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Geflüchtete Frauen haben es besonders schwer, einen Job zu finden. Reyhane Heidari hatte Glück und arbeitet heute als Näherin.

Flüchtlinge

Der Trend geht zur Leiharbeit

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Immer mehr Geflüchtete arbeiten, aber Bürokratie und fehlende Qualifikation stehen häufig im Weg.

Die Beschäftigungsquote steigt, die Arbeitslosenquote sinkt: Auf den ersten Blick lassen die Zahlen zur Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen Gutes vermuten. Für den Herbst 2019 erfasst der Zuwanderungsmonitor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine Beschäftigungsquote von 36,6 Prozent unter Personen aus Asylherkunftsländern. Im Vergleich zum Vorjahr stieg sie um knapp fünf Prozentpunkte. Parallel dazu sank die Arbeitslosenquote seit dem Hoch nach der Fluchtmigration von 2015 stetig und lag im Oktober 2019 bei 32,5 Prozent. Laut IAB stellt dies eine positive Entwicklung dar.

Dennoch gibt es weiterhin Probleme bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Allein der Erhalt der Arbeitserlaubnis ist eine Hürde. Nur Personen, die einen positiven Asylbescheid haben, als Flüchtling anerkannt sind oder unter subsidiärem Schutz stehen, dürfen uneingeschränkt einer Tätigkeit nachgehen oder sich selbstständig machen. Laut einer Mitteilung der Bundesregierung betraf das Mitte 2019 rund 961 000 Menschen – wie viele von ihnen tatsächlich im erwerbsfähigen Alter waren und wie weit ihr Aufenthaltsrecht befristet war, geht aus dieser Zahl nicht hervor.

Personen, die eine Aufenthaltsgestattung oder Duldung erhalten, dürfen lediglich nach Genehmigung durch die Ausländerbehörde und das Arbeitsamt arbeiten. Von den Mitte 2019 etwa 572 000 Personen in dieser Gruppe traf das auf knapp 79 000 Personen zu.

Die meisten derjenigen mit Arbeitserlaubnis sind in der Leiharbeitsbranche untergekommen. Im Jahr 2018 war es laut einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung rund ein Drittel. Auch im einfachen Dienstleistungsgewerbe und dem Gastgewerbe haben viele Arbeit gefunden. Doch laut Berlin-Institut seien diese Stellen nicht nachhaltig und gingen oft nicht über Helfertätigkeiten hinaus.

Aktuellere Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verstärken diese These, denn von den im Juni 2019 rund 284 000 erfassten Beschäftigten arbeiteten mehr als die Hälfte auf Helferniveau. Weiter waren knapp 110 000 als Fachkräfte und Spezialisten beschäftigt, rund 21 000 als Experten.

Das eigene Fachniveau zum Beispiel über eine Ausbildung aufzubauen, ist für viele Geflüchtete aufgrund der Anforderungen der Berufsschulen nicht einfach. In den Jahren, in denen sie Sprache und Grundlagen lernen, verdienen sie folglich nur einen geringen Lohn. Daher ziehen laut der Studie des Berlin-Instituts viele die Leiharbeit der beruflichen Ausbildung vor.

Besonders schlecht sehen die Beschäftigungszahlen bei geflüchteten Frauen aus. Die Erhebungen der Bundesagentur zeigen, dass im Juni 2019 Männer rund 87 Prozent der Erwerbstätigen aus Asylherkunftsländern ausmachten, während es bei den Frauen nur rund 13 Prozent waren. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung von 2017 betrifft dies insbesondere Mütter mit Kleinkindern, während Väter mit Kindern im gleichen Alter mehr arbeiten. Die Unterschiede seien allerdings nicht nur auf die Familienkonstellation zurückzuführen.

Denn die Studie zeigt darüber hinaus noch weitere Probleme auf. Traumatische Fluchterlebnisse sowie mangelhafte medizinische Versorgung auf dem Weg führen zu höheren Risiken für die körperliche und psychische Gesundheit geflüchteter Personen. Davon seien insbesondere Frauen, bei steigendem Alter aber auch Männer betroffen. Frauen mit Fluchterfahrung hätten zudem ein hohes Risiko von posttraumatischen Belastungsstörungen und zeigten häufiger Symptome einer Depression. Diese Zustände können sich auch auf die Erwerbsfähigkeit auswirken.

Es ist eine Mischung aus persönlichen, rechtlichen und institutionellen Barrieren, die es für geflüchtete Menschen besonders schwer macht, im hiesigen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Noch dazu erschweren selbst Maßnahmen, die Integration erleichtern sollen, den Zugang. So zeigte zuletzt etwa eine weitere Studie des IAB, dass die Wohnsitzregelung des Integrationsgesetzes von 2016 die Arbeitsmarktchancen von Geflüchteten sogar reduziert.

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