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Nachfolge in Unternehmen: Wenn die Chefin geht

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Von: Steffen Herrmann

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Aldi Süd und Aldi Nord gehören zu den größten Familienunternehmen in Deutschland.
Aldi Süd und Aldi Nord gehören zu den größten Familienunternehmen in Deutschland. © Roland Weihrauch/dpa

Tausende Unternehmen suchen eine Nachfolge. Vor allem für Familienunternehmen ist das keine einfache Aufgabe.

Für Unternehmen ist es eine große Herausforderung: Wer übernimmt den Laden, wenn die Patriarchin oder der Patriarch kürzertritt? In rund 190 000 Unternehmen in Deutschland muss nach einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn in den nächsten fünf Jahren die Nachfolgefrage geklärt werden, weil die Eigentümer:innen aufgrund von Alter oder Krankheit aus der Geschäftsführung ausscheiden oder sterben. In Familienunternehmen fällt der erste Blick dann oft auf die Kinder: Hat die Tochter, hat der Sohn das Zeug dazu, das Unternehmen zu führen? Will er oder sie überhaupt?

Rainer Kirchdörfer ist Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Er kennt sich aus beim Thema Nachfolge. „Wenn wir von Unternehmensnachfolge sprechen, dann sprechen wir eigentlich von zwei völlig verschiedenen Dingen“, sagt Kirchdörfer. Das sei einerseits die Nachfolge ins Vermögen, also die Übernahme der Unternehmensanteile. Andererseits gehe es um die Nachfolge in die operative Macht, wenn also zum Beispiel die Tochter Geschäftsführerin werden soll.

Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.
Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. © www.marco-urban.de

Familienkontrolliert oder eigentümergeführt

Die meisten deutschen Unternehmen sind familienkontrolliert oder eigentümergeführt. Zu den größten Familienunternehmen gehören die Volkswagen AG, die Schwarz-Gruppe sowie die Unternehmensgruppen Aldi Süd und Aldi Nord. Sie bilden aber die Ausnahme, denn: Bei mehr als 90 Prozent der Familienunternehmen liegt der jährliche Umsatz unter einer Million Euro laut der Stiftung Familienunternehmen.

„Kleinere Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern oder bis zu zehn Millionen Euro Umsatz haben ein ganz grundsätzliches Problem“, sagt Kirchdörfer. Nämlich: „Sie brauchen in der Regel einen operativen Nachfolger aus der Familie.“ Denn ein Fremdmanagement, also die Geschäftsführung durch Menschen, die nicht der Familie angehören, sei bei kleinen Unternehmen praktisch unmöglich. „Ein Handwerksbetrieb mit zehn Mitarbeitern kann sich das einfach nicht leisten.“

Suche nach Nachfolger in vielen Unternehmen

Familienexterne Übergaben machten weniger als 30 Prozent aller Nachfolgeregelungen aus, sagte Nadine Schlömer-Laufen vom IfM der Nachrichtenagentur dpa. Insgesamt erwarten Fachleute, dass wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen eine Nachfolgelösung finden werden.

Familienunternehmen in Deutschland.
Die größten deutschen Unternehmen in der Hand von Familien. © FR/DWD/Statista

Laut einer Umfrage der Stiftung Familienunternehmen aus dem Jahr 2020 sehen sich 71 Prozent des Nachwuchses bis zum 40. Geburtstag als Geschäftsführer:in des Familienunternehmens. Das klassische Modell – alleinige Verantwortung in der Geschäftsführung – verliert dabei aber an Bedeutung: Knapp 61 Prozent der Befragten gaben an, dass wahrscheinlich ein gemischtes Team aus Familienmitgliedern und Externen die Geschäftsführung übernimmt.

Nachfolge sollte gut geplant werden

Kirchdörfer rät, die Nachfolge genau zu planen: „Wichtig ist, dass man ein gemeinsames Ziel von der Übernahme und Übergabe hat.“ Man habe also idealerweise einen schriftlichen Übergabeplan für die Seniorenseite und einen Übernahmeplan für die Nachfolger:innen. „Das gilt für die Schreinereien mit fünf Mitarbeitern ebenso wie für das Unternehmen mit 200.“

Außerdem sollten die Beteiligten verschiedene Nachfolgeszenarien vorbereitet haben, sagt Kirchdörfer: einen Notfallplan, „wenn der Unternehmer morgen gegen den Baum fährt“; einen auf fünf bis zehn Jahre angelegten „normal case“; und einen langfristigen Plan für den Fall, dass sich die Tochter oder der Sohn doch anders entscheidet.

Das Wittener Institut für Familienunternehmen (Wifu) hat zehn „goldene Tipps“ zur Nachfolge formuliert. Unter anderem rät das Institut dazu, das Wohl von Familie und Unternehmen getrennt zu betrachten. Das sieht auch Rainer Kirchdörfer so: „Man muss im Übergabeprozess beide Teile mitnehmen, sowohl die Familie als auch das Unternehmen. Das ist ganz wichtig.“

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