Weniger Schwung am Arbeitsmarkt: FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) steigt nur noch wenig
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Weniger Schwung am Arbeitsmarkt: FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) steigt nur noch wenig

Arbeitsmarkt

Schatten am Arbeitsmarkt

Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt verliert an Schwung. Der FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) kann nur noch wenig zulegen. Doch es gibt noch Lichtblicke.

A m Arbeitsmarkt macht sich die konjunkturelle Eintrübung bemerkbar. Der FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) verliert deutlich an Schwung. Er legte von Juli bis September 2019 im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres nur noch um 0,4 auf 109,1 Punkte zu. Damit ist das zwar ein neuer Höchstwert für ein drittes Quartal, zugleich aber auch der schwächste Anstieg seit dem Jahr 2015.

Bereits das Vorquartal war schwach ausgefallen. "Der gewohnte Anstieg des FRAX im dritten Quartal fällt dieses Jahr nur ein Fünftel so hoch aus wie im letzten Jahr", erläutert Professor Dennis Ostwald die Zahlen. Ostwald führt das Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor, das den FRAX berechnet. "Insbesondere im Hinblick auf den schon heute hohen Bedarf an Fachkräften sind die rückläufigen Ausbildungszahlen Grund zur Sorge", so Ostwald. "Positiv ist, dass immer weniger Erwerbstätige Unterstützung vom Staat benötigen."

Arbeitsmarkt: Einkommen weiter stark

Die stärkste Entwicklung hat der Arbeitsmarkt zuletzt bei den Einkommen genommen. Diese Kategorie legte binnen Jahresfrist um 3,5 auf 108,8 Punkte zu. Dazu trugen der weitere Anstieg der Reallöhne und die Ausweitung des Anteils der Arbeitnehmer am Volkseinkommen, das sie sich mit Investoren und Unternehmen teilen, bei. Am stärksten wirkte sich allerdings aus, dass die Zahl der Aufstocker - also der Erwerbstätigen, deren Löhne zum Leben allein nicht reichen - um fast acht Prozent gesunken ist.

Auch die Beschäftigungsentwicklung und die Zugangschancen benachteiligter Gruppen zum Arbeitsmarkt haben sich weiter verbessert. Rückschläge gab es bei den Arbeitsbedingungen und der Ausbildung. Dort ist der Anstieg bei den neuen Lehrverträgen bereits wieder vorbei. Die geringeren Schulabgängerzahlen können durch Zuwanderung nicht kompensiert werden. Dadurch wird Deutschland mittelfristig Fachkräftenachwuchs fehlen.

Die Ergebnisse des FR-Arbeitsmarktindex im Überblick:

Beschäftigung:Es wird immer mehr gearbeitet in Deutschland: Im dritten Quartal 2019 zählten die Statistiker 15,7 Milliarden Arbeitsstunden, was einem Plus

von 0,5 Prozent binnen Jahresfrist entspricht. Der Beschäftigungsaufbau setzte sich fort, auch wenn er weniger stark ausfiel: ein Plus von 359 000 Personen auf 45,27 Millionen. Die Arbeitslosigkeit fiel im dritten Quartal um 1,6 Prozent auf offiziell noch 2,28 Millionen Menschen. Weiter sehr positiv entwickelt sich auch die Qualität der Arbeit: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse legte um mehr als eine halbe Million zu, während die geringfügige Beschäftigung um circa 95 000 fiel.

Einkommen:Hervor sticht die positive Entwicklung bei den Aufstockern, also den Menschen, die allein von ihrem Lohn nicht leben können und zusätzlich Sozialleistungen beziehen. Ihre Zahl fiel um 84 000 auf 1,01 Millionen Personen. Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen, das sich Arbeitnehmer mit Investoren und Firmen teilen, stieg von 70 auf 71 Prozent. Die Löhne stiegen weiter und stützen damit den Konsum als wichtige Säule der Konjunktur: Allerdings fiel das Plus im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 1,1 Prozent eher gering aus. Dabei gelang es Führungskräften besser als Angelernten, Lohnerhöhungen durchzusetzen.

Zugangschancen:Ins Auge fällt, dass der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen deutlich gesunken ist: Von 34,6 Prozent auf 31,5 Prozent binnen eines Jahres. Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass die Langzeitarbeitslosen vergleichsweise gut wieder in Arbeit kommen. Der Anteil sinkt auch deshalb, weil sie in Rente gehen oder einfach nicht mehr als arbeitslos gezählt werden, weil sie älter als 58 Jahre sind und länger als ein Jahr keine Stelle gefunden haben. Die Arbeitslosenquote der Randaltersgruppen (Junge und Alte) und ihre Wiedereingliederungschancen sowie die Chancen von Frauen, eine sozialversicherungspflichtige Arbeit zu finden, haben sich kaum verändert.

Arbeitsbedingungen:Die Zufriedenheit der Beschäftigten mit den Arbeitsbedingungen nimmt wieder ab. Die Gruppe der sehr Unzufriedenen ist binnen Jahresfrist von 14 auf 16 Prozent angewachsen. Diese Beschäftigten bemängeln zum Beispiel die Verfügbarkeit der notwendigen Arbeitsmittel, die Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten oder die Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen. Bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten setzte sich der langfristige Trend fort, dass die Beschäftigten immer häufiger aus gesundheitlichen Gründen fehlen, das liegt an der Alterung der Belegschaften. Positiv: Die Arbeits- und Wegeunfälle sind binnen zwölf Monaten um 1,5 Prozent gesunken.

Ausbildung:Die Erholung am Ausbildungsmarkt ist schon wieder vorbei: Nachdem die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge jahrelang gefallen war, hatte sich Mitte 2017 eine Trendumkehr eingestellt. Seither ging es wieder aufwärts, aber ohne frühere Niveaus zu erreichen. Wegen geringerer Schulabgängerzahlen, die auch durch Zuwanderung nicht kompensiert werden konnten, fielen die Zahlen im wichtigen dritten Quartal wieder. Für das Gesamtjahr steht ein Rückgang von 1,2 Prozent auf 525 000 Lehrverträge zu Buche. Zudem wurden weniger Ausbildungsabsolventen von ihren Betrieben übernommen, was an den schlechteren Konjunkturaussichten liegen könnte.

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