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Wie Geflüchtete Unternehmen helfen

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Von: Steffen Herrmann

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Unternehmen profitieren, wenn sie Geflüchtete einstellen. Und zwar auf drei Ebenen, wie eine neue Studie zeigt.

Die geflüchtete Afghanin Mastura Ekhlas im VW-Logistikzentrum in Baunatal. Auch VW ist Mitglied von Tent.
Die geflüchtete Afghanin Mastura Ekhlas arbeitet im VW-Logistikzentrum in Baunatal. Auch VW ist Mitglied der Nonprofit-Organisation Tent. © © UNHCR/Gordon Welters

Die Gleichung scheint einfach: Auf der einen Seite fehlen Arbeitskräfte. Im vergangenen Jahr blieben zum Beispiel rund 40 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt. Andererseits haben von 2015 bis Ende 2020 rund 1,9 Millionen Menschen einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Von den erwerbsfähigen Geflüchteten hatten bis Ende 2021 rund 36 bis 40 Prozent eine sozialversicherungspflichtige Arbeit.

Ein großer Mangel hier, viel „ungenutztes Potenzial“ dort, wie es Alexander Kritikos mit Blick auf die Zahlen formuliert. Der Ökonom vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin stellte am Dienstag eine Studie zur Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt vor. Das Ergebnis: Unternehmen profitieren, wenn sie Geflüchtete einstellen. Und zwar auf drei Ebenen: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind insgesamt zufriedener“, sagt Kritikos. Außerdem sei die Belegschaft dieser Unternehmen kreativer und produktiver. Und drittens steigt die Attraktivität der Unternehmen. „Sie erhalten mehr Bewerbungen von anderen Geflüchteten. Die Unternehmen erschließen also einen neuen Rekrutierungskanal“, fasst der DIW-Forscher zusammen.

Für die Studie hat Kritikos mit seinem Team im Auftrag der Nonprofitorganisation Tent 100 mittlere und große Unternehmen befragt, die zwischen 2015 und 2021 Geflüchtete eingestellt hatten. Dabei sei es nicht vordergründig um Zahlen gegangen, sagt Kritikos, „sondern darum, zu verstehen, wie die Integration abgelaufen ist“.

Arbeitsmarkt: Integration von Geflüchteten birgt Chancen

Und die lief nicht immer reibungslos ab. Probleme gab es schon bei der Rekrutierung: Wer passt ins Team? Wie steht es um die Qualifikationen – und vor allem um die Sprache? Doch für die Unternehmen lohne es sich, diese Hürden zu überwinden, so das Ergebnis der Studie. 64 Prozent der Unternehmen gaben an, positive Erfahrungen gemacht zu haben, 88 Prozent wollen in diesem Jahr weitere Geflüchtete einstellen.

Die Studie könnte auch für die Integration von Geflüchteten aus der Ukraine hilfreich sein, ist Kritikos überzeugt. Mit Blick auf das Erlernen der Sprache sei die Herausforderung für alle Geflüchteten gleich. „Es wäre gut, wenn Deutschland besser vorbereitet ist als 2015“, so der Forscher. Er sehe allerdings „noch viel Luft nach oben“.

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