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Mentoring für Geflüchtete: „Es ist Hilfe zur Selbsthilfe“

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Von: Steffen Herrmann

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Viel los auf der Jobmesse für ukrainische Geflüchtete, die das IHK Berlin und die Agentur für Arbeit in der Hauptstadt ausrichten: Mehr als 50 Unternehmen sind mit Infoständen und Jobangeboten vor Ort.
Eine Jobmesse für Geflüchtete in Berlin. Menschen, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer, oder intersexuell identifizieren, haben auf dem Arbeitsmarkt oft große Probleme. © Christoph Soeder/dpa

Ein Mentoring-Programm soll queere Geflüchtete fit für den deutschen Arbeitsmarkt machen.

Linkedin-Profil, Bewerbungstraining und Jobinterview: Ein Mentoring-Programm soll LGBTIQ-Geflüchtete auf die deutsche Arbeitswelt vorbereiten. Also Geflüchtete, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer, oder intersexuell identifizieren. „Menschen mit einer anderen Herkunft haben am deutschen Arbeitsmarkt deutlich geringere Chancen. Wenn sie dann auch LGBTIQ sind, dann braucht es einfach eine ganz spezielle Förderung“, sagt Albert Kehrer, Vorstand der Organisation Prout At Work, im Gespräch mit der FR. Seine Organisation präsentierte das Mentoring-Programm am Dienstag gemeinsam mit dem Netzwerk Tent, zu dem rund 250 Großunternehmen gehören, und dem deutschen Lesben- und Schwulenverband (LSVD).

Mit der Initiative wollen die drei Organisationen „eine Lücke schließen“, wie Tent-Deutschlandchef Andreas Wolter im Gespräch sagte. Denn es gebe zwar viele Organisationen, die queere Geflüchtete zum Beispiel im Asylprozess oder bei der Unterbringung betreuten. Für eine Orientierung in der Arbeitswelt fehlten aber oft Knowhow und Mittel.

Bislang haben sich 14 Unternehmen der Initiative angeschlossen, darunter Adidas und die Deutsche Bank. Sie verpflichten sich, in den kommenden drei Jahren jeweils mindestens 50 LGBTIQ-Geflüchtete zu betreuen. Dazu stellen die Unternehmen Mentor:innen, die von Tent an Geflüchtete vermittelt werden. „Die Mentoren helfen dann ganz konkret beim Schreiben der Bewerbung und der Lebensläufe oder bereiten die Jobinterviews vor“, sagt Wolter. Gleichermaßen wichtig: Landestypischer Smalltalk und Infos über kulturelle Gepflogenheiten.

Ein Arbeitsplatz selbst wird also nicht vermittelt, aber – beinahe genauso wichtig – die Geflüchteten werden Teil eines Netzwerks. „Es ist Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Wolter. Kehrer ergänzt: „Die Erfahrung ähnlicher Mentoring-Programme lehrt: Die Jobs finden sich schon.“

Die Initiative schätzt, dass ihre Zielgruppe in Deutschland insgesamt rund 50 000 bis 70 000 Menschen umfasst. In das Programm sollen rund 700 Menschen aufgenommen werden.

Ein vergleichsweise kleiner Schritt also. Aber durchaus Teil einer größeren Entwicklung für Albert Kehrer. „Das Thema hat in den Jahren einen enormen Aufwärtstrend erlebt“, sagt der Prout-At-Work-Vorstand. Für viele Unternehmen habe die Förderung von LGBTIQ-Geflüchteten inzwischen einen hohen Wert. Tent-Chef Wolter prognostiziert deshalb: „Die Zahl der teilnehmenden deutschen Unternehmen wird sicher auf 20 bis 30 ansteigen in der nächsten Zeit.“

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