinen Verband an. Ihre Forderung: Höhere Gehälter, aber auch mehr Ressourcen für das Team. Die Frauen haben einen kleineren Unterstützungsapparat, schlechtere Trainingsbedingungen, weniger TV-Zeit. Es geht also um eine systematische Benachteiligung, die sich auf alle Aspekte und auf alle Altersklassen des Sports auswirkt.

Der Gender Pay Gap ist im Fußball schwindelerregend. Das entsteht aus der Unterbezahlung der Frauen, aber ebenso aus der Überbezahlung der Männer. Ada Hegerberg verdient jährlich 400.000 Euro, knapp mehr als Lionel Messi an einem Tag. Trotz Solidaritätsbekundungen seitens der Männer, wie einem Pep Guardiola, der einen Journalisten darauf hinweist, dass ein Frauenteam schon längst das englische Triple gewonnen hat, sind Zugeständnisse ökonomischer Art äußerst selten. 

In Norwegen akzeptierte das männliche Nationalteam allerdings Lohnkürzungen (einen Bruchteil ihres Gesamtgehalts), und die Gehälter von Frauen und Männern wurden angeglichen. Liegt einem eine Reduzierung des Gehaltsunterschieds tatsächlich am Herzen, ist eine Abrechnung mit den überdimensionierten Gehältern bei den Männern und eine entsprechende Umverteilung längst fällig. Aber natürlich ist es einfacher eine Auflösung der Ungleichheit durch Aufholen und die Entwicklung des „Produkts“ Frauenfußball zu propagieren. Lieber Wachstum und stetig neue Absatzmärkte als Umverteilung. Doch eine Sportart, und ebenso eine Gesellschaft, die sich Gleichheit verschreibt, muss sich trauen, Wohlstand zu begrenzen und Ungleichheit in all ihren Facetten zu bekämpfen.

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