Arzneimittelabfüllung bei Fresenius. fresenius

Coronavirus

Fresenius im Zentrum der Krise

  • Daniel Baumann
    vonDaniel Baumann
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An der Börse hat der Bad Homburger Gesundheitskonzern stark an Wert verloren – wie steht es um ihn?

Die Corona-Krise setzt dem Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius an der Börse massiv zu. Seit der Bilanzvorlage am 20. Februar hat sich der Aktienkurs des Unternehmens, das Arzneien und Medizinprodukte herstellt und Krankenhäuser betreibt, fast halbiert. Statt vormals 49,82 kosteten die Papiere vergangene Woche kurzzeitig nur noch 24,32 Euro. Damit schnitt das Unternehmen an der Börse noch schlechter ab als der Deutsche Aktienindex (Dax), der im gleichen Zeitraum gut 38 Prozent an Wert verloren hat.

Anleger haben das Unternehmen, das mehr als 290 000 Menschen Arbeit gibt, wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Sind das Anzeichen einer wirtschaftlichen Notlage? Nein, sagt Analyst Ulrich Huwald von Warburg Research, der den Gesundheitskonzern seit langem unter die Lupe nimmt. „Es ist nicht mehr nachzuvollziehen, was da passiert“, so der Experte. „Das ist absolut übertrieben.“ Das Unternehmen verfolge sehr nachhaltige Geschäfte und sei gut aufgestellt.

Fresenius gehört zu den führenden Betreibern von Krankenhäusern und Dialysekliniken weltweit. In Deutschland ist das Unternehmen vor allem wegen seiner Krankenhaustochter Helios bekannt. Außerdem stellt der Konzern lebensnotwendige Medikamente und Medizinprodukte her. Für diese Produkte und Dienstleistungen gibt es üblicherweise eine stabile Nachfrage, weswegen Firmen wie Fresenius als wenig konjunkturabhängig und stabil gelten.

Im Februar hatte Fresenius eine solide Bilanz vorgelegt und Zuversicht für das laufende Jahr verbreitet. Der Umsatz soll um bis zu sieben Prozent steigen, der Gewinn um bis zu fünf Prozent. Allerdings waren in diesem Ausblick mögliche Folgen des Coronavirus noch nicht enthalten. Und spurlos geht die Krise an dem Konzern keineswegs vorbei.

Die Arzneimitteltochter Kabi hat Produktionsstätten in China, die wegen des Virus stillstanden, wie Konzernchef Stephan Sturm zur Bilanzvorlage sagte. Die Sparte werde die Folgen beim verkauften Volumen zu spüren bekommen. Auch kämen viele Vorprodukte für Arzneien aus China. Je länger die Virus-Epidemie anhalte, desto wahrscheinlicher würden Engpässe. Inzwischen normalisiert sich die Lage in der Volksrepublik offiziellen Angaben zufolge aber zunehmend.

Dafür wird sie in Europa schwieriger. In Deutschland und Spanien ist Fresenius der größte Klinikbetreiber und befindet sich damit, so Huwald, „im Brennpunkt des Geschehens“. Geplante Behandlungen müssen verschoben werden, um Kapazitäten für Corona-Kranke freizuhalten. In Deutschland hat die Bundesregierung dafür nun finanzielle Hilfen in Höhe von bis zu 7,8 Milliarden Euro für alle Krankenhäuser zugesagt.

Diese Unterstützung hat bei Fresenius nun für eine Trendwende an der Börse gesorgt. Der Aktienkurs stieg am Freitag und Montag deutlich. Die Analysten von Kepler Cheuvreux und DZ Bank haben die Papiere zum Kauf empfohlen. Sie halten die Aussichten für das Unternehmen weiterhin für gut. Auch die Konzernführung scheint davon überzeugt zu sein, dass sich Fresenius auf dem richtigen Weg befindet. Unternehmenschef Stephan Sturm hat in den vergangenen Tagen für rund eine Million Euro Fresenius-Aktien gekauft. Auch der für das Krankenhausgeschäft zuständige Vorstand Francesco De Meo und Aufsichtsratschef Gerd Krick griffen zu.

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