Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

+

Übernahme durch ACS

Freiwild Hochtief

  • VonJakob Schlandt
    schließen

Im Abwehrkampf gegen die Übernahme durch ACS gehen Hochtief die Trümpfe aus. Nach der Entscheidung der Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin steht einer Übernahme durch den verschuldeten spanischen Konkurrenten kaum noch etwas im Wege.

Mitarbeiter und Aktionäre des Baukonzerns Hochtief sollten sich keine Hoffnung mehr machen: Nachdem die deutsche Finanzaufsicht Bafin am späten Montagabend das Übernahmeangebot abgesegnet hat, wird sich der spanische Konkurrent ACS kaum noch von seinem Plan abhalten lassen, nach und nach Hochtief-Aktien zu kaufen – und so seinen Anteil von derzeit knapp 30 auf 50 Prozent aufzustocken.

Die verbleibenden Abwehroptionen von Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter sind kaum noch der Rede wert. Ein sogenannter weißer Ritter käme in Frage, also ein Unternehmen oder Staatsfonds, der eine Sperrminorität von 25 Prozent erwirbt, um ACS die Freude an Hochtief zu vergällen. Bloß: Ein Dauerkonflikt mit ACS wäre unausweichlich, Hochtief ist damit eine unattraktive Geldanlage. Die Chancen, noch einen Investor zu finden, liegen also nahe Null.

Auch eine Kapitalspritze – per Wandelanleihe oder Kapitalerhöhung – ist als Abwehrmaßnahme vom Tisch, obwohl sie für ACS die Übernahme deutlich teurer und damit vielleicht unmöglich machen würde. Weil ACS mit seiner schlechten Bonität schon kurz vor der Übernahme von Hochtief steht, würden die Kapitalgeber überzogene Zinsen verlangen. Drittens sondierte Hochtief eine Verschmelzung mit Australiens größtem Baukonzern Leighton, an dem die Essener beteiligt sind. Auch das wird nicht funktionieren, denn im neuen Konzern hätte das größere Leighton vermutlich die Zügel fest in der Hand.

Bei der IG Bau besteht schon die Einsicht, dass die Übernahmeschlacht verloren ist, die Gewerkschaft appelliert nur noch an ACS, sich an Zusagen zu halten: Hochtief dürfe nicht zerschlagen werden, die Arbeitsplätze müssten erhalten bleiben, hieß es. Die Befürchtungen sind begründet: ACS hat sich schon häufiger als unzuverlässig erwiesen.

Dass die hoch verschuldete, strategisch schwach organisierte ACS-Gruppe mit Leichtigkeit über Hochtief herfallen konnte, ist dem deutschen Übernahmerecht geschuldet – es enthält große Lücken. Börsennotierte Unternehmen mit breiter Anteilsstreuung werden quasi zu Freiwild erklärt.

Dass es nicht schon häufiger zu Angriffen auf deutsche Firmen gekommen ist, liegt nur daran, dass feindliche Übernahmen dem Prinzip nach wenig attraktiv sind, weil sie nachgewiesenermaßen mehr Werte zerstören als zusätzliche u schaffen. Doch dessen ungeachtet gibt es immer wieder Manager, die sich profilieren wollen oder keine anderen Wachstums-Optionen sehen, als den Angriff zu wagen.

Derzeit sind sie wieder besonders aktiv: Im dritten Quartal 2010 lag der Gesamtwert von Übernahmen und Firmenverschmelzungen weltweit bei 488 Milliarden Dollar, ermittelte die Spezialkanzlei Allen & Overy. Das sind zwei Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Kurve wird vermutlich weiter steil steigen, unter Analysten ist schon von einer anrollenden, globalen Übernahmewelle die Rede. Billiges Geld ist der Schmierstoff: Immer, wenn die Zinsen wie zur Zeit verhältnismäßig niedrig liegen, die Wachstumsaussichten aber günstig sind, steigt der Appetit auf Übernahmen – und vermutlich werden häufiger auch deutsche Unternehmen ins Visier geraten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare