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Angesichts der Corona-Pandemie versuchen die Firmen, mit staatlicher Unterstützung und Kurzarbeit durch die Phase des wirtschaftlichen Stillstands zu kommen.

FRAX

Rekordjahr für den Arbeitsmarkt

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Das Trendbarometer FRAX zeigt die robuste Verfassung vor Beginn der Corona-Krise.

Nach Wochen der Corona-Krise und einem heftigen Wirtschaftseinbruch klingt die Nachricht wie aus einer lang vergangenen Zeit: 2019 war das beste Arbeitsmarktjahr seit mindestens 13 Jahren. Das zeigen die neuen Ergebnisse des FR-Arbeitsmarktindex (FRAX), der vom Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor berechnet wird. Dem Barometer liegen 18 Indikatoren vom Stellenangebot über die Reallohnentwicklung bis zu den Ausbildungsverträgen zugrunde.

Im vergangenen Jahr erreichte der FRAX durchschnittlich 109 Punkte und damit ein Rekordhoch seit Beginn der Berechnungen 2007. Im Vergleich zum bereits hohen Niveau des Vorjahres fiel das Plus mit 0,7 Punkten allerdings nur noch schwach aus. Der jahrelange starke Aufschwung ist damit noch vor Beginn der Corona-Krise fast zum Stillstand gekommen. Im Schlussquartal 2019 notierte das Arbeitsmarktbarometer auf demselben Niveau wie zwölf Monate zuvor.

Die deutsche Konjunktur lief 2019 erheblich weniger dynamisch als zuvor. Der längste Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegsgeschichte ging erkennbar zu Ende. Seit 2009 war das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um ein Drittel gewachsen. Die Firmen hatten kräftig Personal eingestellt und auch Löhne und Arbeitsbedingungen verbesserten sich. Die flaue Weltwirtschaft und Auftragsrückgänge für die Industrie bereiteten der hiesigen Wirtschaft aber zunehmend Probleme.

„Rückblickend wirkt die Situation wie die Ruhe vor dem Sturm“, kommentierte Wifor-Geschäftsführer Professor Dennis A. Ostwald die Entwicklung des Arbeitsmarktes. „Zwar waren 2019 mehrheitlich positive Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt festzustellen, aber in Summe ließ die Dynamik deutlich nach.“

Zu den positiven Entwicklungen zählt der weitere Beschäftigungsaufbau. Die Zahl der Erwerbstätigen lag im Jahresdurchschnitt bei 45,25 Millionen und damit um fast 400 000 höher als im Vorjahr. Außerdem sank die Zahl der Arbeitslosen um 3,1 Prozent. Die geringfügige Beschäftigung ging zurück während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg. Und auch das Arbeitsvolumen legte zu.

Im Bereich der Löhne sticht hervor, dass es deutlich weniger Beschäftigte gab, die ihren Lohn mit Sozialhilfe aufstocken mussten. Die Zahl fiel um 7,3 Prozent auf 1,02 Millionen. Auch die Reallöhne und der Anteil der Arbeitnehmer am Volkseinkommen (das sie sich mit den Unternehmen und Kapitalbesitzern teilen) entwickelten sich positiv.

Arbeitszufriedenheit sinkt

Nur schwache positive Impulse gab es hingegen im Bereich der Ausbildung. Die Betriebe übernahmen weniger ihrer fertig ausgebildeten Azubis und die Zahl der neuen Ausbildungsverträge stieg nur leicht. Im Bereich der Arbeitsbedingungen nahmen die krankheitsbedingten Fehlzeiten weiter zu und die Beschäftigten äußerten sich deutlich unzufriedener mit den Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz, dazu gehören zum Beispiel die Beziehungen zu Teamkollegen und Vorgesetzten, die Verfügbarkeit von Arbeitsmitteln oder Karriere- und Fortbildungsmöglichkeiten.

Wie es nun angesichts der Corona-Pandemie am Arbeitsmarkt weitergehen wird, ist noch unklar. Die Firmen versuchen derzeit mit staatlicher Unterstützung und mit Kurzarbeit durch die Phase des wirtschaftlichen Stillstandes zu kommen und ihre Beschäftigten möglichst zu halten. Vom Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden, die die Pandemie verursacht, wird letztlich abhängen, wie viele Arbeitsplätze wegfallen werden.

„Die ersten Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Arbeitsmarkt werden frühestens in den Zahlen für das erste Quartal 2020 sichtbar werden“, so Wifor-Chef Ostwald.

Zur Sache: Das Barometer

Der FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) ist eine Entwicklung der Frankfurter Rundschau und des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifor. Er wurde in enger Abstimmung zwischen Journalisten und Wissenschaftlern erarbeitet. Grundgedanke des FRAX ist, dass die Arbeitslosen- und Erwerbstätigenzahlen alleine keine fundierte Bewertung des deutschen Arbeitsmarktes ermöglichen. Es kommt ebenfalls auf die Qualität der Arbeit an oder darauf, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können. Der FRAX analysiert deshalb den deutschen Arbeitsmarkt in fünf Kategorien und anhand von 18 unterschiedlichen Indikatoren. FR

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