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Kaufhof betreibt in Deutschland 96 Filialen, Karstadt rund 80.

Zusammenschluss

Fusion von Kaufhof und Karstadt wackelt

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Noch vor einer Woche schien der Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt in greifbare Nähe gerückt. Doch nun gerät die Fusion wieder in Gefahr.

Die geplante Fusion der beiden traditionsreichen Warenhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof könnte auf den letzten Metern doch noch scheitern. Der kanadische Kaufhof-Mutterkonzern Hudson’s Bay Company (HBC) hat offenbar Ärger mit seinen Geldgebern, die darauf bestehen, dass das Unternehmen seine Kredit-Verpflichtungen erfüllt. Das könnte die Kanadier womöglich in die Bredouille bringen, denn die Geschäfte bei ihrer Kölner Tochter laufen schlecht. Unsicher ist auch, ob das Bundeskartellamt die geplante Fusion ohne weiteres genehmigen wird: Präsident Andreas Mundt machte am Montag deutlich, dass sich seine Behörde den Zusammenschluss sehr genau ansehen werde, sobald er offiziell angemeldet ist.

Nach Angaben aus Branchenkreisen befinden sich die Gespräche zwischen HBC und Signa-Gruppe von Karstadt-Eigentümer René Benko bereits auf der Zielgeraden. Sie sollen nach Möglichkeit bis zum Monatsende abgeschlossen werden. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte am Montag aber aus einem Brief der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die kanadische HBC. In dem Schreiben stellt die Bank der Kaufhof-Muttergesellschaft offenbar ein verklausuliertes Ultimatum bis zum 30. September: Bis dahin soll HBC die vor drei Jahren vereinbarten Bedingungen eines Immobilienkredits erfüllen. Geschehe das nicht, könne die Landesbank das Darlehen von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen.

„HBC müsste das Geld danach gegebenenfalls zurückzahlen. In Anbetracht der Finanzlage des kanadischen Unternehmens erscheint es gegenwärtig unwahrscheinlich, dass es dazu in der Lage wäre“, schreibt die „SZ“. LBWW verliere offenbar die Geduld mit den Kanadiern und ihrer deutschen Tochter. Stelle die Bank das Darlehen fällig, könnten andere Institute folgen und auch Geld von HBC zurückfordern. Auf jeden Fall komme es bei der geplanten Fusion zu Verzögerung. Womöglich platze der Deal sogar.

Deutsche Warenhaus AG

Mit dem Kredit der LBBW hatte HBC vor drei Jahren den Kauf von 41 Kaufhof-Immobilien finanziert. Dabei verpflichteten sich die Kanadier, mit den Filialen Geld zu verdienen. Davon kann aber offenbar keine Rede sein, die Verluste werden immer größer. Der österreichische Unternehmer Benko, dessen Signa-Holding 2015 für einen symbolischen Euro die Karstadt-Warenhäuser vom Finanzinvestor Nicolas Berggruen gekauft hatte, hat es vor allem auf die Immobilien abgesehen. Die Kaufhof-Filialen sind Mieter in den Gebäuden. In Deutschland gibt es insgesamt 96 Filialen von Galeria Kaufhof und 82 des bisherigen Erzrivalen Karstadt. In beiden Unternehmen arbeiten insgesamt rund 37 000 Beschäftigte.

Karstadt-Eigner Benko versucht bereits seit Jahren, sich auch die Kaufhof-Filialen zu sichern. Ihm schwebt die Gründung einer „Deutschen Warenhaus AG“ vor. Bislang ist angeblich geplant, dass Benkos Signa etwas mehr als 50 Prozent der Anteile an dem neuen Gemeinschaftskonzern halten soll. In das Unternehmen sollen weitere HBC-Töchter in Europa integriert werden.

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