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Fukushima: Tepco-Manager müssen zahlen

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Von: Felix Lill

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Wer Anteile an Tepco hält, wird entschädigt.
Wer Anteile an Tepco hält, wird entschädigt. © afp

In Japan werden Ex-Führungskräfte des Energieversorgers Tepco wegen Fehlern vor der Katastrophe von Fukushima verurteilt.

Wer Aktien von Japans größtem Stromversorger hält, hatte am Mittwoch Grund zur Freude. Denn die Tokyo Electric Power Company, besser bekannt als Tepco, müsste nun ein Geldregen erwarten. Am Mittwoch entschied ein Tokioter Gericht, dass den Eigentümern des Konzerns Zahlungen in Höhe von 13 Billionen Yen (rund 95 Milliarden Euro) zustehen. Der Atom-Gau von Fukushima im März 2011 habe schwere Kosten verursacht, für die Entschädigungen fällig seien.

Als das Urteil am Mittwochnachmittag japanischer Zeit verkündet wurde, machte es sofort Schlagzeilen. „Wir haben Breaking News“, leitete der Sender NHK ein. Die führende Nachrichtenagentur Kyodo schrieb: „Ex-Tepco-Chefs für verantwortlich für die Fukushima-Krise befunden.“ Der lang erwartete Gerichtsbeschluss ist nicht nur wegen der Höhe der Entschädigungszahlungen beachtlich, sondern auch wegen der Parteien, die zahlen sollen.

Als Tepco-Aktionäre im Jahr 2012 ihre Klage einreichten, gehörten zu den Angeklagten fünf damalige Führungskräfte: der einstige Vorstandsvorsitzende Tsunehisa Katsumata, die Vizepräsidenten Sakae Muto und Ichiro Takekuro, der einstige Präsident Masataka Shimizu und der Geschäftsführer Akio Komori. Von ihnen wurde nur Komori für unschuldig befunden.

Tepco-Manager verurteilt nach Katastrophe von Fukushima

Es ist das erste Mal, dass im Zuge der Katastrophe von Fukushima die Führungsetage direkt belangt wird. Vor drei Jahren noch entlastete ein Gericht in einem strafrechtlichen Prozess die drei damals Angeklagten Katsumata, Muto und Takekuro, als der Vorwurf auf Fahrlässigkeit lautete.

Die Verteidiger hatten argumentiert, dass ein derart hoher Tsunami, wie er am 11. März 2011 die Küste Nordostjapans erreichte, nicht vorhersehbar gewesen sei. So habe man auch keine entsprechenden Maßnahmen treffen können.

Vor elfeinhalb Jahren war nach einem Erdbeben der Stärke neun ein teils an die 20 Meter hoher Tsunami über die Küste hereingebrochen und hatte auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi beschädigt. In drei der sechs Reaktoren kam es zu Kernschmelzen. Insgesamt starben rund 20 000 Menschen. Rund 300 000 Menschen verloren ihr Zuhause. Strahlungsbedingt leben noch immer Zehntausende fern ihrer damaligen Heimat. In einigen Orten wurde erst in diesem Jahr die Evakuierungsanordnung aufgehoben, für andere Ortschaften bleibt sie bestehen. Die Kraftwerksruine muss gekühlt und bewacht werden. Die Krise ist noch lange nicht überstanden.

Tepco: Nach Fukushima zahlungsunfähig

Das gilt auch für Tepco. Durch die entstandenen Verbindlichkeiten wurde der Konzern praktisch zahlungsunfähig und dann teilverstaatlicht. Immer wieder wurden auch Entschädigungszahlungen an die Opfer der Katastrophe angeordnet. Erst im vergangenen Monat beschloss ein Gericht, dass Tepco 73,5 Millionen Yen (rund 560 000 Euro) an die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Tamura im Westen der Kraftwerksruine zahlen müsse.

Die gut 500 Kläger:innen hatten eine mehr als fünfmal so hohe Summe gefordert, da sie mit dem Desaster, das sie als menschengemacht ansehen, Lebensqualität und Lebensgrundlagen verloren haben. Der Richter argumentierte allerdings, dass die Kläger einen Teil ihrer Forderungen durch frühere Zahlungen erhalten hätten. Zudem habe Tepco zwar nötige Vorkehrungen nicht getroffen. Andererseits hätte es beim Tsunami von 2011 auch mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen enorme Schäden gegeben.

Das Urteil vom Mittwoch klingt weniger versöhnlich. Zwar wurde der Anklage auch hier nicht in voller Höhe stattgegeben. Wegen der enormen Verluste für das Unternehmen und den Kollaps des Aktienwerts waren 22 Billionen Yen gefordert worden. Das Gericht hat aber keinen Zweifel daran gelassen, dass die früheren Tepco-Chefs unvorsichtig gehandelt haben. Im Jahr 2008 hatte Tepco geprüft, wie groß die Schäden im Falle eines Tsunami wären, woraufhin die Führung aber nicht die entsprechenden Schritte unternahm, um die Anlage abzusichern.

Die üppigen Zahlungen, die die vier Schuldiggesprochenen nun leisten müssten, dürften in Japan noch Wellen schlagen. Schließlich sind die Sieger dieses Falls, in dem eine historische Entschädigungssumme erstritten wurde, nicht etwa die Evakuierten oder Erkrankten, sondern die Miteigentümer von Tepco. Diejenigen, die wohl das meiste Leid in dieser Krise erleiden mussten, kämpfen um viel kleinere Summen.

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