1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Frax

IG Metall sieht keine Insolvenzwelle

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Steffen Herrmann

Kommentare

Siemens will digitale Zwillinge von Fabriken bauen.
In den Branchen Metall und Elektro, Stahl, Textil oder Holz ist die wirtschaftliche Lage vielerorts gut. © Rupert Oberhäuser/Picture alliance

Eine Umfrage der Gewerkschaft IG Metall zeigt: Vielen Betrieben geht es gut trotz Energie-Krise und Problemen in den Lieferketten.

Trotz Energiekrise und gestörter Lieferketten: Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen aus den Branchen Metall und Elektro, Stahl, Textil oder Holz ist gut. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Betriebsräten, die die Gewerkschaft IG Metall durchgeführt hat. „Wir können im Moment nicht feststellen, dass in unseren Branchen eine Insolvenzwelle bevorsteht“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Mittwoch.

Im Gegenteil: In drei Vierteln der Betriebe seien die Zahlen bei Auslastung, Auftragsbestand und Auftragseingang gut oder sehr gut. „Beim Gewinn sehen wir eine Eintrübung der Lage“, sagte Hofmann. Allerdings gingen immer noch knapp 50 Prozent der Betriebe von einer guten oder sehr guten Gewinnlage aus.

„Erfreulich ist auch die Beschäftigungslage“, sagte Hofmann. In knapp einem Viertel wachse die Stammbelegschaft. Weniger erfreulich, sogar „skandalös“ ist die Lage aus Sicht des Gewerkschaftsführers beim Nachwuchs. So sei die Zahl der Ausbildungsplätze bei rund einem Viertel der Betriebe rückläufig. Gleichzeitig beklagten sich die Unternehmen über den Fachkräftemangel, so Hofmann. „Was ist denn da los?“

An der Umfrage haben 3362 Betriebsräte teilgenommen, die 1,5 Millionen Beschäftigte repräsentieren. Sie wurde in den vergangenen zwei Wochen durchgeführt – und zeigt laut IG-Metall-Mann Hofmann, dass es „im Moment noch keine massiven Produktionseinschränkungen wegen der hohen Energiepreise“ gibt. Sieben Prozent der Betriebe hätten die Produktion teilweise oder vollständig gestoppt.

Schwerwiegender seien weiterhin Probleme bei den Lieferketten: Bei 37 Prozent der Betriebe sind sie demnach aktuell gestört oder gefährdet.

Aus Sicht der Gewerkschaft ist auch eine andere Zahl wichtig: Knapp 75 Prozent der Unternehmen können gestiegene Preise laut der Umfrage zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben. „Das ist die neue Scheidelinie“, sagte Hofmann. „Habe ich die Marktmacht, Preise weiterzugeben, oder nicht?“

Dass viele Betriebe Preise weiterreichen können, ist auch relevant für die Tarifverhandlungen, die derzeit in der Metall- und Elektroindustrie laufen. Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn, der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Ein Angebot haben die Arbeitgeber bislang nicht vorgelegt, laut der Gewerkschaft fordern sie stattdessen sogar „Variabilisierungen“ beim Weihnachtsgeld und anderen Sonderzahlungen. Diese sollen demnach künftig an den Gewinn gekoppelt sein und ohne Zustimmung der Gewerkschaft abgesenkt werden können.

„Wir haben einen extremen Druck, mit guten Ergebnissen aus der Tarifrunde herauszukommen“, sagte Hofmann. In den Betrieben sehe man viel Unterstützung. Warnstreiks sind ab 29. Oktober möglich.

Auch interessant

Kommentare