Spätestens 2038 ist hierzulande Schicht im Schacht.
+
Spätestens 2038 ist hierzulande Schicht im Schacht.

Kohleausstieg

Weg frei für Kohleausstieg

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
    schließen

Unternehmen erhalten mehr Geld fürs Abschalten von Kohle-Kraftwerken.

Nach langen Verhandlungen hat sich die schwarz-rote Koalition auf die Bedingungen für den Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Stein- und Braunkohle geeinigt. Wir erläutern, wofür die Regierung viele Milliarden Euro ausgeben will.

Wann wird der Kohleausstieg endgültig festgeklopft?

Das Gesetzespaket steht für Freitag auf der Tagesordnung des Bundestages. Laut Wirtschaftsministerium wurde in der Nacht zum Dienstag eine sogenannte Formulierungshilfe beschlossen. Es gilt deshalb als sicher, dass die Koalitionsfraktionen dann endgültig zustimmen. Die Umsetzung soll schon im September dieses Jahres beginnen. Deutschland wäre damit das erste große Industrieland, das sowohl ein Ende der Atomkraft als auch ein Abschalten der Kohlekraftwerke zum Zwecke des Klimaschutzes verbindlich beschlossen hat.

Wann wird die letzte Kilowattstunde Kohlestrom ins deutsche Netz eingespeist?

Das soll spätestens im Jahr 2038 der Fall sein. Die letzten Kilowattstunden werden aus großen Braunkohlekraftwerken am Niederrhein und in der Lausitz kommen. Womöglich wird der Zeitpunkt von den Betreibern aber auch freiwillig vorgezogen. Das hängt stark von der CO2-Bepreisung ab. Denn bereits in den vergangenen Monaten lag der Preis für die Kohlendioxid-Emissionen, den die Kraftwerke zahlen müssen, auf dem Niveau des Strompreises an den Rohstoffbörsen – die Betreiber haben daran also nichts verdient. Viele Braunkohlekraftwerke wurden zeitweise heruntergefahren.

Wie wird der Ausstieg gestaffelt?

Die Stilllegungen werden sukzessive vorgenommen. Bei der Braunkohle gilt: Je älter das Kraftwerk, umso früher wird stillgelegt. Dafür gibt es fixe Entschädigungen. Für die Steinkohle wird ein Versteigerungsmechanismus eingeführt: Wer die günstigsten Entschädigungen anbietet, kommt zum Zug. Dabei wurden Höchstwerte pro Megawatt Leistung festgelegt. Die Zahlungen vom Staat sollen sinken, je später das Kraftwerk vom Netz geht.

Was war an dem Mechanismus umstritten?

Dass die Braunkohle, die besonders viel CO2 ausstößt, länger Strom erzeugen darf als die etwas umweltfreundlichere Steinkohle – daran wird aber nicht mehr gerüttelt. Massive Kritik gab es zudem von den Betreibern der Steinkohlekraftwerke. Darunter sind auch viele Stadtwerke. Hauptpunkt: Die Stilllegungen mittels Versteigerungen sollten nur bis 2026 laufen, um danach ohne Entschädigung abschalten zu können. Nun ist erstens eine zusätzliche Versteigerung eingeführt worden – die Kraftwerke müssen erst im Jahr 2027 vom Netz – und die Höchstwerte für die Gebote wurden deutlich nach oben gesetzt.

Welche Rolle spielt die Kraft-Wärme-Kopplung bei dem Kompromiss?

Eine ganz wichtige. In vielen Ballungsgebieten wird die Wärme, die beim Verbrennen der Kohle entsteht, gewissermaßen als Abfallprodukt genutzt – um Wohnungen zu heizen und Industrieanlagen mit Wärme zu versorgen. Wegen dieser Funktion sollen die Anlagen weiterlaufen. Allerdings müssen sie auf den Betrieb mit Erdgas umgestellt werden. Dafür sind staatliche Zuschüsse geplant. Doch aus Sicht vieler Betreiber – vor allem Stadtwerke – waren die dafür ursprünglich vorgesehenen Summen zu niedrig angesetzt. Sie werden jetzt spürbar auf 390 Euro pro Kilowatt Leistung erhöht. Der Verband der kommunalen Unternehmen hat diese Änderung ausdrücklich begrüßt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare