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Hautkrebs ist Berufskrankheit: „Die Haut vergisst nicht“

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Von: Steffen Herrmann

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Frank Werner, Experte der BG Bau, über die Berufskrankheit Hautskrebs und den Schutz vor sommerlicher Hitze beim Arbeiten.

Der Sommer ist da. Doch die Freude darüber ist bei vielen, die arbeiten müssen, getrübt. Denn Hitze und Sonnenschein können gefährlich werden, wie Frank Werner berichtet. Er ist stellvertretender Abteilungsleiter Prävention bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau).

Herr Werner, spielt das Coronavirus eigentlich noch eine Rolle am Bau?

Wir sind bisher gut durch die Pandemie gekommen. Heute spielt das Virus keine größere Rolle als in anderen Bereichen der Wirtschaft. Das heißt: Es gibt Corona-Ausfälle auf den Baustellen, aber vielleicht sogar weniger als in anderen Branchen. Das liegt daran, dass wir häufig im Freien und mit größeren Abständen zueinander arbeiten.

Die Berufskrankheit Hautkrebs ist ein echtes Problem für alle, die viel an der frischen Luft arbeiten.
Die Berufskrankheit Hautkrebs ist ein echtes Problem für alle, die viel an der frischen Luft arbeiten. © dpa

Arbeiten im Freien: Vor UV-Strahlung schützt leichte Baumwollkleidung

Beim Arbeiten im Freien drängt ein anderes Thema derzeit im Vordergrund: der Sommer – und mit ihm die Hitze.

Das stimmt. Alle, die im Freien arbeiten, müssen sich gegen die UV-Strahlung schützen. Das geht sehr einfach, indem man leichte Baumwollkleidung trägt. Ein Hemd, wie wir Büromenschen es kennen, reicht schon aus für einen guten Schutz. Für den professionellen Bau gibt es natürlich UV-Schutzkleidung, die oft auch Warneigenschaften hat.

Und der Schutz gegen die Hitze?

Die Arbeit sollte so organisiert werden, dass die Mitarbeiter möglichst im Schatten arbeiten und regelmäßige Pausen machen, in denen sie viel trinken. Wasser oder ungesüßter Tee sind perfekt.

BG Bau fördert Sonnenschutz mit bis zu 50 Prozent

Was muss der Arbeitgeber tun?

Er muss die notwendige Schutzkleidung bereitstellen, aber auch Sonnenschutzcreme – mindestens Lichtschutzfaktor 30, besser Faktor 50. Alle zwei Stunden nachcremen, dann sind wir gut dabei.

Inzwischen gibt es große Sonnensegel, die über Baustellen gespannt werden können.

Jeder kennt Gartenpavillons, und die gibt es inzwischen auch im professionellen Bereich – also UV-Schutzzelte und Sonnensegel, die man aufspannt. Eine tolle Lösung, auch weil man sie leicht umsetzen und mit der Sonne wandern kann. Die BG BAU fördert für ihre Mitgliedsunternehmen deshalb bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten. Um es attraktiv für die Unternehmen zu machen und auch das neue Verständnis zu verstärken: Freier Oberkörper auf der Baustelle – das muss der Vergangenheit angehören.

Frank Werner ist Bauingenieur und leitet seit 2010 stellvertretend die Abteilung Prävention bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Die BG BAU ist die gesetzliche Unfallversicherung für die Bauwirtschaft und baunahe Dienstleistungen in Deutschland. sbh Bild: S. Taheri
Frank Werner ist Bauingenieur und leitet seit 2010 stellvertretend die Abteilung Prävention bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Die BG BAU ist die gesetzliche Unfallversicherung für die Bauwirtschaft und baunahe Dienstleistungen in Deutschland. © Shahnaz Taheri

Weißer Hautkrebs ist seit 2015 Berufskrankheit

Ich wollte gerade sagen: Braungebrannte Oberkörper sieht man immer noch viele auf den Baustellen. Fehlt bei manchen das Bewusstsein für die Gefahren?

Ja, das ist ein Lernprozess. Unsere Kinder schützen wir, aber bei uns selbst sind wir nachlässig. Ich sehe zu meiner Freude aber, dass immer weniger Beschäftigte oberkörperfrei arbeiten. Es gibt also einen Bewusstseinswandel. Das ist auch wichtig, denn die Haut vergisst nicht.

Stichwort Hautkrebs.

Weißer Hautkrebs ist seit 2015 eine anerkannte Berufskrankheit – und schoss bei den Verdachtsanzeigen sofort nach oben. Heute steht der weiße Hautkrebs in Negativkonkurrenz mit der Lärmschwerhörigkeit, ist also eine der ganz präsenten Berufskrankheiten. Da gilt es sich zu schützen.

Long Covid spielt keine Rolle auf den Bau, nur „sehr, sehr geringe Zahlen“

Der beste Schutz ist wahrscheinlich, nicht in der Sonne zu arbeiten. Das ist für viele Arbeiterinnen und Arbeiter aber keine Option oder?

Durch eine pfiffige Arbeitsorganisation kann man einen sehr guten Schutz erreichen. Zum Beispiel morgens früher anfangen und in der Mittagszeit im Inneren oder gar nicht arbeiten. Wenn man sich Gedanken macht, findet man immer gute Möglichkeiten, die Kolleginnen und Kollegen auf den Baustellen zu schützen.

Sie haben die Berufskrankheiten angesprochen. Spielt Long Covid eine Rolle auf dem Bau?

Nein, wir haben in der Bauwirtschaft und bei den baunahen Dienstleistungen sehr, sehr geringe Zahlen. Aber das liegt auch daran, dass es nur wenige Erkrankungen gibt, die mit der Arbeit im Zusammenhang stehen.

Interview: Steffen Herrmann

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