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Fresenius sieht Licht

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Von: Rolf Obertreis

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Unternehmenssitz der Fresenius SE & Co. KGaA  in Bad Homburg.
Unternehmenssitz der Fresenius SE & Co. KGaA in Bad Homburg. © Imago

Trotz vieler Probleme ist das Management des Bad Homburger Gesundheitskonzerns optimistisch und erhöht erneut die Dividende.

Wegen Corona herausfordernd, aber trotzdem erfolgreich. Stephan Sturm, Vorstandschef des Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius zieht ein positives Fazit des Geschäftsjahres 2021 und blickt trotz der Pandemie, Lieferengpässen und steigender Inflation zuversichtlich auf das laufende Jahr. „Wir haben unsere Ziele für das Geschäftsjahr 2021 voll erreicht, für 2022 erwarten wir weiteres profitables Wachstum“, sagte Sturm am Dienstag bei der Bilanzvorlage. Gewinn und Umsatz sollen im einstelligen Prozentbereich zulegen.

Die Zahl der Covid-19-Fälle dürfte ab Frühjahr zurückgehen, was die Anzahl planbarer Behandlungen und die Verfügbarkeit von Personal verbessere. Allerdings bleibe die Unsicherheit weiter erheblich, so Sturm. Gleichzeitig strafft das Unternehmen seinen schon 2021 eingeleiteten Sparkurs. Bis 2023 sollen jetzt nicht nur 100 Millionen, sondern 150 Millionen Euro jährlich eingespart werden, was zunächst aber auch viel Geld kostet.

Schwierig bleibt die Lage bei der ebenfalls im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC). Dort machte sich die hohe Sterblichkeit nierenkranker Patient:innen in der Pandemie bemerkbar. Bei einem leicht höheren Umsatz von 17,6 Milliarden Euro rutschte der Gewinn um ein Viertel auf gut eine Milliarde Euro ab. In diesem Jahr soll er aber wieder zulegen, sagte FMC-Vorstandschef Rice Powell.

Bis Ende 2025 will FMC die Kosten um jährlich 500 Millionen Euro senken, allerdings liegen dafür die einmaligen Aufwendungen bei 450 bis 500 Millionen Euro. Weltweit sollen 5000 Stellen wegfallen, davon 500 bis 750 in Deutschland.

Der Mutterkonzern erwirtschaftete einen Umsatz von 37,5 Milliarden Euro, drei Prozent mehr als 2020. Der Gewinn stieg um vier Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. Sturm zufolge kommt Fresenius bei der Umsetzung des Spar- und Effizienzprogramms schneller voran als erwartet. Dies erfordert 2022 und 2023 aber Aufwendungen von rund 300 Millionen Euro. Der Umsatz soll bis 2023 um bis zu sieben Prozent zulegen, der Gewinn um fünf bis neun Prozent.

Druck von der Börse

An der Struktur des Konzerns, die er vor Jahresfrist noch infrage gestellt hatte, will Sturm jetzt doch nicht rütteln. Er will aber neue Kapitalquellen erschließen. Eine Kapitalerhöhung sei aber weder nötig noch vorgesehen. „Wir wollen Fresenius mit Tempo voranbringen und dafür mit Augenmaß umbauen. Fresenius bleibt ein diversifizierter Gesundheitskonzern, mit geschärftem Profil“, versicherte Sturm. An der Börse freilich ist man skeptisch: Der Aktienkurs rutschte zeitweise um mehr als sieben Prozent ab. Bei FMC ging es dagegen leicht um ein Prozent nach oben.

Fresenius und FMC stehen an der Börse seit langem unter Druck. Mehrere Gewinnwarnungen verschreckten Investoren. Und die Pandemie schadete dem Konzern. Auf Sicht von fünf Jahren haben Fresenius-Aktien gut die Hälfte an Wert verloren.

Aber Fresenius und FMC bleiben ihrer Ausschüttungs-Strategie treu. Bei Fresenius soll die Dividende um vier Cent auf 92 Cent steigen, es wäre der 29. Anstieg in Folge, bei FMC um einen Cent auf 1,35 Euro je Aktie, das 25. Plus in Folge.

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