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Ansteckendes Lachen: Samantha Clarke.

Glücksberaterin

„Viele Menschen sehen, dass es bei Arbeit nicht nur ums Geld geht“

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Happiness-Cunsultant Samantha Clarke über Zufriedenheit im Job und welche Rolle ein Kaffee-Roulette dabei spielen kann.

Das Berufsbild dürfte vielen unbekannt sein: Samantha Clarke, 38, arbeitet als Happiness-Consultant, übersetzt Glücksberaterin. Die Britin hilft Unternehmen dabei, die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter zu erhöhen und Privatpersonen, ihr berufliches Glück zu finden. Die FR hat sie auf der Zukunftsmesse Me Convention getroffen.

Frau Clarke, die meisten Menschen sind wohl noch nie einem Happiness-Consultant begegnet. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Den Begriff Happiness-Consultant habe ich selbst erfunden, vorher war ich auch nie einem begegnet. Inzwischen bilde ich auch andere dazu aus. Mein erster Job war in einer großen Werbefirma; ich hatte mich so gefreut auf diesen Job. Aber irgendwann habe ich mich gefragt: Ist es wirklich das, was ich will – jeden Tag daran mitzuarbeiten, Müsliverpackungen zu entwickeln? Danach habe ich ein eigenes Schuhlabel aufgebaut, doch dann kam die Rezession und ich musste aufgeben. Da sagte mir eine Freundin: Du hast ein Talent, mit Leuten zu reden und sie zu motivieren. Ich sprach also zu Menschen, die arbeitslos geworden waren, wir haben überlegt, wie es nun weitergehen kann. So wurde ich eine Glücksberaterin. Es ist toll, direkt zu sehen, wie Leute ihr Leben verändern – es gibt ein sichtbares Resultat meiner Arbeit.

Sie beraten viele Unternehmen, wie die ihre Mitarbeiter zufriedener machen können. Können Sie ein paar Erfolgsbeispiele nennen?
In einem Unternehmen sind wir zu dem Resultat gekommen, dass die Mitarbeiter andauernd damit beschäftigt waren, E-Mails zu schreiben. Oft waren die total sinnlos, sie schrieben sie um des Schreibens willen. Das ständige Gucken auf die Mails stresste die Mitarbeiter und hielt sie außerdem vom fokussierten arbeiten ab. Nun gibt es in dem Unternehmen die Regel, dass Mails nur noch zwischen 9 und 11 Uhr und zwischen 15 und 17 Uhr gelesen und beantwortet werden.

Was Kaffee-Roulette und Meditationspausen bewirken

Die Me Convention hat während der der Automesse IAA in Frankfurt an drei Tagen stattgefunden. Es wurde in diesem Jahr bereits zum dritten Mal von den Machern der legendären South by Southwest und Daimler organisiert und hat einige der spannendsten Köpfe der Welt in die Mainmetropole gebracht.

Noch ein Beispiel?
In einem Unternehmen wird jetzt immer um 15 Uhr für fünf bis zehn Minuten meditiert, jeder – auch das Management – macht mit. Das heißt nicht, dass man ein Meditationskissen auspacken und auf dem Boden sitzen muss. Es geht darum, dass absolute Stille herrscht und alle in sich gehen, ihren Körper spüren und die Gedanken bündeln. In anderen Unternehmen habe ich mit dem Management ein Kaffee-Roulette eingeführt. Die Namen der Mitarbeiter kommen in zwei Hüte, dann zieht man zwei Namen aus jeweils einem Hut und die beiden gehen miteinander Kaffee trinken. Das kann man in einer Abteilung oder über ein ganzes Unternehmen spielen. So lernen sich Mitarbeiter kennen, verstehen dann vielleicht auch besser, was in anderen Abteilungen gemacht wird.

Viele Unternehmen bauen die Büros sehr hipp um. Da gibt es Lounges, bunte Küchen oder Billardtische. Macht das die Mitarbeiter glücklich?
Nein, das sind nette Gimmicks – es sind aber Pflaster, die man auf eine Wunde klebt, die dennoch weiterblutet. Um in einem Unternehmen etwas zu ändern braucht es mehr als das. Man muss etwa die Führungskräfte im Umgang mit Mitarbeitern schulen und Stress reduzieren.

Zufriedenheit statt Geld

Große Unternehmen können ihren Mitarbeitern viele Zusatzangebote – Sport, Kinderbetreuung etc. – machen, kleine können das aus Kostengründen nicht …
Freude sollte nichts kosten. Die Beispiele, die ich ihnen gerade gegeben haben, kosten nichts – tragen aber zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei. Man sollte die Geldfrage nicht als Vorwand nutzen, nichts zu ändern.

Mehr zur Me Convention: Wie man Big Brother entwischt

Warum sind so viele Menschen unglücklich mit ihrer Arbeit?
Viele Menschen nehmen sich einfach nicht die Zeit zu reflektieren, was sie überhaupt machen wollen. Und sie fürchten sich vor Veränderung. Die Welt wandelt sich so rasant, da gibt die Arbeit eine gewisse Stabilität. Und man hat natürlich auch Verpflichtungen – das Abbezahlen eines Kredits oder die Ausbildung der Kinder.

„Sie wollen einen Unterschied machen, etwas sinnvolles, motivierendes tun“

Sie raten Ihren Privatkunden, den Mut zu haben, sich beruflich zu verändern. Aber viele Menschen können sich das finanziell nicht leisten.
Ich empfehle meinen Kunden niemals, einfach den Job zu kündigen. Ich erarbeite mit ihnen einen Finanzplan, wir überlegen, wie lange sie vielleicht sparen müssen oder wie sie ihr Konsumverhalten ändern können, um dann einen neuen beruflichen Weg zu gehen.

Haben Sie das Gefühl, dass vor allem jüngere Menschen unzufrieden mit ihrer Arbeit sind, weil sie andere Vorstellungen von „guter Arbeit“ haben?
Ich glaube, viele Menschen sehen inzwischen, dass es bei Arbeit nicht nur ums Geld geht. Sie wollen einen Unterschied machen, etwas sinnvolles, motivierendes tun. Die jüngere Generation ist vielleicht aktiver. Aber auch ältere Menschen fragen sich, warum sie seit 40 Jahren das gleiche machen und keinen Spaß dabei haben. Und sie sehen immer öfter, dass auch sie das noch ändern können. Ich empfehle ihnen oft, erstmal ihre Arbeitszeit zu reduzieren und ihr neues berufliches Glück nebenbei zu testen.

Kommen mehr Männer oder mehr Frauen zu ihnen?
Zu meinen Vorträgen kommen immer deutlich mehr Frauen. Sie sind bereiter, in sich zu gehen und zu hinterfragen, was sie eigentlich beruflich wollen. Männer sind oft noch in alten Rollenmustern gefangen, sie sehen sich etwa als Versorger der Familie. Aber das ändert sich langsam, sie werden offener – auch die Männer suchen schließlich Glück bei der Arbeit.

Interview: Nina Luttmer

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