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Ein Obdachloser, der auf der Zeil schläft.

Bahnhofsviertel

Bahnhofsviertel: Viele Verzweifelte

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Wie ist die Stimmung im Ortsbezirk? Gerade im Bahnhofsviertel, aber auch in der Innenstadt sind vor allem Obdachlose auf Hilfe angewiesen, teilweise ist die Stimmung aggressiv. Der Ortsbeirat 1 hat online die Situation der Bedürftigen besprochen.

Seit sechs Wochen verteilt die Initiative Helferfreunde fast täglich Essen an Obdachlose. „Die Menschen sind verzweifelt, viele können ihr Geld nicht mehr durch Pfand verdienen, die Stimmung ist zum Teil aggressiv“, berichtet Gründer André Daniel in der Bürgerfragestunde des Ortsbeirat 1, die am Dienstag online stattfand. Bürger konnten per Computer oder Telefon dabei sein, zeitweise waren es 47 Teilnehmer. Bürger hatten sich gewünscht, dass es einen Überblick gebe, wie die Situation der Obdachlosen im Ortsbezirk, vor allem im Bahnhofsviertel und der Innenstadt sei, teilte Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) mit.

Bereits mehr als 3000 Lunchpakete wurden an Obdachlose und Bedürftige in Einrichtungen, Notunterkünften und auf der Straße, aber auch an Familien und Senioren, die durch Corona in Bedrängnis geraten seien, abgegeben. Im Bahnhofsviertel sei das Verteilen schwierig gewesen, sagt Daniel, da der Abstand nicht eingehalten wurde. Auf der Zeil hingegen sei die Stimmung besser. Auch am Wochenende sind die Helfer mit einem Bollerwagen im Ortsbezirk unterwegs und versorgen Obdachlose, die sie antreffen. „Viele Menschen sind dankbar und freuen sich, wenn sie uns sehen.“

Initiativen der Bürger seien zwar gut, sagt Ortsbeiratsmitglied Eyup Yilmaz (Linke). Aber es sei Aufgabe der Stadt, die Menschen zu versorgen. „Die Notunterkünfte reichen nicht aus, die Menschen sind verzweifelt.“ Obdachlose hätten zudem keine Chance, sich vor Corona zu schützen. Warum könne die Stadt dafür nicht Hotels öffnen?

Es gebe durchaus Hotels, in denen Menschen untergebracht seien, sagt Robert Standhaft vom Sozialdezernat auf Nachfrage der FR. „Die Versorgungsstrukturen bestehen ja auch in Corona-Zeiten nach wie vor.“ Notunterkünfte seien geöffnet, genauso wie die B-Ebene der Hauptwache, dort habe man die Fläche erweitert, um den Abstand einzuhalten. Aber die Nachfrage lasse eher nach. Bei Essensausgaben sei sie jedoch gestiegen.

Björn Driebold, Schutzmann vor Ort im Bahnhofsviertel, beobachtet, dass die Stimmung aggressiv werde. „Es ist keine einfache Lage.“ Es fehlten Rückzugsräume, vieles sei geschlossen, etwa Spielotheken. Viele Menschen könnten kein Geld verdienen.

Der Anblick sei schon erschreckend, findet Oskar Mahler, Künstler und Quartiersguide im Bahnhofsviertel. Da alle Restaurants geschlossen seien, sehe man die Not jetzt besser. Vielleicht biete das aber auch die Chance, mehr Leute von der Straße wegzubekommen.

Wer die Helferfreunde  unterstützen will, schreibt an helferfreunde-frankfurt@gmx.de, Sie freuen sich auch über Spenden und Masken.

Von Judith Köneke

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