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Karstadt reicht ihm nicht: René Benko greift nun auch nach Kaufhof.

Kaufhaus-König

Fusion von Karstadt und Kaufhof

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Der österreichische Investor René Benko will der Warenhaus-König von Deutschland werden. Dem Österreicher gehört bereits die angeschlagene Karstadt-Kette. Nun greift er auch nach dem Rivalen Kaufhof.

Benkos Signa-Holding hat Agenturberichten zufolge eine Offerte über 2,9 Milliarden für die 140 Filialen in Deutschland und Belgien vorgelegt, die zum Metro-Konzern gehören. Der Metro-Aufsichtsrat soll darüber bereits diskutiert haben.

Spekulationen über einen möglichen Verkauf würden nicht kommentiert, teilte indes der Einzelhandelsriese mit. In der Mitteilung ist ferner zu lesen: „Wir schließen aber auch eine Trennung von Kaufhof nicht aus, wenn ein potenzieller Käufer einen angemessenen Preis, eine solide Finanzierung und ein schlüssiges Zukunftskonzept vorlegt.“ Richtig sei, dass es „in diesem Kontext verschiedene Gespräche gibt, es gibt aber keine Ergebnisse und Entscheidungen“. Dies werten Beobachter als Bestätigung für Verhandlungen zwischen Benko und dem Metro-Management.

Bietet auch Hudson’s Bay?

Allerdings ist Signa offenbar nicht der einzige Interessent. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, auch der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay sei mit im Spiel. In der Branche kursieren aber Zweifel darüber, wie ernst es den Managern aus Nordamerika mit ihrem Interesse ist. Der deutsche Einzelhandel zeichnet sich durch heftigen Wettbewerb aus, schon zahlreiche ausländische Newcomer sind in der Vergangenheit gescheitert. Gut möglich aber, dass Hudson’s Bay die Funktion übernehmen könnte, den Preis für Benko in die Höhe zu treiben.

Fest steht jedenfalls, dass Metro Kaufhof loswerden will, weil die Manager langfristig mit nur geringen Renditen rechnen. Mit Benko gab es bereits Ende 2011 und Anfang 2012 Verhandlungen. Metro-Chef Olaf Koch legte sie damals auf Eis, weil der Preis nicht stimmte. Parallel dazu hat Benkos Holding zunächst mehrere Karstadt-Immobilien erworben. Im August 2014 übernahm sie zudem das gesamte operative Geschäft der Warenhauskette von Nicolas Berggruen, der Karstadt einst aus der Insolvenz geholt hatte. Seither versucht Benko, mit einem umstrittenen Sparkurs den Konzern zu sanieren. Vor gut einer Woche wurde die Schließung von fünf kleineren Filialen beschlossen. Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kommen seit Monaten nicht voran. Verdi kämpft für Standort- und Beschäftigungssicherung und fordert, die Karstadt-Warenhäuser stärker auf die lokale Nachfrage auszurichten sowie Service und Beratung auszubauen. Die Gewerkschaft hat Benko wiederholt vorgeworfen, dass es ihm nicht um die Entwicklung eines Einzelhandelskonzepts, sondern primär um Geschäfte mit Immobilien geht – ein Feld, in dem der Österreicher viel Erfahrung hat. Verdi wollte sich am Mittwoch nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern.

Verwertung der Immobilien

Mit Benkos Offerte kommt die Idee einer Deutschen Warenhaus AG wieder auf die Agenda, die seit Jahren von Einzelhandelsmanagern diskutiert wird. Gemeint ist eine Fusion von Karstadt und Kaufhof, die mit der Schließung vieler Filialen einherginge. Davon wären einerseits die sogenannten Doppelstandorte wie Frankfurt oder Berlin betroffen, wo die Kaufhof- und Karstadthäuser nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen. Zudem halten es Handelsexperten wie Gerd Hessert oder Jörg Funder für unabdingbar, Filialen in kleineren Kommunen zu schließen, da sie dort wegen ihrer komplexen Logistik nicht mehr rentabel zu betreiben seien. All dies würde darauf hinauslaufen, dass die Zahl der Warenhäuser von derzeit insgesamt etwa 200 letztlich auf weniger als die Hälfte schrumpft.

Gut möglich, dass Benko ein derartiges Konzept vorschwebt, wobei er dabei zugleich Immobilien-Deals durchziehen könnte. Wo Warenhäuser geräumt werden, könnten Liegenschaften verkauft oder weitervermietet werden. Hinzu kommt, dass mit einer Übernahme auch einzigartiges Know-how eingekauft würde. Das Kaufhof-Management hat in den vergangenen Jahren konsequent jene Regionalisierung der Sortimente vorangetrieben, die Verdi auch für Karstadt fordert. Als Zeichen für die Erfolge des Kaufhofs-Konzepts wird in der Branche die geplante großzügige Erweiterung des Hauses in der Frankfurter Innenstadt betrachtet.

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