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Paketbranche: Schluss mit Subunternehmen?

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Von: Steffen Herrmann

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Ein Lagerarbeiter beim Versandhändler Amazon.
Ein Lagerarbeiter beim Versandhändler Amazon. © dpa/(Symbolbild)

Die Gewerkschaft Verdi will die Arbeitsbedingungen in Paketbranche verbessern. Subunternehmen sollen verboten werden.

Der Gewerkschaft Verdi sind sie schon lange ein Dorn im Auge: Subunternehmer in der Paketbranche. Aus Sicht der Gewerkschaft sind sie für viele Missstände mitverantwortlich: niedrige, oft ausbleibende Löhne, lange Arbeitszeiten, große körperliche Belastungen und Tricksereien bei Arbeitsverträgen und Sozialversicherungsbeiträgen.

Damit soll Schluss sein. Verdi fordert ein Verbot des Einsatzes von Subunternehmen in der Kurier-, Express-, Paket-Branche (KEP). „In der KEP-Branche haben Ausbeutung und prekäre Beschäftigung mittlerweile ein unerträgliches Maß angenommen. Es ist nicht hinnehmbar, wenn die tägliche Paketzustellung in unserem Land teilweise mit ausbeuterischen und gesetzwidrigen Arbeitsbedingungen sichergestellt wird“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis am Dienstag in Berlin. Das Verbot soll Teil eines Gesetzes sein, dass die Situation der Beschäftigten in der Paketbranche verbessert. So soll das Gewicht von Paketen auf 20 Kilo begrenzt werden. Außerdem soll es eine Kennzeichnungspflicht geben, damit die Beschäftigten wissen, wie schwer das Päckchen ist, das sie heben und tragen müssen.

Subunternehmen spielen in Paketbranche wichtige Rolle

Wichtigstes Element des Gesetzes soll aber das Verbot von Subunternehmen sein. Vorbild ist die Fleischindustrie. Nach Skandalen um schlechte Arbeitsbedingungen zu Beginn der Corona-Pandemie sind Werkverträge, über die die Subunternehmen organisiert werden, seit Januar 2021 in den Schlachthöfen verboten.

Bislang setzen auch die meisten KEP-Unternehmen auf Subunternehmer. Der Grund: Auf der letzten Meile entstehen knapp 50 Prozent der gesamten Transportkosten. Für Hermes, DPD, Amazon oder GLS rechnet es sich, diese Kosten über eine Auslagerung an Subunternehmer zu reduzieren.

Verdi beobachtet viele Probleme in Paketbranche

Rund die Hälfte der deutschlandweit 90 000 Zusteller:innen sind bei Subunternehmen angestellt. Dort sind die Arbeitsbedingungen oft besonders schlecht. Verdi und das Beratungsnetzwerk „Faire Mobilität“ berichten regelmäßig über Fälle von Lohn- und Sozialdumping. Besonders betroffen seien migrantische Beschäftigte, die kein Deutsch sprechen und ihre Rechte nicht kennen.

Dabei geht es der Branche gut: Im Jahr 2021 wurden laut Effigy Consulting rund 4,15 Milliarden Sendungen ausgeliefert. Der Umsatz lag bei rund 26,9 Milliarden Euro.

Verdi will nun im politischen Berlin für das Gesetz werben. „Das Verbot muss in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden“, sagte Kocsis. Zumindest die SPD und die Grünen hätten Offenheit signalisiert.

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