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Unternehmen wollen fahrradfreundlicher werden.

Dienstfahrräder

Gut fürs Image

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Immer mehr Firmen bieten ihren Mitarbeitern Dienst-Fahrräder an. Das geschieht keineswegs uneigennützig: Unternehmmen profitierenden von der radfahrenden Belegschaft.

So einfach und günstig geht es zum neuen Rad: Der Beschäftigte sucht sich sein Wunschgefährt aus, der Arbeitgeber kümmert sich um den Leasingvertrag per Entgeltumwandlung, bei der die Raten vom Bruttogehalt einbehalten werden. Dadurch sinkt das zu versteuernde Einkommen, und die Anschaffungskosten sinken um bis zu 20 Prozent.

„JobRad“ heißt das Projekt, das die Berufgenossenschaftliche Unfallklinik in Frankfurt jetzt gestartet hat. Damit gliedert sie sich ein in die wachsende Reihe von Unternehmen, die den Trend zum Zweirad bei der Belegschaft fördern. Das Ganze geschieht nicht uneigennützig: Radler sind in der Regel seltener krank, benötigen keine teuren Autoparkplätze, und gut für das Firmenimage ist das Engagement für umweltfreundliche Mobilität allemal.

Bosch, SAP, IBM, DHL, Rewe, Deutsche Bahn: Bundesweit dürfte es mehr als 200 000 geleaste Diensträder geben, schätzt Ulrich Prediger. Der Gründer des Freiburger Leasing-Anbieters JobRad gilt als Pionier der Branche.

Zu seinen Kunden gehören nicht nur die Frankfurter Unfallklinik mit ihren 1000 Mitarbeitern und Großkonzerne, sondern auch Tausende kleinere Firmen, darunter Arztpraxen, Werbeagenturen und mittelständische Produktionsbetriebe. Auf Initiative von Prediger und anderen Mitstreitern weiteten die deutschen Finanzbehörden im Herbst 2012 die Steuervorteile von Autos auf Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes aus. Seitdem können Mitarbeiter deutlich günstiger an Zweiräder kommen. Eine gute Idee, sagt Norbert Sanden, Geschäftsführer des hessischen Landesverbands des Allgemeinen Fahrradclubs Deutschland (ADFC). „Das ist ein Element, wie Unternehmen das Radfahren fördern können.“ Derer gibt es noch einige mehr, nur leider sei dies in den Chefetagen zu wenig bekannt. Auch fühle sich dort oft keiner zuständig: „Für uns ist es schwierig, Ansprechpartner zu finden.“

Mit uns meint Sanden die Experten vom ADFC Hessen, die vor 15 Jahren mit dem Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main „Bike & Business“ aus der Taufe gehoben hatten. Sie beraten Unternehmen darin, wie sie fahrradfreundlich werden können. Mit sicheren und geschützten Abstellplätzen, Umkleideräumen mit Spinden, im Idealfall sogar einer Duschmöglichkeit.

Alles keine großen Investitionen im Vergleich zu denen, die ein einziger Autostellplatz kostet, sagt Sanden. „Das ist nicht so komplex.“ Trotzdem sind es lediglich 35 Betriebe, die das Angebot nutzen.

Viele Elemente, sagt Sanden, sind jetzt in das EU-weite Zertifizierungssystem „Fahrradfreundliche Arbeitgeber“ eingeflossen. Beteiligt ist der ADFC aber auch an der bundesweiten AOK-Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“. Kollegen bilden Teams und sammeln vier Monate lang sogenannte Radfahrtage. Anfang Mai fiel wieder der Startschuss. „Wir hoffen, dass wir einige Teilnehmer auf Dauer zum Radfahren verführen können.“ Die Vorteile sind laut ADFC zahlreich. Im Gegensatz zum Fitnessstudio oder Sportverein lasse sich das Radeln leicht in den Alltag einbauen. Schon eine zehnminütige Fahrzeit helfe, nach rund einer halben Stunde stelle sich eine deutliche Steigerung der Effektivität und Fitness ein.

Das Herz-Kreislauf-System würde angeregt, das Risiko eines Herzinfarkts oder Bluthochdrucks sinke. Radeln stärke die Atemmuskulatur und verbessere den Zucker- und Cholesterinstoffwechsel. Und es ist gut für die Seele, wie Achim Schmidt, Radsportexperte von der Deutschen Sporthochschule Köln, ergänzt. Wer morgens vor der Arbeit durch die frische Luft fährt, fühle sich besser und weniger gestresst.

Gesündere Mitarbeiter bedeuten geringere Fehlzeiten und bessere Leistungsfähigkeit. Auch das ist ein Antrieb für die Unfallklinik in Frankfurt. „Mit diesem Angebot leisten wir unseren Beitrag für die individuellen Mobilitätsbedarfe unserer Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführerin Rafaela Korte „Zudem bieten wir allen unseren Beschäftigten eine gesundheitsfördernde sowie umweltfreundliche Lösung.“

Die Unternehmen kostet das Angebot meist nichts – einzig der administrative Aufwand muss organisiert werden. Die Leasing-Firmen wie JobRad, der Münchener Anbieter Company Bike Solutions oder die Kölner Eurorad organisieren das Leasing über Online-Portale, bringen die Kunden mit Fahrradhändlern zusammen und bieten Dienstleistungen wie Versicherungen und Inspektionen an.

„Ziel ist es, die Administration für den Arbeitgeber so gering wie möglich zu halten“, sagt Ulrich Prediger. Denn den vermeintlichen Aufwand scheuen die meisten Firmen, so seine Erfahrung. „Viele haben weiterhin Dienstwagen im Kopf, Themen wie Strafzettel, Führerscheinkontrollen, Halterhaftung. Beim Dienstrad ist das alles unendlich viel einfacher. Sobald wir den Arbeitgebern darstellen können, wie gering der Aufwand ist, haben wir sie schnell überzeugt.“ Das gelingt immer häufiger, die Branche boomt.

JobRad zählt bundesweit mehr als 7500 Arbeitgeber mit mehr als 1,5 Millionen Beschäftigten zu seinen Kunden. Rund 4500 Fahrradhändler gehören dem Netzwerk an. In diesem Jahr will Inhaber Prediger 60 neue Mitarbeiter einstellen. (mit dpa)

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