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Girls’-Day: Alte Rollenmuster werden aufgebrochen – Jetzt endlich wieder in Präsenz 

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Von: Steffen Herrmann

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Am 28. April findet der Girls’- und Boys’-Day endlich auch wieder in den Unternehmen statt. Hier sollen Jugendliche alte Rollenbilder bei der Berufswahl überwinden.

Frankfurt – Was macht eigentlich eine Computerlinguistin? Wie sieht der Alltag einer Zahnärztin wirklich aus, abseits vom Bohren und Zähne ziehen? Fragen, die sich für Mädchen und junge Frauen in den vergangenen beiden Jahren nicht so leicht beantworten ließen. Denn wegen der Pandemie fand der Girls‘ Day nur digital statt – und fiel in manchen Betrieben ganz ins Wasser.

Dieses Jahr ist das anders, zumindest teilweise. Am 28. April findet der diesjährige Girls’ Day statt und viele Unternehmen öffnen wieder ihre echten und digitalen Türen und ermöglichen es den Kindern, vielfältige Berufsbilder kennenzulernen. Mehr als 8000 Betriebe sollen es nach Angaben der Veranstalter sein.

Veraltete Rollenbilder aufbrechen: 90.000 Plätze stehen für Jungen und Mädchen zur Verfügung

„Es ist unglaublich wichtig, jungen Menschen nach diesen zwei schwierigen Jahren Perspektiven und berufliche Erfahrungsräume aufzuzeigen“, sagt Romy Stühmeier, die den Girls’ Day und den Boys’ Day, das Pendant für Jungen, koordiniert. Insgesamt gebe es in diesem Jahr mehr als 90.000 Plätze für Jungen und Mädchen, die Anmeldung ist noch bis 27. April möglich.

Girls’-Day: Die Arbeit im Labor kann viel Spaß machen.
Girls’-Day: Die Arbeit im Labor kann viel Spaß machen. © Björn Gaus/Kompetenzz.de

Ein Beispiel: das Leibniz-Institut für deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. Das Institut erforscht die deutsche Sprache. Wer hier arbeitet, beugt sich aber nicht nur über verstaubte Papiere in dunklen Bibliotheken. Das IDS ist modern, hier arbeiten Computerlinguistinnen und Korpuslinguistinnen. Also echte Tech-Profis, die programmieren können. Computerlinguistik zum Beispiel untersucht, wie menschliche Sprache automatisch verarbeitet und interpretiert werden kann. Ein spannendes Querschnittsthema an der Schnittstelle von Sprachwissenschaft und Informatik.

Wahl der Ausbildung: Männer irgendwas mit Technik und Frauen in die Pflege?

Die Wahl einer Ausbildung folgt oft noch alten Rollenmustern: Frauen in die Pflege, Männer irgendwas mit Technik. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung waren im Jahr 2021 bei Frauen folgende Ausbildungsberufe besonders beliebt: Medizinische Fachangestellte, Kauffrau für Büromanagement und Zahnmedizinische Fachangestellte. Bei den Männern stand dagegen der Kraftfahrzeugmechatroniker an der Spitze, gefolgt vom Fachinformatiker und dem Anlagenmechaniker für Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik.

Der Girls’ Day und der Boys’ Day sollen diese Rollenmuster aufbrechen. So können Mädchen Berufe kennenlernen, die typischerweise von Männern dominiert werden und sich in den Betrieben mit Frauen austauschen, die es in Führungspositionen geschafft haben. Das ist auch wichtig für die Altersvorsorge, betonen Fachleute. Denn Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Berufen, Stichwort Gender Pay Gap: Im vergangenen Jahr verdienten Frauen hierzulande im Schnitt 18 Euro weniger pro Stunde als Männer.

Gender-Pay-Gap: Frauen in Deutschland haben es Finanziell immer noch schwerer als Männer

Und das Geld fehlt für die Altersvorsorge, wie eine aktuelle Studie zeigt: Rund jede dritte Frau in Deutschland gab demnach an, nicht über genügend finanzielle Möglichkeiten zu verfügen, um sich selbst vor Altersarmut zu schützen. Für die Studie hat der Versicherungsmanager Clark mit dem Umfrageinstitut You Gov rund 1000 Personen befragt. Davon konnten 30 Prozent nicht sagen, wie ihre finanzielle Situation zu Beginn des Ruhestands sein wird. Nur 18 Prozent der Befragten gaben an, eine private oder betriebliche Rentenversicherung abgeschlossen zu haben.

Auch deshalb sind die Veranstalter des Girls’ Day froh, dass es in diesem Jahr wieder echte Angebote vor Ort gibt. Seit 2001 haben rund zwei Millionen Mädchen an dem Aktionstag teilgenommen, das Pendant für Jungen gibt es bundesweit seit 2011. Auf girls-day.de und boys-day.de gibt es alle Infos für Kinder, Eltern und Unternehmen. (Steffen Herrmann)

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