Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Fachkräfte sind begehrt und fehlen in vielen Betrieben, nicht nur auf dem Bau.
+
Fachkräfte sind begehrt und fehlen in vielen Betrieben, nicht nur auf dem Bau.

Arbeit

Gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt

  • VonBjörn Hartmann
    schließen

Die Arbeitslosigkeit sinkt, Vollbeschäftigung scheint für viele Fachleute möglich. Doch es gibt auch Probleme.

Mehr Beschäftigte, mehr offene Stellen, weniger Kurzarbeit, weniger Menschen ohne Job: Deutschland hat die Corona-Krise bisher gut verkraftet. Und die Arbeitsmarktzahlen deuten noch auf etwas anderes hin. Die Zeiten, in denen sich große Teile der Bevölkerung Sorgen machen mussten, wenn sie ihre Arbeit verloren, sind vorbei. Massenarbeitslosigkeit gehört offenbar der Vergangenheit an. Dafür drohen andere Probleme.

Zunächst die Zahlen: Im September waren 33,7 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, rund 300 000 mehr als vor der Pandemie. „Ohne Corona hätte der Wert sicher noch höher gelegen“, sagt Daniel Terzenbach, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. 2,47 Millionen Menschen suchten Arbeit, die Arbeitslosenquote betrug 5,4 Prozent. Ohne den Corona-Effekt – noch sind 930 000 Beschäftigte in Kurzarbeit – wären es 4,9 Prozent gewesen.

Arbeitslosigkeit: „Herbstbelebung deutlich höher als üblich“

Die Jugendarbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, die Zahl der offenen Stellen hat das Vorkrisenniveau mit 799 000 deutlich überschritten. „Die Herbstbelebung ist deutlich höher ausgefallen als üblich“, sagt Terzenbach.

Die Zeiten zweistelliger Arbeitslosenquoten sind offenbar vorbei. Noch 2005 suchten rund fünf Millionen Menschen Arbeit, die Quote lag bundesweit bei 13 Prozent. 2019, vor Corona, waren es 5,5 Prozent. Jetzt geht der Trend Richtung unter fünf Prozent. Alexander Herzog-Stein vom IMK in Düsseldorf, dem Forschungsinstitut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, hält noch niedrigere Werte für möglich: „Bei der Arbeitslosenquote ist noch Luft nach unten. Wir können auch unter vier Prozent kommen.“

Tausende Facharbeiterinnen und Facharbeiter fehlen

Die Folge: „Wir kommen in eine Fachkräfteknappheit“, sagte Bundesagentur-Vorstand Terzenbach. Schon vor Monaten warnte seine Behörde, Deutschland würden künftig 400 000 Fachkräfte fehlen – jährlich. Für die geburtenstarken Jahrgänge endet langsam das Berufsleben, die nachrückenden Generationen sind deutlich kleiner.

„Wir nähern uns dem Ideal der Vollbeschäftigung“, sagte Friedrich Pfeiffer, Arbeitsmarktexperte des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Nicht so optimistisch ist IMK-Experte Herzog-Stein. „Vollbeschäftigung wird es allenfalls in bestimmten Branchen und Regionen geben.“ Einen überhitzten Arbeitsmarkt mit Arbeitskräftemangel, in dem die Löhne in der Breite sehr kräftig steigen, halte er für unwahrscheinlich.

Kurzarbeit als Pandemie-Dämpfer

Für die Zukunft ist auch Pfeiffer skeptisch: Der lange Aufschwung zwischen 2009 und 2018 sei schon einmalig. Der Dämpfer durch die Pandemie sei durch Kurzarbeit sehr gut abgefedert worden, sagt der ZEW-Experte. Deutschland habe in den vergangenen 20 Jahren vor allem von der Exportstärke profitiert, etwa dank der Nachfrage aus China. Und: „Von der Exportstärke hängt auch ab, wie sich die Bundesrepublik in Zukunft entwickelt.“

Die Herausforderungen in Deutschland: „Die Wirtschaft steht vor einer tiefgreifenden Transformation durch Dekarbonisierung und Digitalisierung. Das wird den Arbeitsmarkt verändern“, sagt Herzog-Stein. Oder, wie Bundesagentur-Vorstand Terzenbach formuliert: „Die Arbeit wird nicht ausgehen, sie wird sich aber verändern.“ Vor allem würden Jobs entstehen, die bessere Ausbildung erforderten.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist aus Sicht der Bundesagentur, Zuwanderung strukturiert zu regeln. Deutschland habe perspektivisch viel zu wenig Arbeitskräfte, um den Wohlstand zu erhalten, sagt Terzenbach. „Wir brauchen attraktive Voraussetzungen für Zuwanderung, die Hürden sind noch zu hoch.“ Denn Deutschland stehe im Wettbewerb mit den USA, Japan, China um die besten Arbeitskräfte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare