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Tina Burkhardt, Gründerin der Shiftschool in Nürnberg.

Interview

„Die Neugierde am Wandel ist da“

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Digitalisierungs- und Bildungsexpertin Tina Burkhardt über digitale Fortbildung.

Tina Burkhardt hat die Shiftschool in Nürnberg gegründet, die Menschen fit für die Digitalisierung macht. 

Frau Burkhardt, wenn es um die Digitalisierung geht, bekommen die Menschen vor allem eines zu hören: Wer nicht abgehängt werden will, muss sich fortbilden. Wie soll man das anpacken?
Ich muss gleich sagen: Eine einfache Lösung gibt es für niemanden. Es führt nichts daran vorbei, dass sich die Menschen auch selbst damit beschäftigen, was Digitalisierung bedeutet und was sich dadurch für ihre Firma und ihren Arbeitsplatz ändert. Also: Welchen Einfluss haben zum Beispiel 3D-Druck, Roboter oder künstliche Intelligenz? Wie verändern sie Produktions- oder Verwaltungsprozesse? Ermöglichen sie neue Produkte? Welche Tätigkeiten machen sie künftig überflüssig? Wo entstehen neue Wettbewerber mit digitalen Geschäftsmodellen?

Gehen wir davon aus, dass der Mitarbeiter weiß, dass ein Computer bald Teile seiner Arbeit machen wird. Was tut er dann?
Er sollte sich Gedanken machen, welche dieser Tätigkeiten ein Computer nicht erledigen kann und was er benötigt an neuen Fähigkeiten und Kenntnissen, um sein Profil für diese Tätigkeiten weiterzuentwickeln. Man sollte viel mit anderen Menschen im und außerhalb des Unternehmens sprechen und versuchen rauszufinden, wohin die Reise geht. Und dann braucht es auch eigene Transferleistung.

Ein konkretes Beispiel?
Wenn ich bei Playmobil arbeite, was bedeuten dann Entwicklungen wie 3D-Drucker für die Firma? Wahrscheinlich, dass sich die Menschen ihre Playmobil-Figuren künftig zu Hause selbst ausdrucken können. Wenn ich an der Herstellung oder dem Vertrieb dieser Figuren beteiligt bin, muss ich also darüber nachdenken, wohin ich mich künftig beruflich weiterentwickle.

Und das wäre?
Es könnte zum Beispiel sein, dass die Menschen ihre Figuren individuell gestalten wollen. Dann könnte man überlegen, ob man sich in Richtung Programmierung der dafür notwendigen Software entwickelt. Ich halte es für sehr wichtig, dass die Menschen sich in dieser Phase des Umbruchs klar darüber werden, welche Arbeit sie in Zukunft gerne machen würden. Denn man sollte die berufliche Weiterentwicklung positiv angehen. Laut Studien werden wir bis zu zwölf Mal in unserem Berufsleben den Job wechseln.

Wo erhält man grundlegende Informationen, die man über die Digitalisierung haben sollte?
Im Internet, bei Veranstaltungen und durch Lesen von Zeitschriften und Büchern zu dem Thema. Christoph Keese zum Beispiel hat sehr gute Bücher geschrieben. Da bekommt man einen guten Eindruck davon, wie die Welt in fünf bis zehn Jahren aussehen wird, auch wenn man es natürlich nicht genau vorhersagen kann. Und ich sage: Lesen Sie die Bücher vollständig, nicht die Abstracts davon. Man muss sich tiefer mit den Themen auseinandersetzen, um Zusammenhänge zu erkennen.

Welche Verantwortung kommt denn den Unternehmen zu?
Die sollten sich darum kümmern, dass sie die Mitarbeiter mitnehmen und gezielt weiterentwickeln. Aber: Die Firmen wissen häufig gar nicht genau, was ihre Beschäftigten für Fähigkeiten und Interessen haben. Sie wissen also auch nicht so gut, welche Fortbildungsmaßnahmen wirklich sinnvoll sind und entwickeln Jobprofile anstatt die Menschen.

Und was passiert mit den Menschen, die sich nicht vorstellen können, wie 3D-Drucker oder künstliche Intelligenz ihren Arbeitsplatz verändern werden? Oder die den Wandel nicht mitgehen können oder wollen?
Ich habe da kein Patentrezept. Es geht sicherlich darum, dass man die Menschen möglichst gut über anstehende Veränderungen aufklärt und ihnen Angebote zur Fortbildung macht. Man kann aber niemanden zwingen, sich fortzubilden. In den Firmen selbst beginnt man den Veränderungsprozess am besten mit denjenigen, die sich verändern möchten. Sie können ein positives Beispiel für Kollegen sein – und Interesse an Veränderung bei anderen entfachen.

Was lernen die Leute, die an die Shiftschool kommen?
Wir bilden Menschen in 18 Monaten berufsbegleitend zu Digital Transformation Managern aus. Sie befassen sich mit Themen wie Geschäftsmodellen, die sich ändern, und Technologie. Aber vor allem mit der Bedeutung des Wandels für den Menschen, welche Methoden und Fähigkeiten ich brauche. Das ist intensive Arbeit und erfordert viel Reflektion. Wenn unsere Teilnehmer in ihre Firmen zurückgehen, können sie ihr Wissen sowie die erlernten Methoden anwenden – und werden Botschafter für den Wandel. Häufig werden sie von Kollegen gelöchert, was sie am Wochenende wieder gelernt haben bei uns. Die Neugierde am Wandel ist bei vielen also da.

Interview: Daniel Baumann

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