1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Frax

„Die Vernetzung bei Amazon ist wichtig“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Steffen Herrmann

Kommentare

Streikende im Oktober vor dem Amazon-Logistikzentrum in Koblenz.
Streikende im Oktober vor dem Amazon-Logistikzentrum in Koblenz. © Thomas Frey/dpa

Betriebsrat Andreas Gangl über die Stimmung beim Onlinehändler und weltweiten Protest.

Online tobt die Rabattschlacht: Auch Amazon lockt am Black Friday mit vermeintlichen Schnäppchen. Nötig hätte es der Konzern nicht: Im vergangenen Jahr fuhr Amazon einen Gewinn in Höhe von rund 33,36 Milliarden Dollar ein. Davon sehen die Beschäftigten wenig. Andreas Gangl arbeitet bei Amazon in Bad Hersfeld, ist Betriebsrat und engagiert sich bei Amazon Workers International (AWI), die Amazon-Beschäftigte in verschiedenen Ländern vernetzt. Wie viele andere Beschäftigte, Initiativen und Umweltorganisationen protestiert Gangl am Freitag gegen die Praktiken des Konzerns. Im Interview spricht er über den „Make Amazon Pay Day“, die schlechte Laune der Arbeiter:innen und die Rolle der Solidarität.

Herr Gangl, worum geht es beim „Make Amazon Pay Day“ an diesem Freitag?

Amazon ist der weltgrößte Onlinehändler und macht Milliardengewinne, aber vernachlässigt seine Beschäftigten, die schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Löhne haben. Der Konzern belastet aber auch die Umwelt, zum Beispiel durch den Verkehr, und zahlt drittens weltweit kaum Steuern. Der Black Friday ist gewissermaßen ein Feiertag von Amazon, an dem Rabatte das große Geschäft bringen sollen. Mit dem „Make Amazon Pay Day“ wollen wir eine Gegenposition aufbauen.

Welche Aktionen gibt es?

In Deutschland gibt es zum Beispiel Streiks an mehreren Standorten, auch hier in Bad Hersfeld. Am Freitag werden wir gemeinsam für Fotos posieren, die um die Welt gehen sollen.

Der Konzern wirbt in der Black Week und am Black Friday wieder mit großen Rabatten und Sonderaktionen. Gleichzeitig sollen weltweit Zehntausende Stellen abgebaut werden.

Der Stellenabbau betrifft uns nicht, sondern vor allem Abteilungen, die mit Alexa zu tun haben. Aber er zeigt, wie Amazon reagiert, wenn es mal schlechter läuft. Amazon setzt ja generell auf „Hire and fire“, wobei die Leute nicht gefeuert werden, sondern man die befristeten Verträge einfach auslaufen lässt. Insbesondere im Weihnachtsgeschäft ist das ein Problem. Die Stimmung ist ziemlich schlecht; das erkennt man auch daran, dass die Gewerkschaft hier inzwischen einen Organisationsgrad von knapp 50 Prozent hat. Die Leute haben die Schnauze voll.

Andreas Gangl ist Betriebsrat bei Amazon in Bad Hersfeld.
Andreas Gangl ist Betriebsrat bei Amazon in Bad Hersfeld. © privat

Sie engagieren sich bei den „Amazon Workers International“. Warum ist die internationale Vernetzung so wichtig?

Amazon ist ein Global Player. Im Prinzip macht es keinen Unterschied, wo man arbeitet – in Bad Hersfeld, den USA, Polen oder Indien. Die Arbeit ist überall gleich. Aber Amazon setzt die verschiedenen Standorte in Konkurrenz zueinander. Die Vernetzung ist wichtig, um sich nicht gegen einander ausspielen zu lassen.

Die „Amazon Workers International“ treffen sich regelmäßig. Im September haben sich Beschäftigte aus Deutschland, Polen, Frankreich und der Slowakei in Polen getroffen. Aus der Türkei, den USA und Kanada haben sich Kolleginnen und Kollegen digital zugeschaltet. Was nehmen Sie aus diesen Treffen mit nach Bad Hersfeld?

Wir stellen gemeinsame Forderungen auf, zum Beispiel beim Lohn oder dem Gesundheitsschutz. Vor allem nimmt man aber eine große Solidarität und ein Gemeinschaftsgefühl mit. Die Standortleiter haben versucht, uns zu Gegnern zu machen. Aber dann sind wir Kollegen geworden, und heute sind wir Freunde.

Wie reagiert Ihr Arbeitgeber auf die Vernetzung?

Eine offensichtliche Reaktion gibt es nicht. Aber ich bin mir sicher, dass man ganz genau beobachtet, was wir tun.

Interview: Steffen Herrmann

Auch interessant

Kommentare