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Gewerkschaft IG BCE: Nach der Krise ist vor der Krise

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Von: Steffen Herrmann

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Finanzminister Christian Lindner (rechts) im Gespräch mit Yasmin Fahimi (DGB) und Michael Vassiliadis (IB BCE).
Gut vernetzt: Michael Vassiliadis (IB BCE) im Gespräch mit Yasmin Fahimi (DGB) und Finanzminister Christian Lindner (rechts). © dpa

Die Gewerkschaft IG BCE warnt vor steigenden Preisen und fordert einen Gipfel im Bundeskanzleramt.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie warnt vor einem schwierigen Jahr und fordert ein „Perspektivtreffen zur Chemie“ bei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). „Die Krise ist noch nicht vorbei“, sagte der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis bei der Jahrespressekonferenz der Gewerkschaft in Hannover am Montag. „Die echten Herausforderungen für die energieintensiven Industrien liegen noch vor uns.“ Die Preise für Strom und Gas seien in Europa heute deutlich höher als in den USA oder China, gleichzeitig liefen in den kommenden Monaten viele Energielieferverträge aus. Für die Unternehmen könnte es also noch mal deutlich teurer werden. Deshalb, so Vassiliadis, sei schnelles Handeln gefragt – einerseits um Lösungen für die aktuellen Verwerfungen zu finden, andererseits um Weichen für die Modernisierung zu stellen. „Wir wollen unsere Branchen transformieren, wir wollen sie grün machen. Aber das können wir nicht, wenn sie tot sind.“

Mit Blick auf das zurückliegende Jahr stellte Vassiliadis seiner Gewerkschaft ein gutes Zeugnis aus: „Wir haben geliefert.“ Und zwar in doppelter Hinsicht: für die Beschäftigten der BCE-Branchen mit Tariferhöhungen, für die Allgemeinbevölkerung mit den Preisbremsen, an denen die Gewerkschaften mitgearbeitet haben. So habe man ein „Bollwerk gegen die Inflation“ errichtet.

Vassiliadis führt die Gewerkschaft seit 2009. Er gilt als Pragmatiker, dem auch Manager-Sprech nicht fremd ist. Streikfreudig ist die IG BCE unter ihm wie auch unter seinen Vorgängern nicht: Gestreikt wurde in der Chemiebranche zuletzt 1971. Daran hat sich im zurückliegenden Jahr nichts geändert.

Kaum Bewegung auch bei den Zahlen: 2022 hatte die Gewerkschaft 580 446 Mitglieder – 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Mit Blick auf die Lieferengpässe in der Pharmabranche, für die die Gewerkschaft ebenfalls zuständig ist, präsentierte Vassiliadis einen Fünf-Punkte-Plan. Ein wichtiger Aspekt dabei sei der Aufbau einer neuen europäischen Produktion für versorgungskritische Wirkstoffe. Versorgungssicherheit müsse vorrangiges Kriterium bei Ausschreibungen werden. Schließlich gebe es heute Abhängigkeiten von Autokratien „ähnlich wie bei russischem Gas“.

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