1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Frax

Neue Normalität

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Steffen Herrmann

Kommentare

Zu Hause arbeitet man auch mal im Joggingzeug.
Zu Hause arbeitet man auch mal im Joggingzeug. Imago Images © Imago

Knapp drei Jahre nach Beginn der Pandemie arbeiten viele Beschäftigte weiterhin mobil.

Die wichtigsten deutschen Unternehmen setzen auch bald drei Jahre nach Beginn der Pandemie auf das Mobile Arbeiten. Das zeigt eine Umfrage der Frankfurter Rundschau unter den 40 Dax-Unternehmen. „Viele Tätigkeiten lassen sich in gleich guter Qualität mobil durchführen“, teilt zum Beispiel der Leverkusener Werkstoffhersteller Covestro mit, dessen Beschäftigte auch künftig bis zu 80 Prozent im Monat mobil arbeiten dürfen, wenn es ihre Tätigkeit erlaubt.

Die Umfrage zeigt: Die meisten Unternehmen haben sich mit dem Homeoffice arrangiert; bei einigen wurde es auch schon vor der Pandemie praktiziert. Porsche arbeitet bereits seit 2014 mobil. Auch künftig setzt der Autobauer auf ein hybrides Modell, denn die Erfahrungen in der Pandemie waren positiv: „Es hat sich gezeigt, dass sich die mobile Arbeit und die Bürowelt sehr gut ergänzen“, sagt eine Sprecherin.

Der Ruf zurück ins Büro, den einige Fachleute erwartet hatten, bleibt aus. Das ist auch nicht nötig, wie die FR-Umfrage zeigt, denn viele Dax-Konzerne berichten, dass die Beschäftigten freiwillig wieder häufiger ins Büro kommen. Zum Beispiel bei Fresenius und Fresenius Medical Care in Bad Homburg: „Wir merken, dass die Anwesenheitsquote wieder steigt“, berichtet eine Sprecherin dort.

Wie oft man mobil arbeiten darf, variiert. Mehrheitlich setzen die Dax-Konzerne auf eine Mischung von 40 Prozent mobilem Arbeiten und 60 Prozent Arbeit im Büro. Details überlassen die Konzernzentralen in der Regel den einzelnen Teams.

Das deckt sich mit den Erkenntnissen von Hannes Zacher: „Bei ein bis zwei Homeoffice-Tagen pro Woche ist die Zufriedenheit der Beschäftigten am größten“, sagt der Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Uni Leipzig.

Knapp drei Jahre lang hat Zacher Menschen zu ihren Erfahrungen im Homeoffice befragt. Seine wichtigste Erkenntnis: „Das Homeoffice muss gut gemanagt werden.“ Dabei nimmt der Arbeitspsychologe alle Parteien in die Pflicht: „Die Beschäftigten müssen ihren Vorgesetzten zeigen, dass sie gut von zu Hause aus arbeiten und ihre Ziele erreichen - ohne dass sie ständig kontrolliert werden.“ Außerdem müsse das Team sich gut absprechen. Er rät zu Präsenztagen im Büro, an denen sich alle Teammitglieder treffen. Von den Führungskräften erwartet er Vertrauen zu den Mitarbeiter:innen und eine klare Kommunikation. „Sie sollten Vorbild sein“, findet Zacher, „und auch mal selbst im Homeoffice arbeiten“. Aber auch die Unternehmen insgesamt seien gefordert: „Erst wenn es eine Kultur gibt, in der Homeoffice selbstverständlich ist, sind wir im hybriden Zeitalter angekommen.“

„Bremsklotz weggefallen“

Bei den befragten Dax-Unternehmen waren es häufig Betriebsräte, die das Mobile Arbeiten gemeinsam mit den Unternehmensführungen in Betriebsvereinbarungen geregelt haben. „Das Management hat seine Vorbehalte gegenüber Homeoffice-Arbeit weitgehend aufgegeben“, sagt Professor Carsten Wirth von der Hochschule Darmstadt. „Damit ist der größte Bremsklotz weggefallen.“

Für eine Studie der Stiftung „Arbeit für alle - aber nur mit Tarifvertrag“ hat Wirth Betriebsräte zu ihren Erfahrungen befragt. „Die Mischung macht’s“, sagt der Arbeitswissenschaftler nun. 100 Prozent Homeoffice in der Pandemie seien zu viel gewesen; 40 bis 80 Prozent seien sinnvoll. Für Betriebsräte, aber auch alle anderen Beschäftigten, sei es besonders dann wichtig, präsent zu sein, wenn es um Konflikte gehe. „Mimik und Gestik spielen in Verhandlungsprozessen einfach eine große Rolle.“

Auch interessant

Kommentare