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Zukunft der Arbeit

Freiräume und Anerkennung halten gesund

  • VonStefan Sauer
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Der Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen listet auf, welche Faktoren im Job krank machen — zum Beispiel schlechte Bezahlung und cholerische Chefs. Allerdings sind miese Bedingungen besser als gar keine Arbeit.

Dass hochbetagte Menschen häufiger erkranken als junge Leute in der Blüte ihrer Jahre, ist weder überraschend noch neu. Ebenfalls bekannt ist der Umstand, dass Frauen etwas häufiger zum Arzt gehen als Männer und dass gut ausgebildete Personen im Durchschnitt mehr Sport treiben und gesünder essen als Zeitgenossen mit geringer Qualifikation. Doch im Vergleich zur Qualität der Arbeit spielen all diese Faktoren nur eine untergeordnete Rolle: Berufstätigkeit und Gesundheit hängen aufs engste zusammen. Im diesjährigen Gesundheitsreport hat der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) anhand zahlreicher Daten den Zusammenhang zwischen beruflichem und gesundheitlichem Status belegt. Die wichtigsten Ergebnisse.

Gesund am Arbeitsplatz Je mehr Freiräume eine Tätigkeit bietet, je selbstbestimmter und kreativer Aufgaben erledigt werden können, je besser dabei die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen funktioniert, desto gesünder sind Beschäftigte. Abzulesen ist das an einzelnen Berufen: Beschäftigte in Handelsberufen, im IT- und Kommunikationsbereich, in Banken, Versicherungen und an Universitäten weisen weit unterdurchschnittliche Krankenstände auf, die teils nur ein Drittel so hoch liegen wie in anderen Bereichen mit geringer Autonomie. Eine wichtige Rolle spielt laut Report auch die Anerkennung und Wertschätzung, die Berufstätige in materieller und sozialer Hinsicht erfahren. Die Formel lautet: Je besser bezahlt und höher angesehen, desto seltener krank.

Krankmacher im Betrieb. . . Formel Nummer zwei: Die Abwesenheit positiver Einflussfaktoren macht krank. Wo der Arbeitsrhythmus vorgegeben, der Termindruck hoch, die Autonomie gering, die Bezahlung schlecht und die Reputation des Jobs mäßig ist, schnellt die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) in die Höhe. Postzusteller, Abfallbeseitigungs- und Reinigungskräfte, Pflegepersonal und Beschäftigte im Verkehrssektor weisen einen zwei- bis dreimal so hohen Krankenstand auf wie IT-Ingenieure. Hilfsarbeiter kommen auf viermal längere Fehlzeiten wie Spezialisten für hochkomplexe Aufgaben. Während in der verarbeitenden Industrie und in der Logistik Muskel- und Skeletterkrankungen besonders häufig auftreten, sind es bei Pflegekräften psychische Leiden.

. . . und auf dem Chefsessel Eine wesentliche Rolle spielt auch die Leitungsebene im Unternehmen: Tun Chefs die Belange der Mitarbeiter und des Gesundheitsschutzes als Gedöns ab, setzen sie auf Anweisungen, anstatt nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, ist der Ton barsch, nicht kollegial, Kritik häufig und Anerkennung selten, steigt der Krankenstand der Belegschaft signifikant. „Wenn ein schlechter Vorgesetzter von einem Betrieb zum anderen wechselt, dann nimmt er den hohen Krankenstand oft mit: Im alten Betrieb geht er bald zurück, im neuen steigt er zeitgleich an“, weiß BKK-Vorstandschef Franz Knieps.

Prekäre Arbeit schlägt auf den Magen Besonders deutlich wird der Einfluss, den die Qualität der Arbeit auf die Gesundheit der Beschäftigten hat, am Beispiel „atypischer Beschäftigungsverhältnisse“: Leiharbeitnehmer wiesen 2015 mit 17 AU-Tagen pro Jahr deutlich längere Fehlzeiten auf als der Durchschnitt mit 15,4 AU-Tagen. Auch Befristungen und sogar Teilzeitarbeit wirken sich leicht negativ auf den Krankenstand aus.

Krank ohne Arbeit Selbst ein unbefriedigender, fremdbestimmter, schlecht bezahlter Job ist aus medizinischer Sicht allerdings besser als keiner: Die mit Anstand größten Gesundheitsrisiken tragen (Langzeit-)Arbeitslose: Gegenüber durchschnittlichen Beschäftigten begeben sie sich sieben Mal so häufig wegen psychischer Störungen ins Krankenhaus, die Zahl der stationären Behandlungen insgesamt ist dreieinhalbfach so hoch. Auch Kreislauf- und Krebsleiden treten häufiger auf als bei Menschen mit Arbeit. BKK-Report-Autor Holger Pfaff resümiert: „Gegenüber Arbeitslosigkeit macht Arbeit erst einmal gesünder. Aber bestimmte Arbeitsformen machen auch krank.

Gesund mit Rendite Betriebliches Gesundheitsmanagement, Beteiligung der Beschäftigten an der Arbeitsgestaltung, mehr Anerkennung und verminderter Leistungsdruck durch effektivere Abläufe oder Neueinstellungen können den Krankenstand laut Knieps und Pfaff deutlich senken. Das gilt auch für „Problemtätigkeiten“: Die Diakonie in Bethel und die Berliner Stadtreinigung vermochten es, mit umfassenden und anhaltenden Gesundheitsförderungsaktivitäten die einst hohen Fehlzeiten stark abzusenken. Jeder in das Gesundheitsmanagement investierte Euro zahle sich für das Unternehmen mit 2,70 Euro aus, so der BBK-Report. Eine hübsche Rendite, findet Knieps: „Wäre das ein Modell eines Finanzdienstleisters, würden dessen Aktien sicher ziemlich nach oben schießen.“

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