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Arbeit: Stillstand auf dem Ausbildungsmarkt

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Von: Steffen Herrmann

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Besonders viele Ausbildungsplätze bleiben in den Berufen unbesetzt, in denen schon heute ein ausgeprägter Fachkräftemangel herrscht.
Besonders viele Ausbildungsplätze bleiben in den Berufen unbesetzt, in denen schon heute ein ausgeprägter Fachkräftemangel herrscht. © Daniel Karmann/dpa

Ein leichter Anstieg bei den Ausbildungsverträgen kann die Corona-Delle auf dem Arbeitsmarkt nicht wettmachen.

Immerhin, ein kleines Plus: Um knapp 2100 ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diesem Jahr gestiegen. Bis zum Stichtag am 30. September unterzeichneten 475 100 Azubis einen neuen Vertrag – ein Plus von 0,4 Prozent zum Vorjahr. Das teilte das Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) am Mittwoch in Bonn mit. Damit liegt die Zahl der neuen Verträge weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau: 2019 gab es noch knapp 525 000 Unterschriften unter Ausbildungsverträgen – eine Marke, die seither nicht mehr erreicht wurde.

„Die Corona-Pandemie hat bei der Berufsausbildung zu erheblichen Attraktivitätsverlusten bei Jugendlichen geführt, die nur schwer aufzuholen sind“, sagte Friedrich Hubert Esser. Der BIBB-Präsident, selbst ausgebildeter Bäcker, warnte vor einer Verschärfung der Fachkräfteengpässe. Deshalb seien dringend „erfolgswirksame“ Impulse notwendig, „die das Interesse junger Menschen an einer Berufsausbildung erhöhen“.

Im Ausbildungsjahr 2022 legte das Angebot an Azubis-Stellen zwar leicht zu (plus 7800 Stellen). Gleichzeitig ließ aber das Interesse der jungen Menschen wie schon im vergangenen Jahr weiter nach: 5300 Nachfragende weniger zählten die BIBB-Fachleute. „Diese Entwicklung verschärft die Besetzungsprobleme der Betriebe“, heißt es in der Analyse des Instituts. Die Zahl der unbesetzten Azubi-Stellen stieg deutlich auf 68 900 Stellen. Insgesamt blieben dreizehn Prozent aller Ausbildungsstellen unbesetzt – ein neuer Höchstwert.

Für Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, sind das keine guten Aussichten: „Von allen ausbildungsinteressierten jungen Menschen haben in 2022 nur 68 Prozent tatsächlich eine Ausbildung begonnen“, sagte Hannack. Besorgniserregend sei der Rückgang der Bewerber:innen: Viele junge Menschen gingen nach der Schule verloren, sagte Hannack. „Wir brauchen deshalb ein systematisches Management am Übergang zwischen Schule und Beruf. Sonst droht diesen jungen Menschen später ein Leben in Armut und prekärer Beschäftigung.“

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