CO2-Kennzeichnung

Fußabdruck auf der Packung

  • schließen

Petition fordert die verpflichtende CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln.

Alle in Supermärkten, Discountern und sonst im Einzelhandel vertriebenen Lebensmittel sollen eine Treibshausgas-Kennzeichnung bekommen. Das ist das Ziel einer Petition, die jetzt beim Petitionsausschuss des Bundestages eingereicht wurde. Damit das Thema dort behandelt wird, müssen nun bis zum 12. November 50 000 Unterschriften gesammelt werden. Hinter der Petition steht der Haferdrink-Hersteller Oatly, der diesem Vorhaben mit einer eigenen Kampagne pusht.

Das Unternehmen verweist darauf, dass die Lebensmittelindustrie weltweit für mindestens 24 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sei. „Wie aber können wir uns nachhaltiger ernähren, wenn wir am Supermarktregal so gut wie nichts über die Klimabilanz der Lebensmittel erfahren?“, so das Argument. Die Verbraucher hätten ein Recht zu wissen, wie klimafreundlich ihre Lebensmittel sind. Dies müsse verpflichtend für alle Hersteller geregelt werden. Oatly stützt sich auf eine Emnid-Umfrage, wonach zwei Drittel der Deutschen sich von der Regierung wünschen, die Angabe des CO2-Fußabdrucks vorzuschreiben.

Oatly vertreibt Haferdrink-Produkte in mehr als 30 Ländern in Europa, Asien und USA. Das Unternehmen wurde in den 1990er Jahren an der Universität Lund in Schweden gegründet, um eine pflanzliche Alternative zu Kuhmilch zu entwickeln. Es hat rund 400 Mitarbeiter. Milchähnliche Produkte aus Soja oder Hafer besitzen eine deutliche bessere Klimabilanz als Kuhmilch, die nach Studien pro Liter 900 bis 1300 Gramm CO2-Äquivalent beträgt. Die Alternativen liegen nur bei einem Viertel bis Drittel davon. Oatly selbst kennzeichnet seine Produkte mit dem jeweiligen CO2-Äquivalent.

Klimalabel auf freiwilliger Basis gab und gibt es seit längerem in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz. In Frankreich kennzeichnet zum Beispiel die Supermarktkette Casino ihre Eigenmarken mit einem CO2-Wert. Die britische Kette Tesco startete 2008 eine Pilotphase zum Klimalabel, gab den Plan, sie auf alle Produkte auszuweiten, jedoch auf. Die Konkurrenz zog nicht mit, außerdem beklagte Tesco einen hohen Zertifizierungsaufwand.

Hierzulande wird die Sinnhaftigkeit eines Klimalabels kontrovers diskutiert. Die Umweltstiftung WWF kommentiert: „Grundsätzlich ist es gut, die Klimawirkung von Produkten und Dienstleistungen transparenter zu machen.“ Bei Lebensmitteln sei das aber weitaus komplexer als etwa bei Flugreisen, da die CO2-Bilanz hier an sehr vielen Faktoren hänge – wie Produktionssystemen, Transportwegen, Verpackungsmaterial bis hin zur Art der Bodenbewirtschaftung. Die Ausweisung exakter Treibhausgas-Mengen auf Produkten sei „anspruchsvoll“, sagte WWF-Agrarexperte Rolf Sommer der FR. Zielführender sei eine wirksame CO2-Bepreisung in allen Sektoren, die sicherstellt, dass die ökologische Qualität sich im Preis der Produkte abbildet.

Auch Katrin Wenz vom BUND meinte: „Wir sind skeptisch, was die CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln angeht“ – wegen der Komplexität der Datenerhebung. Wichtig sei es, beim Kauf auf ökologische Produkte aus der Region zu achten und einen möglichst hohen Anteil an pflanzlichen Produkten zu konsumieren.

Oatly hingegen hält die Probleme der CO2-Bilanzierung – von der Ernte bis zum Supermarkt – durchaus für lösbar. Eine flächendeckende Umsetzung der CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln bedeute „einen gewissen initialen Aufwand“, sagte der Co-Geschäftsführer von Oatly Deutschland, Tobias Goj, „aber wir wissen auch, dass es machbar ist, denn wir haben den Prozess selbst in unserem Unternehmen etabliert.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare