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Mehr Stellenanzeigen: Azubis dringend gesucht

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Von: Steffen Herrmann

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Laborantin
Aktuell suchen viele Unternehmen Nachwuchs. © Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

Immer mehr Unternehmen bilden selbst aus, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das zeigt eine Analyse von Stellenanzeigen für Auszubildende.

Der Druck steigt: Viele Unternehmen suchen händeringend Personal. Weil aber Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt vielerorts kaum noch zu bekommen sind, wollen die Firmen ihren Nachwuchs immer öfter selbst ausbilden. „Azubi gesucht“, heißt es in Stellenportalen, Zeitungen und auf Firmenwebseiten. Auch die Pandemie, der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise können den Trend bislang nicht aufhalten.

Das zeigt eine Auswertung von Stellenanzeigen für öffentlich ausgeschriebene Ausbildungsplätze, die die Personalmarktforschung Index Research für die Frankfurter Rundschau erstellt hat. Dafür analysierten die Fachleute rund 190 Printmedien, 226 Onlinebörsen, das Stellenportal der Bundesagentur für Arbeit und knapp 136 000 Unternehmenswebseiten.

Das Ergebnis: Während von Januar bis September 2019 noch rund 110 000 Unternehmen in Deutschland auf der Suche nach Azubis waren, waren es in den ersten neun Monaten dieses Jahres knapp 141 000 Unternehmen. Die Zahl der Stellenanzeigen für Azubis legte in diesem Zeitraum um 303 000 auf 986 000 zu. Da aber viele Unternehmen eine einzige Stelle auf mehreren Plattformen gleichzeitig bewerben, liegt die tatsächliche Zahl der ausgeschriebenen Stellen tiefer: Sie stieg in den ersten neun Monaten 2022 im Vergleich zu 2019 um knapp 165 000 auf knapp 613 000 Stellen.

Mehr Stellenanzeigen, mehr Ausgaben für Inserate
Begehrte Azubis © FR/Index Research

Das alles ließen sich die Unternehmen auch etwas kosten: 2019 zahlten sie knapp 109 Millionen Euro für die Stellenanzeigen. 2022 waren es im gleichen Zeitraum schon rund 233 Millionen. In allen Kategorien – Firmen, Stellen, Stellenanzeigen und Umsatz – steht also ein fettes Plus. Und das sogar von Jahr zu Jahr. Nur im ersten Pandemie-Jahr gab es einen kleinen Dämpfer, der Umsatz mit Azubi-Stellenanzeigen ging 2020 zum Beispiel um 1,8 Prozent zurück. Mit Blick auf die Unsicherheit, die damals in weiten Teilen der Wirtschaft herrschte, ein erstaunlich geringes Minus. Auch die Zahl der Unternehmen, die auf der Suche nach Azubis waren, blieb stabil.

Auf der Suche nach Azubis mit Stellenanzeigen

Wer aber sind die Top-Arbeitgeber? Am meisten Azubi-Stellen hat Edeka ausgeschrieben: In den ersten neun Monaten des Jahres waren es knapp 24 000 Stellen. Dafür nahm der Handelsriese schätzungsweise rund 17,9 Millionen Euro in die Hand. Der Einzelhandel dominiert die Top-5, neben Edeka sind Rewe, Kaufland und die Drogeriekette dm besonders häufig auf der Suche nach Azubis. Dazu passt: Der Handel schaltete als Branche insgesamt die meisten Stellenanzeigen – nämlich rund 315 000. Es folgt das verarbeitende Gewerbe (173 000 Stellen) vor dem Baugewerbe, das von Januar bis September rund 59 000 Stellenanzeigen schaltete.

Unter den Top-5 der Arbeitgeber sticht die Deutsche Bahn heraus – als einziges Unternehmen, das nicht zum Einzelhandel gehört. Was allerdings nicht verwunderlich ist: Der Staatskonzern muss innerhalb von zehn Jahren rund 100 000 Stellen besetzen. Im laufenden Jahr hat die Bahn schon rund 2000 Menschen an Bord geholt, davon viele Azubis. Laut Index Research schaltete die DB in diesem Jahr knapp 68 000 Stellenanzeigen für 11 500 Lehrstellen.

Stellenanzeigen von Unternehmen
Unternehmen werben um Nachwuchs © FR/Index Research

Auf dem Ausbildungsmarkt gebe es „Passungsprobleme“, hatte der Bildungsforscher Frank Neises vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn kürzlich gesagt. Der Experte machte unter anderem regionale Unterschiede dafür verantwortlich: „Während in den Regionen des Ruhrgebiets 100 Jugendlichen nur etwa 70 bis 80 Ausbildungsstellen geboten werden, gibt es in den Regionen Ostbayerns nahezu 130 Lehrstellen auf 100 Jugendliche.“

Suche nach Azubis: Viele Lehrstellen in Berlin ausgeschrieben

Regionale Unterschiede zeigt auch die Auswertung von Index Research. Ein Blick auf Sachsen und Rheinland-Pfalz: In beiden Ländern leben etwas mehr als vier Millionen Menschen. Sächsische Unternehmen aber scheinen größere Probleme zu haben, Nachwuchs zu finden: Obwohl in Sachsen weniger Firmen weniger Lehrstellen zu besetzen hatten, gab es von Januar bis September deutlich mehr Stellenanzeigen als in Rheinland-Pfalz. Sächsische Firmen müssen also offenbar stärker um Azubis kämpfen.

Die Ausbildungshauptstadt ist laut Index Research Berlin. Knapp 5000 Unternehmen sind dort auf der Suche nach jungen Nachwuchskräften – mehr als in jeder anderen Stadt Deutschlands. Um 16 000 Stellen zu besetzen kaufen die Firmen knapp 29 000 Stellenanzeigen ein.

Aufgeschlüsselt nach Städten gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle in der Ausbildungslandschaft. Von den acht Städten mit den meisten Stellenanzeigen für Azubis liegen sieben Städte in Westdeutschland. Die einzige Stadt auf dem Gebiet der früheren DDR ist Chemnitz.

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