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Arbeitsmarktindex FRAX: Zeichen der Erholung

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Von: Steffen Herrmann

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Bis zum Jahresende entwickelte sich die Beschäftigung in Deutschland gut.
Bis zum Jahresende entwickelte sich die Beschäftigung in Deutschland gut. (Symbolbild) © Cindy Riechau/dpa

Das FR-Barometer FRAX zeigt: Der Arbeitsmarkt in Deutschland erholt sich langsam. Aber es gibt auch Probleme.

Hunderttausende Menschen sind aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Hierzulande könnten sie in Jobs landen, für die sie überqualifiziert sind, warnt die Arbeitsmarktforscherin Sandra Hofmann im Gespräch mit der FR. „Das Risiko ist groß, Frauen reflexartig in die Pflege oder soziale Berufe zu stecken – egal ob das passt oder nicht.“ Auch die Gewerkschaften fordern, ukrainische Flüchtlinge nicht als billige Arbeitskräfte auszunutzen.

Dabei treffen die Ukrainerinnen und Ukrainer auf einen Jobmarkt, der Zeichen einer Erholung zeigt: Nachdem der FR-Arbeitsmarktindex FRAX zu Beginn der Corona-Pandemie eingebrochen war, ist der Index im vierten Quartal 2021 mit 109,3 Punkten auf den bisherigen Höchststand von 2019 geklettert. Das zeigt die jüngste Aktualisierung des Barometers, das das Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR für die Frankfurter Rundschau berechnet.

Im vierten Quartal 2021 lag der Index um 0,9 Punkte höher als im Vorjahr. Treiber des Aufschwungs war vor allem die positive Entwicklung der Beschäftigung: Im vierten Quartal stieg die Zahl der Erwerbstätigen um 195.000 Menschen, während 388.000 Personen weniger arbeitslos waren als noch im ersten Corona-Jahr 2020. Auch im Vergleich von 2020 zu 2021 legte die Beschäftigung zu.

Arbeitsmarkt: Mehr Langzeitarbeitslose

Gedämpft wurde der Trend von den anhaltend schlechten Zugangschancen zum Arbeitsmarkt: In der Kategorie stellten die WifOR-Fachleute ein Minus von 5,8 Punkten fest. „Dies liegt im Wesentlichen an dem deutlichen Anstieg des Anteils der Langzeitarbeitslosen um 8,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahresquartal und sollte mit Sorge betrachtet werden“, sagt WifOR-Forschungsfeldleiterin Sandra Hofmann.

FR-Arbeitsmarktindex FRAX

Der FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) zeigt die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Er ist eine Entwicklung der Frankfurter Rundschau und des Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR. Er wurde über mehrere Monate hinweg in enger Abstimmung zwischen Journalist:innen und Wissenschaftler:innen erarbeitet.

Grundgedanke des Arbeitsmarktindex ist, dass alleine die Arbeitslosen- und Erwerbstätigenzahlen keine sinnvolle Bewertung des deutschen Arbeitsmarktes ermöglichen. Es kommt ebenfalls auf die Qualität der Arbeit an, darauf, dass die Menschen von ihrem Lohn leben können, dass Jugendliche gut ausgebildet werden und dass auch Ältere oder Langzeitarbeitslose Chancen haben, eine Stelle zu finden.

Alle News, Analysen, Trends finden Sie auf fr.de/frax.

Das erste Quartal des neuen Jahres, in das auch der russische Angriff auf die Ukraine fällt, ist aufgrund saisonaler Effekte traditionell eher schwach. Die umfangreichen Daten, auf deren Basis der FRAX berechnet wird, liegen dafür aber noch nicht vor.

Arbeitsmarkt: So entwickelten sich die einzelnen FRAX-Kategorien im vierten Quartal 2021

Arbeitsmarkt: So entwickelte sich der FRAX bis zum 4. Quartal 2021.
Arbeitsmarkt: So entwickelte sich der FRAX bis zum 4. Quartal 2021. © FR

Beschäftigung: Trotz Corona-Krise hat sich die Beschäftigung im vierten Quartal 2021 prächtig entwickelt. Ein wichtiger Grund dafür: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kräftig gesunken und liegt nun bei knapp 2,4 Millionen. Das sind rund 388.000 Menschen weniger als im vierten Quartal 2020. Gleichzeitig wurde mehr gearbeitet: Die Zahl der Arbeitsstunden lag im vierten Quartal bei 15,3 Milliarden, ein Plus von 591 Millionen Stunden und vier Prozent. Etwas weniger stark legte die Zahl der Erwerbstätigen zu: Von Oktober bis Dezember waren es hierzulande rund 45,2 Millionen. Eine Zunahme von 0,4 Prozent (195.000 Menschen).

Ausbildung: Die Corona-Pandemie hat dem Ausbildungsmarkt einen heftigen Schlag verpasst, von dem er sich bislang nicht erholt hat. In 2020, dem ersten Jahr der Pandemie, fiel die Zahl der Ausbildungsverträge erstmals unter 500.000. Auch im vergangenen Jahr blieb diese Marke unerreicht: Rund 473.000 Azubis unterschrieben 2021 einen Ausbildungsvertrag. Das waren knapp 1,2 Prozent und rund 5600 Menschen mehr als im Vorjahr – ein leichtes Plus also. Auch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verbesserte sich: Im vierten Quartal kamen auf 100 Bewerber:innen 99,1 Angebote für einen Ausbildungsplatz. Insgesamt legt die Kategorie deshalb zu.

Einkommen: Wenig getan hat sich im vierten Quartal 2021 bei beim Einkommen. Die Kategorie legte um 0,1 Punkte zu. Positiv dabei: Die Schere zwischen denen, die viel verdienen, und jenen, die wenig verdienen, schloss sich etwas. Ebenfalls positiv: Die Zahl der Aufstocker sank. Das sind Menschen, deren Lohn zum Leben nicht reicht und die noch Sozialleistungen benötigen. Im viertel Quartal gab es rund 864.000 Aufstocker:innen, das waren rund 42.000 Menschen weniger als noch ein Jahr zuvor. Negativ: Der Reallohnindex ist im Vergleich zum Vorjahresquartal gesunken. Der Grund dafür sind vor allem die steigenden Verbraucherpreise.

Zugangschancen: Ein dickes Minus steht vor der Kategorie der Zugangschancen. Verantwortlich dafür ist der kräftige Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Langzeitarbeitslos ist, wer ein Jahr und länger arbeitslos ist. 40,8 Prozent aller Arbeitslosen waren langzeitarbeitslos. Im Vorjahresquartal waren es noch 32,4 Prozent. Verschlechtert hat sich auch die Situation der Unter-25- und Über-54-Jährigen. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen stieg und liegt bei 32,6 Prozent. Vor allem für jüngere Arbeitslose ist es schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Die Zahl der jungen Arbeitslosen, die den Sprung aus der Arbeitslosigkeit schafften, sank beinahe um ein Viertel.

Arbeitsbedingungen: Die Zufriedenheit der Beschäftigten mit ihren Arbeitsbedingungen hat sich im vierten Quartal 2021 weiter kräftig verbessert und um 4,5 Punkte zugelegt. Dazu beigetragen haben vor allem deutlich weniger Unfälle im Büro oder auf dem Weg dorthin. Auch die Fehlzeiten nahmen ab. Für das gesamte Jahr rechnen die Fachleute mit 19,9 krankheitsbedingten Fehltagen im Durchschnitt. Leicht verbesserten sich ebenfalls die Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz. Dazu gehört auch die emotionale Bindung an das Unternehmen. Laut aktuellen Zahlen geben etwa 14 Prozent der Beschäftigten an, keine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber zu haben.

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