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Deutsche Bank: „Für Banken hat eine neue Zeit begonnen“

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Von: Nina Luttmer

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Benjardin Gärtner leitet das Aktiengeschäft des Fondsanbieters Union Investment.
Benjardin Gärtner leitet das Aktiengeschäft des Fondsanbieters Union Investment. © Union Investment

Aktienexperte Benjardin Gärtner von Union Investment sieht die Geldinstitute in ruhigerem Fahrwasser.

Herr Gärtner, der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, ist bald vier Jahre im Amt, vor bald drei Jahren hat er seine Strategie bis Ende 2022 verkündet. Ein kleines Fazit bitte: Wie zufrieden sind Sie mit der Deutschen Bank?

Herr Sewing und sein Team haben einen sehr guten Job gemacht. Die Aktionärinnen und Aktionäre der Bank können zufrieden sein. Die meisten Bankenkenner dachten bei dem Strategietag 2019, dass Sewings Annahmen viel zu optimistisch sind. Aber das Unternehmen ist wirklich gut vorangekommen.

Woran machen Sie das fest?

Vor allem an dem Dreigestirn Kosten, Kapital und Ertrag. Die Kosten hat die Bank deutlich reduziert, die Erträge sind hochgegangen, die Eigenkapitalrendite steigt.

Aber die Bank ist weiterhin ziemlich weit entfernt von ihrem Ziel, bis Ende des Jahres acht Prozent Eigenkapitalrendite aufzuweisen…

Die Bank bekräftigt mit der sehr guten Geschäftsentwicklung im vierten Quartal und den verbesserten Marktanteilen ihr Renditeziel für 2022. Da müssen wir abwarten, ob sie das exakt erreichen kann. Aber ich denke, sie wird sich dem Ziel annähern. In der Gesamtbeurteilung sollte man da auch nicht mit dem spitzen Bleistift draufschauen. Die Richtung stimmt, das ist es, was zählt. Die Bank ist aus dem Krisenmodus heraus und wieder in ruhigerem Fahrwasser.

Sewing hat 2019 versprochen, dass die Bedeutung des Investmentbankings für die Bank abnehmen und die der als stabiler geltenden Geschäftsfelder zunehmen wird. Das ist nicht passiert. Finden Sie das schlimm?

Nein, das ist nicht schlimm. Die Qualität des Investmentbankings der Deutschen Bank hat sich sehr verbessert. Das ist ein vollkommen legitimes Geschäftsfeld, an dem es nichts auszusetzen gibt. Die Deutsche Bank hat in einzelnen Bereichen global hohe Marktanteile und verdient eine attraktive Rendite auf das eingesetzte Kapital. Aber natürlich ist das Investmentbanking volatil, es kann eben auch mal wieder Krisen an den Kapitalmärkten geben. Das ist ein Risiko.

Ist es aber nicht dennoch enttäuschend, dass es im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank nicht besser läuft?

Ja, aber das kann man nicht vollständig Sewing und seinem Team anlasten. Deutschland ist in dem Segment einfach ein sehr schwieriger Markt. Die fünf größten Banken haben hierzulande nur einen Marktanteil im Privatkundengeschäft von 65 bis 70 Prozent. In anderen Ländern sind es 80 bis 90 Prozent. Es ist ein heiß umkämpfter Markt und nun kommen ja auch noch viele neue Spieler wie N26 oder die Solarisbank dazu. Daher denke ich, dass es der Deutschen Bank auch in Zukunft nicht gelingen wird, im Privatkundensegment sehr viel mehr zu verdienen; es sei denn, die Zinslandschaft ändert sich.

Sind Bank-Aktien im Grundsatz wieder ein lohnendes Investment?

Wir bei Union Investment haben Banken in unserem Portfolio und fühlen uns damit wohl. Für die Banken scheint nach Jahren der Krise eine neue Zeit begonnen zu haben. In den vergangenen Jahren mussten sie immer nur Kapitallöcher stopfen – es gab die Lehman-Krise, die Euro-Krise und eine stark verschärfte Bankenregulierung. Da sind die Banken nun durch. Sie können wieder an die Aktionärinnen und Aktionäre ausschütten. Die italienische Unicredit etwa hat angekündigt, in den kommenden Jahren 16 Milliarden Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückzugeben, das ist beachtlich.

Von solchen Beträgen ist die Deutsche Bank aber noch weit entfernt...

Das stimmt, die Deutsche Bank schüttet nicht so viel aus – aber auch sie ist nun wieder dividendenfähig. Aktionärinnen und Aktionäre bekommen für 2021 eine Dividende von 20 Cent pro Aktie. Die Bank plant auch eigene Aktien im Volumen von 300 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2022 zu kaufen. Das hätte ich 2019 ehrlich gesagt nicht erwartet.

Was sind die Chancen und Risiken für die europäischen Banken in den kommenden Jahren?

Für die Banken hängt natürlich von der Konjunktur ab, wie sich die Kreditrisiken und die Kreditnachfrage entwickeln werden. Aber ich bin optimistisch, dass es in der EU ein stärkeres Wirtschaftswachstum geben wird, von dem die Banken profitieren werden. Europa muss viel tun, um seine Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Der Bau von Windrädern und die umweltfreundliche Neuausrichtung vieler Unternehmen wollen finanziert werden. Das ist eine große Chance.

Also kann man Anlegerinnen und Anlegern sagen: Habt keine Angst mehr vor Bankaktien?

Bankaktien sind wieder investierbar. Sofern die Konjunktur sich positiv entwickelt, können Anlegerinnen und Anleger mit Bankaktien, denke ich, gut schlafen.

Interview: Nina Luttmer

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