1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Frax

Frauenquote: Mehr Managerinnen in Chefetagen von Unternehmen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Steffen Herrmann

Kommentare

Britta Seeger ist Vorstandsmitglied der Daimler AG und als Spitzenmanagerin bislang eher die Ausnahme als die Regel. Hier feiert sie mit Rennfahrer Lewis Hamilton.
Britta Seeger ist Vorstandsmitglied der Daimler AG und als Spitzenmanagerin bislang eher die Ausnahme als die Regel. Hier feiert sie mit Rennfahrer Lewis Hamilton. © imago images/HochZwei

Eine DIW-Studie zeigt: Die Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Unternehmen werden weiblicher. Auch EU-weit profitieren Frauen von Quoten.

Es tut sich etwas in den obersten Etagen der deutschen Unternehmen: Sie werden weiblicher, auch wenn Frauen weiterhin unterrepräsentiert sind. „Die Schere, sie schließt sich etwas“, sagte Katharina Wrohlich am Mittwoch. Die Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung präsentierte die Ergebnisse des DIW-Mangerinnen-Barometers gemeinsam mit ihrer DIW-Kollegin Virginia Sondergeld und Anja Kirsch, Professorin an der FU Berlin für Gender, Governance und internationales Management.

Einige Zahlen im Detail: 139 Vorständinnen gab es in den 200 umsatzstärksten Unternehmen im vierten Quartal 2021. Das waren 38 Frauen mehr als noch ein Jahr zuvor. Der Frauenanteil stieg um drei Prozentpunkte auf 15 Prozent. Es war der höchste Zuwachs seit dem Start des Barometers vor knapp 15 Jahren.

DIW-Studie untersucht Frauen-Anteil in Führung von Unternehmen

Insgesamt analysierten die Forscherinnen die Führungs- und Aufsichtsetagen von etwa 500 großen Unternehmen in Deutschland. Dazu gehören die 200 umsatzstärksten Unternehmen, alle Dax-Unternehmen, alle Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, sowie die 100 größten Banken und 60 größten Versicherungen.

Vor allem bei den Vorständen habe es große Fortschritte gegeben, sagte Wrohlich. In den Aufsichtsräten konnte die DIW-Forscherin „weniger Dynamik“ erkennen, allerdings sei der Frauenanteil dort bereits auf einem höheren Niveau.

DIW-Studie: Frauen-Quoten scheinen zu wirken

Seit mehr als 15 Jahren beobachten die Expertinnen mit dem Barometer, wie viel Macht und Einfluss Frauen an den Unternehmensspitzen haben. Lange tat sich nicht viel, „höchstens in kleinen Schritten“ sei es vorangegangen, heißt es im Bericht zum Barometer.

Ein Grund für die positive Entwicklung sei die gesetzliche Mindestbeteiligung, die von August an gelten wird. Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen müssen dann mindestens eine Frau in ihrem Vorstand haben, wenn es in diesem mindestens vier Posten gibt. „Wir konnten sehen, dass Unternehmen, die ab August betroffen sind, sich schon jetzt sehr verbessert haben“, sagte Wrohlich.

Ex-Kanzlerin Angela Merkel verhinderte eine EU-weite Quote

Derzeit wären nur 66 Unternehmen von der gesetzlichen Vorgabe betroffen. Zwölf dieser Unternehmen, deren Vorstände im Herbst 2020 noch rein männlich waren, hatten ein Jahr später mindestens eine Managerin in ihren Vorstandsreihen.

Europaweit haben neun von 27 EU-Staaten Quotenregeln. Eine EU-Richtlinie scheiterte bislang auch am Widerstand der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Zwischen den EU-Ländern mit Quote gibt es große Unterschiede. Allerdings liegt das Quotenziel meist zwischen 30 bis 40 Prozent. Auch sei in jedem Land „nur ein kleiner Teil von Unternehmen erfasst“, sagte die FU-Professorin Kirsch. Die deutschen Regeln gelten im Vergleich als nicht besonders weitreichend. Aber der Blick auf die europäischen Daten zeige, dass die Quotenregelungen wirkten, so Kirsch. Demnach sind Frauen in EU-Ländern mit Quote in Spitzengremien inzwischen deutlich besser repräsentiert als in EU-Ländern ohne Quote.

Auch interessant

Kommentare