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Anonym bewerben

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Von: Steffen Herrmann

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Die Gründer: Thilo Elst (links) und Florian Unzicker.
Die Gründer: Thilo Elst (links) und Florian Unzicker. © Club of Code

Das hessische Start-up „Club of Code“ vermittelt IT-Profis an Unternehmen.

Anonym auf eine Stelle bewerben – das ist vielerorts noch schwierig, auf der Plattform „Club of Code“ geht es gar nicht anders. „Unternehmen sehen kein Bild vom Kandidaten, keinen Namen, auch das Geschlecht ist verborgen“, sagt Thilo Elst. Gemeinsam mit Florian Unzicker hat der junge Hesse das Start-up auf den Weg gebracht. Was sich hinter dem Namen verbirgt? Ganz kurz zusammengefasst: „’Club of Code‘ ist eine Plattform, die Software-Entwickler und Unternehmen automatisiert über einen Algorithmus zusammenbringt“, sagt Elst.

Frei vor Diskriminierung soll die Plattform sein. Die Anonymität sei vielen Entwickler:innen aber auch aus einem anderen Grund wichtig: „Sie sind datensensibel, sie kennen sich eben mit Daten aus.“ Also solle der Fokus allein auf der Qualifikation liegen, sagt Elst. Unternehmen suchen händeringend nach IT-Fachleuten. Laut dem Branchenverband Bitkom gibt es derzeit rund 86 000 unbesetzte Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Suche nach IT-Personal belastet die Unternehmen, kostet Geld und Zeit. Laut von Bitkom suchen Unternehmen mit mehr als drei Beschäftigten durchschnittlich sechs Monate, bis sie eine IT-Stelle besetzen können. Software-Entwickler:innen seien dabei besonders begehrt, heißt es.

Das beobachtet auch Elst: „Software-Entwickler werden auf Xing und Linkedin mit Stellenangeboten zugespamt.“ Viele dieser Angebote passten aber oft nicht zu den Lebensläufen und Fähigkeiten der umworbenen Fachleute, ließen etwa die verschiedenen Programmiersprachen außer Acht. „Das frustriert“, sagt Elst, auch die Unternehmen.

An dieser Stelle wollen Elst und sein Mitgründer ansetzen: Ihr Algorithmus vergleiche im großen Stil Profile der angemeldeten Fachleute mit den offenen Stellen der Unternehmen, berücksichtige auch Gehaltsvorstellungen oder etwa den Wunsch, in einem Start-up arbeiten zu wollen. „Wir machen es schneller und effizienter als andere“, ist sich der Hesse sicher.

Verzicht auf Geldgeber

Elst ist selbst IT-Recruiter, sein Mitgründer Unzicker ist Software-Entwickler. Die beiden Männer aus der Nähe des hessischen Limburg kennen das Problem, das sie lösen wollen, also selbst aus den verschiedenen Blickwinkeln.

Seit einem Jahr ist die Plattform online. Derzeit sind 450 Unternehmen und 1700 Entwickler:innen aktiv. Vermittelt hat „Club of Code“ im vergangenen Jahr zehn Entwickler:innen. „Darauf sind wir stolz“, sagt Elst, auch weil die beiden Gründer sich dafür entschieden haben, auf externe Geldgeber zu verzichten. „Wir mögen Unabhängigkeit.“

Derzeit wächst „Club of Code“ stetig, wie Elst berichtet. Angst vor der Konkurrenz anderer, größerer Plattformen wie „Honeypot.io“ hat er nicht. „Allein in Deutschland gibt es 900 000 Entwickler. Das Potenzial ist unglaublich groß.“

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