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Feldarbeit in Sodo: Fruitbox Africa sorgt für Beschäftigung.

Afrika

Fruitbox Africa: Frankfurter Investor und Siemens wollen Jobs in Äthiopien schaffen

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Der Frankfurter Investor Lutz Hartmann und der Technologieriese Siemens wollen Jobs in Äthiopien schaffen. Mit einer „Fruitbox“.

Leuchtturmprojekt“ – ein bisschen Stolz schwingt schon mit, wenn Lutz Hartmann dieses Wort ausspricht. Wer hätte auch gedacht, dass das von dem Frankfurter Wirtschaftsanwalt 2014 in Äthiopien gegründete Unternehmen Fruitbox Africa einmal die Aufmerksamkeit von zwölf afrikanischen Staats- und Regierungschefs plus Kanzlerin Angela Merkel finden würde. Auf der „Compact with Africa“-Konferenz konnte Hartmann sein Farm-Projekt am Dienstag in Berlin als beispielhaft für Investitionen in Äthiopien präsentieren - gemeinsam mit Siemenschef Joe Kaeser. Denn mit Unterstützung des Technologiekonzerns will der 48-jährige Frankfurter nun für einen weiteren Entwicklungsschub in der südlichen Region Wolayita sorgen.

Bereits vor fünf Jahren ersteigerte Hartmann 300 Hektar unweit der Stadt Sodo inklusive Wasserrechten zur Nutzung für 45 Jahre. Umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro hat die Firma Fruitbox Africa, die Hartmann mit drei deutschen Partnern gründete, seither in den Aufbau einer Farm investiert. Auf den Äckern baut er Tomaten, Brokkoli, Auberginen, Gurken, Okra, Paprika, Zucchini, Zwiebeln und Papaya für den regionalen Markt an. Rund 20 Tonnen Obst und Gemüse liefert er wöchentlich aus - bis ins gut 300 Kilometer entfernte Addis Abeba.

Fruitbox Africa beschäftigt 150 Frauen und Männer

Die fruchtbare Fläche lag seit Jahren brach. Und Hartmann wollte beweisen, dass man „mit sozialer Verantwortung“ in Afrika erfolgreich investieren kann. 150 Männer und Frauen beschäftigt Fruitbox mittlerweile – 70 davon permanent, etwa 80 als Saisonkräfte. Er entlohne die Beschäftigten besser als andere Arbeitgeber in der Region, zahle für seine Leute in einen Pensionsfonds ein und biete ihnen kostenlose Mahlzeiten, sagt Hartmann. Alle Führungskräfte - Betriebswirte und Agrarexperten - seien Äthiopier.

Jobs schaffen, junge Leute qualifizieren, ihnen eine Perspektive bieten und regionale Märkte erschließen - Hartmann hält das für das einzig nachhaltige Entwicklungsmodell für ein Land wie Äthiopien, dessen Landwirtschaft produktiver werden müsse, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. „Du musst ein Netzwerk von wirtschaftlichen Aktivitäten aufbauen, um etwas voranzubringen.“

Vision eines Gründerparks in Afrika

Sein Projekt will er jetzt in Kooperation mit Siemens im Rahmen des „Compact with Africa“ auf die nächste Stufe heben: Die Farm und die benachbarte Gemeinde sollen elektrifiziert werden. Siemens, das in der Region ohnehin aktiv ist, um eine Anlage zur Übertragung von Hochspannungsstrom zwischen Äthiopien und Kenia zu errichten, plant unweit von Hartmanns Farm ein Solarkraftwerk mit einer Leistung von 500 Kilowattstunden. Die eine Hälfte soll Fruitbox Africa erhalten, die andere Hälfte das Nachbardorf, erläutert Sabine Dall’Omo, Siemens-Chefin für das südliche Afrika, im Gespräch mit der FR.

Hartmann sieht gleich mehrere Effekte für eine nachhaltige Entwicklung. Auf die Diesel-Generatoren für die Pumpen zur Bewässerung könne er dann weitgehend verzichten, sagt der Frankfurter. Und mehr Fläche bewirtschaften - bislang sind erst rund 60 der 300 Fruitbox-Hektar bepflanzt. „Wir könnten dann weitere 200 Menschen anstellen.

Fruitbox Africa: Solaranlage in Äthiopien

Mit dem Solarkraftwerk seien aber auch unmittelbare Beschäftigungseffekte verbunden, erklärt Dall’Omo. Denn die Solaranlage soll in die Hand der Kommune übergehen, die den Strom dann an Hartmann verkauft. In Kooperation mit der Wolaita Sodo University will Siemens deshalb Äthiopier zu Fachkräften ausbilden, die das Kraftwerk instand halten können.

500 000 Euro werde Siemens investieren, sagt Dall’Omo. In welcher Höhe Mittel aus dem Investitionsfonds im Rahmen der „Compact with Africa“-Initiative fließen, sei noch offen. Geht es nach Dall’Omo, dann könnte das Projekt in Sodo zur Blaupause für die Versorgung ländlicher Regionen Äthiopiens mit sauberer Energie werden. Denn noch immer haben 56 Prozent der Menschen in dem ostafrikanischem Land keinen Zugang zu Strom.

Hartmann erhofft sich für das Umfeld seiner Farm dank der Stromversorgung einen Entwicklungsschub. „Meine Vision ist ein kleiner Gründerpark“, sagt der Frankfurter. Er denkt da beispielsweise an Äthiopier, die in die Honig-Produktion einsteigen oder Papayas oder Mangos weiterverarbeiten. Für die eigene Farm träumt er von einem Kühlhaus. Dort könnte die Ernte dann länger gelagert werden, bevor sie frisch an Märkte und Hotels ausgeliefert wird.

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